Wirtschaft
Fest gemauert in der Erden: Immer wieder erfassen Gerüchte über einen angeblich bevorstehenden Verkauf die zweitgrößte Bank Deutschlands.
Fest gemauert in der Erden: Immer wieder erfassen Gerüchte über einen angeblich bevorstehenden Verkauf die zweitgrößte Bank Deutschlands.(Foto: picture alliance / dpa)

Spanier oder Franzosen?: Berlin dementiert Coba-Verkauf

Das Gerücht dürfte erfahrenen Anlegern bekannt vorkommen: Steht die Commerzbank vor dem Verkauf? Spekulationen zufolge strecken diesmal gleich zwei europäische Großbanken ihre Fühler in Richtung Deutschland aus.

Die französische Großbank Societe Generale (SocGen) und der europäische Branchenprimus aus Spanien, Santander, prüfen einem Medienbericht zufolge eine Übernahme der Commerzbank.

Eine Delegation des französischen Geldhauses habe bereits in Berlin sondiert, ob und unter welchen Rahmenbedingungen der Bund bereit sei, seinen Anteil am zweitgrößten deutschen Geldhaus zu verkaufen, berichtete das Magazin "Bilanz".

Mit einer Entscheidung sei jedoch frühestens im Oktober zu rechnen - dann nämlich liegen die Ergebnisse des Stresstests der Aufseher für alle europäischen Großbanken vor. Vorher wollen sich weder Spanier noch Franzosen an eine solch gewichtige Übernahme wagen, lautet die Spekulation.

"Aktuell keine Pläne"

Das Gerücht klingt plausibel, hat aber einen dicken Haken: Der Bund, der die Commerzbank in der Finanzkrise gerettet hatte und noch gut 17 Prozent an ihr hält, will von einer Veräußerung derzeit jedoch nichts wissen. "Wir haben aktuell keine Pläne, unsere Commerzbank-Anteile zu verkaufen", betonte eine Sprecherin des Finanzministeriums. Zuvor hatten bereits der "Spiegel" und andere Medien im Mai berichtet, Finanzminister Wolfgang Schäuble habe mehrere Interessenten abblitzen lassen.

Im Finanzministerium gebe es die Hoffnung, dass der Kurs der Commerzbank-Aktie sich weiter erhole und der Bund bei einem späteren Verkauf mehr erlösen könne, hatte es damals geheißen. Zudem sei die Sanierung der Commerzbank erst zu Hälfte geschafft. Ein Wechsel des "Ankeraktionärs" sei deshalb derzeit nicht ratsam.

Europäische Schwergewichte aus der Bankenbranche wie Santander und Societe Generale werden seit langem als potenzielle Käufer der Commerzbank gehandelt. Sie könnten mit einer Übernahme ihre Präsenz in Europas größter Volkswirtschaft deutlich ausbauen und die Abhängigkeit von ihren kriselnden Heimatmärkten reduzieren.

Gar kein Interesse?

Allerdings hatte selbst Societe-Generale-Chef Frederic Oudea im April ein Interesse an der Commerzbank ausdrücklich verneint. Aktuell wollten sich weder Santander, noch Societe Generale und die Commerzbank zu dem Thema äußern. Ganz ausgeschlossen ist das Thema für Commerzbank-Chef Martin Blessing offenbar nicht. Ende November vergangenen Jahres hatte er mit Blick auf die anhaltenden Übernahmespekulationen hin erklärt: "Selbstständigkeit ist für mich kein Selbstzweck."

Im vergangenen Jahr hatten bereits mehrere potenzielle Commerzbank-Käufer im Angesicht vergleichbarer Spekulationen lustlos abgewunken - darunter die HVB-Mutter UniCredit, die Schweizer UBS und die französische BNP Paribas.

Quelle: n-tv.de

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