Wirtschaft

Argument gegen mehr Regulierung: Banken befürchten Kreditklemme

Die Geldinstitute befürchten, dass die Finanzkrise erneut die Realwirtschaft in Mitleidenschaft zieht. Dementsprechend verlangen sie von der Politik, von einer weiteren Verschärfung der Regulierung der Finanzwirtschaft abzusehen. Laut Deutsche-Bank-Chef Ackermann richtet eine solche Maßnahme weiteren Schaden an.

Josef Ackermann will eine weitere Schwächung der Finanzwirtschaft verhindern.
Josef Ackermann will eine weitere Schwächung der Finanzwirtschaft verhindern.(Foto: dapd)

Die Warnungen der Bankenbranche vor einem Überschwappen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft werden immer lauter. Am Rande der Herbsttagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington war auffallend oft von ersten Anzeichen einer Kreditklemme die Rede. Dies drohe, Investitionen und Konsum und damit das Wirtschaftswachstum abzubremsen, hieß es.

In den USA gibt es Bankern zufolge bereits eine Verknappung, da die dortigen Institute ihre Risiken drastisch zurückfahren. In Europa und Deutschland wird zwar nicht mit einem Engpass, aber doch mit einer Verteuerung der Kredite gerechnet.    

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann fand die deutlichsten Worte: "Wenn man den Finanzsektor jetzt in diesem schwierigen Umfeld weiter schwächt, wird auch die Realwirtschaft einen hohen Preis zu zahlen haben", sagte er in Washington. Der Schweizer ist auch Präsident des Weltbankenverbands IIF, der mehr als 450 Institute vertritt.      

Die Finanzbranche versucht mit ihren Warnungen, eine weitere Verschärfung der Regulierung abzuwenden, die sich bereits am Horizont abzeichnet. Besonders kritisch sehen die Institute den geplanten Kapitalzuschlag für international vernetzte Großbanken von bis zu 2,5 Prozentpunkten, der von den 20 führenden Industrie- und Schwellenländern im November abgesegnet werden dürfte. "In dem aktuell fragilen Zustand der Finanzmärkte und der schwierigen Lage der Weltwirtschaft steht zu befürchten, dass eine solche Maßnahme zusätzlichen Schaden anrichtet", sagte Ackermann. Ähnlich negative Folgen hätten auch einige der neuen Liquiditätsvorgaben im Rahmen des Regelwerks Basel III.   

Der im nächsten Jahr scheidende IIF-Präsident machte deutlich, dass die Banken seit der Finanzkrise ihre Geschäfte bereits "in einem noch nie da gewesenen Ausmaß" zurückgefahren hätten. "Das hat mit dazu beigetragen, dass die ausgegebenen Kredite an Haushalte und Unternehmen in den USA und der Europäischen Union zurückgegangen sind." Die Unsicherheit über die künftige Regulierung verstärke diesen Trend. Ein Top-Manager einer US-Investmentbank sieht vor allem in seiner Heimat eine Kreditklemme. "Unternehmen, die von Bankfinanzierung abhängig sind, wachsen bereits langsamer", sagte er.    

Konditionen- statt Kreditklemme

Deutsche Bankenvertreter erkennen hierzulande noch keine Engpässe bei der Kreditversorgung. Ein Großteil der kleinen und mittelständischen Firmen wird von Volksbanken und Sparkassen finanziert, die dank der Spareinlagen ihrer Kunden weniger stark von Geldern der Kapitalmarktinvestoren abhängig sind. Die Refinanzierung an den Märkten hat sich für viele Banken wegen der Euro-Schuldenkrise verteuert.      

"Ich sehe keine Kreditklemme, sondern eher eine Konditionenklemme", sagt Bankenverbands-Präsident Andreas Schmitz. Da die Mittelbeschaffung für die meisten Institute schwieriger geworden sei, würden wohl auch die Kredite teurer werden. Ähnliches signalisierte Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis, der für Ausnahmen kleinerer Geldhäuser bei Basel III kämpft. Schärfere Liquiditätsanforderungen machten die Kredite teurer, sagte er. "Die Politik tut gut daran, im Interesse der Kundschaft nicht noch mehr drauf zu packen."

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Quelle: n-tv.de

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