Wirtschaft
Fallende Preise seien derzeit bei Obst und Gemüse aber auch bei Milch zu beobachten, sagt Krüsken.
Fallende Preise seien derzeit bei Obst und Gemüse aber auch bei Milch zu beobachten, sagt Krüsken.(Foto: picture alliance / dpa)

Preissenkungen wegen Ukraine-Krise: Bauern attackieren Einzelhandel

Die Preise für Lebensmittel sinken: Was die Verbraucher freut, ärgert die Landwirte. Das derzeitige Überangebot - bedingt durch den Einfuhrstopp Russlands - dürfe nicht ausgenutzt werden, fordert der Bauernverband.

Sinkende Preise für Lebensmittel nach dem russischen Importverbot machen den Landwirten in Deutschland zunehmend zu schaffen. Der Bauernverband warf Handelsketten vor, den russischen Importstopp nach Russland auszunutzen. Den Kürzeren zögen dabei vor allem die Erzeuger. Die Agrarminister der Länder befürchten einen Preisverfall. Auf EU-Ebene wird über das Thema an am morgigen Freitag bei einem Sondertreffen der Agrarminister beraten.

Russland hatte als Reaktion auf EU- und US-Sanktionen in der Ukraine-Krise eigene Strafmaßnahmen gegen den Westen verhängt und die Einfuhr von Lebensmitteln gestoppt - darunter Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch und Milchprodukte. Durch die weggefallenen Exportmengen landen mehr Produkte auf dem europäischen Markt, was wiederum den Druck auf die Erzeugerpreise erhöht.

Überangebot ins Sicht

Es deute sich ein Überangebot an Schweinefleisch, Obst und Gemüse sowie Molkereierzeugnissen an, sagte der Sprecher des Brandenburger Agrarministeriums, Jens-Uwe Schade. Brandenburg hat den Vorsitz in der noch bis Freitag in Potsdam tagenden Konferenz der Agrarminister von Bund und Ländern. Der Discounter Aldi hatte zu Wochenbeginn den Preis für 250 Gramm Butter gesenkt. Weitere Lebensmittelhändler zogen nach. Dies belaste die Landwirte, warnte der Deutsche Bauernverband. Die Betriebe seien unverhofft und unverschuldet in Schwierigkeiten geraten.

Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) wehrte sich gegen die Vorhaltungen des Bauernverbands: "Diese Pauschalkritik weisen wir entschieden zurück", sagte Christian Böttcher vom BVLH. Er wies darauf hin, dass gerade der Preis für Milch und Molkereiprodukte sehr stark schwanke. Noch vor einigen Monaten habe es Klagen über massive Preissteigerungen gegeben. Die jetzige Preisentwicklung bewege sich daher im Rahmen. "Außerdem wollen wir auch nicht, dass als Folge der Krise Lebensmittel vernichtet werden", sagte Böttcher.

EU hilft ersten Erzeugern

Zu dem Sondertreffen der EU-Agrarminister am Freitag reist auch Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU). Allerdings erwarten Diplomaten keine konkreten Entscheidungen von dem Treffen. Die Minister dürften die Dringlichkeit der Lage unterstreichen und über das weitere Vorgehen diskutieren.

Nach Schätzungen der EU betrifft der russische Bann Waren im Wert von rund fünf Milliarden Euro. Die EU-Kommission ist bereits mehreren Erzeugergruppen zu Hilfe geeilt. Sie will einen Einbruch der Preise durch Überangebot auf den europäischen Märkten verhindern.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen