Wirtschaft
Haben keine guten Nachrichten für die Bbelegschaft: Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz (r) und Weltbild Betriebsratschef Peter Fitz bei der Betriebsversammlung.
Haben keine guten Nachrichten für die Bbelegschaft: Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz (r) und Weltbild Betriebsratschef Peter Fitz bei der Betriebsversammlung.(Foto: picture alliance / dpa)

Etwas Kosmetik reicht nicht: Bei Weltbild regiert nun der Rotstift

Zur Rettung des insolventen Buch-Konzerns Weltbild genügen kleine Anpassungen nicht: Um eine Chance zu haben, muss ein Drittel der Belegschaft gehen. Auch das Filialnetz wird ausgedünnt. Dennoch ist keine Zerschlagung geplant. Erste Gespräche laufen.

Beim insolventen Augsburger Buch-Konzern Weltbild muss mehr als ein Drittel der Belegschaft gehen. In Verwaltung und Logistik müssten 656 der verbliebenen 1776 Mitarbeiter in eine Beschäftigungsgesellschaft wechseln, sagte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz auf einer Betriebsversammlung in Augsburg. Wenn die betroffenen wechselten, müssten derzeit keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen werden.

In der Gesellschaft bekommen sie dann ab Anfang April 85 Prozent ihres Nettogehalts weitergezahlt. 240 hatten seit Anmeldung der Insolvenz bereits selbst gekündigt. Es gehe ums Überleben, sagte Geiwitz. Mit "ein wenig Kosmetik" sei es nicht getan. Zugleich verwies er darauf, dass Laufzeit und Entgeltzahlungen außergewöhnlich hoch seien. Dazu soll auch die katholische Kirche beitragen, die bis zu 65 Millionen Euro zur Rettung der Arbeitsplätze zur Verfügung stellen will.

100 Millionen Euro Verlust

Weltbild habe im vergangenen Jahr 100 Millionen Euro Verlust gemacht, sagte Geiwitz. Das Minus müsse durch die Einschnitte gestoppt werden. Sparen will Geiwitz unter anderem an der Werbung. Der Insolvenzverwalter haftet nach der für April geplanten Eröffnung des Verfahrens selbst für alle Verluste.

Geiwitz versucht, Weltbild komplett zu verkaufen. Inzwischen seien mehrere unverbindliche Angebote eingegangen. Nun begännen die eigentlichen Verhandlungen. "Der Weg bis zum Gelingen einer gesamtheitlichen Sanierung der Verlagsgruppe ist noch hart und der Ausgang des Verfahrens noch nicht gewiss. Ich bin jedoch vorsichtig optimistisch." Allerdings gehe es nicht ohne einen neuen Geldgeber. Und auch das Filialnetz mit 300 Standorten sei nicht als Ganzes überlebensfähig. Rund ein Drittel davon ist Branchenkreisen zufolge defizitär. Entscheidungen sollen bis Ende April fallen.

Holtzbrinck unter den Interessenten?

Bei der Weltbild-Tochter, die in ganz Deutschland etwa 220 Weltbild-Geschäfte betreibt, bangen weitere 1400 Mitarbeiter um ihre Jobs. Die Filialtochter befindet sich in einem sogenannten Schutzschirmverfahren, einer Vorstufe eines Insolvenzverfahrens.

Branchenkreisen zufolge hat neben mehreren Finanzinvestoren die Stuttgarter Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck Interesse am kompletten Weltbild-Konzern - den Filialen, dem Buchversand und dem Digital-Geschäft (Tolino, buecher.de) - angemeldet. Der Rivale Thalia, der dem US-Finanzinvestor Advent gehört, hat dagegen abgewinkt. Er war nur an Teilen des Filialnetzes interessiert. Auch der Verlag Bastei-Lübbe will nur Teile von Weltbild.

Weltbild hatte im Januar Insolvenz angemeldet, nachdem die katholische Kirche überraschend den Geldhahn zugedreht hatte. Das Unternehmen war zusammen mit seinem Partner Hugendubel der zweitgrößte deutsche Buchhändler nach Thalia. Seit der Insolvenz führt Hugendubel seine rund 100 Läden allerdings wieder allein.

Quelle: n-tv.de

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