Aktionäre und Gläubiger müssen ranBei IVG drängt die Zeit
Dem Immobilienkonzern IVG steht das Wasser bis zum Hals. Seit Jahren befindet er sich in der Sanierung. Wegen der sehr hohen Verschuldungsquote können anstehende Refinanzierungsrunden nicht gemeistert werden. Der Vorstand sieht nun Aktionäre, Anleiheinvestoren und Gläubiger in der Pflicht.
Der hochverschuldete Immobilienkonzern IVG drückt im Ringen um Zugeständnisse der Gläubiger aufs Tempo und will eine Grundsatzeinigung bis Juli. Vorstandschef Wolfgang Schäfers habe in einer Telefonkonferenz eindringlich an die Kreditgeber appelliert, Gläubigerausschüsse für die verschiedenen Kreditlinien und Anleihen einzurichten, um Gespräche über das neue Finanzierungskonzept aufzunehmen, verlautete aus Teilnehmerkreisen.
Das Unternehmen sei an einer einvernehmlichen Lösung interessiert, habe dafür aber nicht mehr viel Zeit. Für den 14. August ist die Hauptversammlung angesetzt, auf der die Aktionäre über den Plan abstimmen sollen. Etwa sechs Wochen vorher wird in der Regel die Einladung mit den Beschlussvorlagen veröffentlicht.
Die IVG befindet sich seit Jahren in der Sanierung und schreibt Verluste, weil sie sich vor der Finanzkrise mit teuren, schuldenfinanzierten Projektentwicklungen verhoben hat, von denen viele die Erwartungen nie erfüllt haben. Per Ende März stand der Bonner Konzern mit 4,2 Milliarden Euro in der Kreide, die Verschuldungsquote ist mit 72 Prozent nach eigener Einschätzung viel zu hoch, um die anstehenden Refinanzierungsrunden zu meistern. Daher will der IVG-Vorstand nun den Befreiungsschlag - und ein Entgegenkommen von Aktionären, Anleiheinvestoren und anderen Gläubigern.
Neuer Geschäftsplan in Arbeit
Wie die Teilnehmer weiter berichteten, fanden das IVG-Management und dessen Berater in der Telefonkonferenz klare Worte: Alle Beteiligten müssten Zugeständnisse machen. Sollte es in dem "engen und herausfordernden" Zeitrahmen keine Einigung geben, müsse der Konzern über einen anderen Schritt nachdenken. Die Gläubiger sollten in Kürze Zugang zum Datenraum bekommen, um sich ein vollständiges Bild von der Lage der IVG zu machen. Auch ein neuer Geschäftsplan sei in Arbeit. Am meisten drückt der Schuh bei der ausstehenden Wandelanleihe, die jetzt nach englischem Recht restrukturiert werden soll, weil dort keine Zustimmungsrate von 100 Prozent erforderlich ist.
Die IVG wollte sich zu den Informationen nicht äußern. Reuters hatte bereits Anfang Mai aus Finanzkreisen erfahren, dass der Konzern vor allem von den Aktionären und Hybridkapital-Gläubigern harte Einschnitte verlangen will. Sie könnten nach der Umschuldung jeweils mit nur einem einstelligen Aktienanteil an der IVG abgespeist werden. Die vorrangig besicherten Kreditgeber - inzwischen zum Großteil Hedgefonds - sollen auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten und dafür im Gegenzug eine klare Mehrheit der IVG-Aktien erhalten (Debt Equity Swap). Insgesamt könne die Verschuldung damit um mehr als eine Milliarde Euro gesenkt werden. Die Pläne sind unter den Kapitalgebern jedoch umstritten.
Gut kam bei den Gläubigern an, dass die IVG den Sanierungsexperten Hans-Joachim Ziems - zunächst für die Dauer von zwölf Monaten - zum Vorstand für das neu geschaffene Ressort Restrukturierung ernannt hat. "Das ist ein gutes Zeichen", sagte ein Vertreter der Gläubiger. Der 59-jährige Ziems leitete zuletzt die Restrukturierung des Holzverarbeiters Pfleiderer.