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Bei dem Einsatz auf dem Werkgelände von Ford wurden drei Polizisten verletzt.
Bei dem Einsatz auf dem Werkgelände von Ford wurden drei Polizisten verletzt.(Foto: picture alliance / dpa)

Protest gegen Genk-Schließung: Ford-Europazentrale gestürmt

Ihrem Frust über die Werkschließung im belgischen Genk haben über 200 Ford-Mitarbeiter vor der Europazentrale in Köln Luft gemacht. Eine zuvor friedliche Demonstration mündete am Ende in der Erstürmung des Werkgeländes. Erst der Einsatz von etwa 100 Beamten konnte die Lage beruhigen.

Belgische Ford-Mitarbeiter haben vor den Ford-Werken in Köln gewaltsam gegen die geplante Schließung des Ford-Werks im flämischen Genk protestiert. Aus einer Gruppe von bis zu 250 aus Belgien angereisten Demonstranten wurden Beamte nach Polizeiangaben mit Feuerwerkskörpern beworfen, ein Reifenstapel wurde angezündet. Drei Polizisten trugen Verletzungen davon, wie ein Polizeisprecher vor Ort mitteilte. Ein Teil der Demonstranten verschaffte sich gewaltsam Zugang zum Werksgelände in Köln-Niehl und warf Fensterscheiben ein. Außerdem blockierten sie vorübergehend die Einfahrt und warfen Silvesterböller.

Mehr als 200 belgische Ford-Arbeiter waren nach Köln gereist.
Mehr als 200 belgische Ford-Arbeiter waren nach Köln gereist.(Foto: picture alliance / dpa)

Ford teilte zu dem Vorfall mit, es habe auf dem Kölner Werksgelände ein Treffen zwischen der Ford Geschäftsleitung und Vertretern des europäischen Betriebsrats gegeben. "Während des Treffens hat sich eine Gruppe von Protestierenden gewaltsam Zugang zu dem Ford-Gelände in Niehl verschafft", hieß es in einer Erklärung. "Die Situation konnte mit Unterstützung der lokalen Polizei und des Ford-Werkschutzes unter Kontrolle gebracht und schließlich deeskaliert werden."

Der Autobauer äußerte einerseits Verständnis, "welchen Einfluss unser europäischer Geschäftsplan auf die Menschen hat. Und wir respektieren selbstverständlich das Recht auf friedliche Demonstrationen." Auf der anderen Seite zeigte sich Ford jedoch "enttäuscht darüber, dass einige der Protestierenden sich gewaltsam Zugang zum Werksgelände verschafft haben".

Mehr als 100 Polizisten im Einsatz

Gegen 08.30 Uhr hätten ungefähr 200 Arbeiter aus Belgien in Reisebussen das Kölner Werk erreicht, sagte ein Polizeisprecher. Als die Polizei mit mehr als 100 Mann aus Köln und Düsseldorf anrückte, sei es zu einer Rangelei zwischen Arbeitern und Polizisten gekommen. Die Stimmung sei relativ aggressiv gewesen, hieß es sowohl bei der Polizei als auch bei den Demonstranten.

Auf das Firmengelände gestürmt seien nach einer Schätzung des Werksschutzes etwa 20 bis 40 Menschen, sagte der Polizeisprecher. Sie verließen das Gelände jedoch nach Aufforderung freiwillig. Mehrere Beschäftigte des Kölner Werks solidarisierten sich mit ihren belgischen Kollegen. Ob Ford einen Strafantrag stellen wird, wollte ein Sprecher der Unternehmens nicht sagen.

4300 Beschäftigte betroffen

Ford hatte im vergangenen Monat angekündigt, seine Produktion am belgischen Standort Genk bis Ende 2014 schließen zu wollen. Davon sind rund 4300 Beschäftigte betroffen. Hinzu kommen rund 5000 Arbeitsplätze, die von dem Ford-Werk abhängen. Der belgische Ministerpräsident Elio Di Rupo hatte von einem "Drama" gesprochen.

Über die für Belgien und Großbritannien angekündigten Sparpläne hinaus plane Ford derzeit keine weiteren Streichungen, sagte der Vorstandsvorsitzende Mulally bei einem Kongress in Berlin. "Alles was wir derzeit wissen, haben wir mitgeteilt." Der Konzern werde aber den Markt genau beobachten. "Wir werden uns entschlossen an die tatsächliche Nachfrage anpassen", fügte Mulally hinzu. Wegen sinkender Verkaufszahlen erwartet Ford in diesem Geschäftsjahr in Europa ein Defizit von 1,5 Milliarden Dollar (1,2 Mrd Euro).

Quelle: n-tv.de

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