Wirtschaft
"Ich habe diese Entscheidung getroffen in der Überzeugung, dass ich mich stets an die Regeln unseres Verbandes gehalten habe."
"Ich habe diese Entscheidung getroffen in der Überzeugung, dass ich mich stets an die Regeln unseres Verbandes gehalten habe."(Foto: REUTERS)

Millionenloch bei Monte Paschi: Bankenpräsident gibt auf

Ein Geschäft mit Japanern geht für Italiens älteste Bank gründlich in die Hose. Ein hochrangiger Bankier der altehrwürdigen Monte Paschi aus Siena gerät daraufhin schwer unter Druck. Besonders peinlich: Der glücklose Spekulant ist Chef des italienischen Bankenverbands.

Der Präsident des italienischen Bankenverbands ABI ist über eine verlustreiche Finanzwette seines früheren Arbeitgebers Banca Monte Paschi di Siena (BMPS) gestolpert. Giuseppe Mussari gab seinen Posten auf. Auf die Gründe ging er in seinem Rücktrittsschreiben aus nachvollziehbaren Gründen nicht näher ein. Möglicherweise droht ihm noch eine juristische Aufarbeitung seiner Verantwortlichkeiten. Zuvor war bekanntgeworden, dass BMPS hohe Verluste aus einem Derivategeschäft verkraften muss.

Aus dem Umfeld der Bank hieß es, bei dem fraglichen Spekulationsgeschäft sei ein Verlust von 220 Mio. Euro entstanden. Das Debakel steht demnach im Zusammenhang mit einem über drei Jahre laufenden Geschäft mit der japanischen Nomura-Bank aus dem Jahr 2009.

Kühle Ansage aus Japan

Nomura teilte mit, die Transaktion sei von Mussari, der bis vergangenes Jahr Verwaltungsratsvorsitzender von BMPS war, geprüft und gebilligt worden.

Zu seinem Rücktritt erklärte Mussari: "Ich habe diese Entscheidung getroffen in der Überzeugung, dass ich mich stets an die Regeln unseres Verbandes gehalten habe. Aber zugleich wollte ich unserem Verband in keiner Weise schaden."

Milliarden vom Staat

Erst Mitte Dezember hatte die EU-Kommission zusätzliche Staatshilfe für die drittgrößte Bank Italiens genehmigt. Bis zum Sommer soll das Haus nun einen Restrukturierungsplan vorlegen. Monte Paschi di Siena, die aufgrund ihres Gründungsdatums im Jahr 1472 auch als älteste Bank der Welt gilt, hatte Hilfen über insgesamt 3,9 Mrd. Euro beantragt. Die Unterstützung der Bank sei notwendig, um die Stabilität des italienischen Finanzsystems zu sichern, begründete die EU-Kommission ihre Genehmigung.

Das Geldhaus war als einzige Bank Italiens bei einem europäischen Stresstest durchgefallen. Die Bank wollte daraufhin bis zu 4600 der zuletzt rund 33.000 Stellen streichen, Geschäftsbereiche verkaufen und Filialen schließen. Weil Monte Paschi immer tiefer in den Strudel der Schuldenkrise geriet, stufte die Ratingagentur Moody's die Kreditwürdigkeit der Bank Mitte Oktober auf Ramschniveau herab und erschwerte damit die Refinanzierung.

Quelle: n-tv.de

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