Wirtschaft

Neuer Streit in Europa: Berlin verteidigt den Export

Die Vorwürfe aus Paris und Brüssel wiegen schwer: Deutschland trägt mit seinen Exporten angeblich zur Schwächung weniger erfolgreicher Staaten bei. Der deutsche Außenhandel wehrt sich. Die Bundesregierung gefällt sich dagegen in der Rolle des vorbildlichen Musterschülers, dem jedes Land jederzeit nacheifern darf.

Verpackt, gestapelt, exportbereit: Das "Erfolgsrezept" liegt nicht im Preis.
Verpackt, gestapelt, exportbereit: Das "Erfolgsrezept" liegt nicht im Preis.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Bundesregierung hat Kritik der französischen Finanzministerin Christine Lagarde an der Exportstärke und Wirtschaftspolitik Deutschlands zurückgewiesen. Lagarde hatte in einem deutlichem Appell Berlin aufgefordert, die Binnennachfrage zu stärken und den hohen Handelsüberschusses abzubauen, um so die Wettbewerbsfähigkeit der anderen Euro-Länder zu stärken. Die deutsche Exportstärke schade die schwächeren Staaten.

Vize-Regierungssprecher Christoph Steegmans sagte dazu, notwendig sei eine gemeinsame Wachstumsstrategie und eine Harmonisierung der Wettbewerbsfähigkeit. Andere Länder sollten dabei ähnlich wettbewerbsfähig werden wie Deutschland. Es sei weniger gewinnbringend, wenn sich einzelne Länder künstlich zurückhielten.

Deutschland sei ein Land, in dem Löhne und Konsum nicht vom Staat festgelegt würden. Auch könne die Exportwirtschaft nicht angehalten werden, mehr unattraktive Güter herzustellen. Deutschland habe einen starken und innovativen Mittelstand. Die Frage sei daher eher, wie andere Länder dies ebenfalls erreichen könnten.

Außenhändler in Aufruhr

Zuvor hatten bereits die deutschen Exporteure mit Unwillen auf die Kritik an der deutschen Exportorientierung reagiert. "Wir sind deshalb erfolgreich, weil wir uns dem internationalen Wettbewerb gestellt und unsere Hausaufgaben gemacht haben", sagte der Sprecher des Außenhandelsverbandes BGA, Andre Schwarz. "Wir können nicht das Tempo herausnehmen, damit andere Länder noch mehr Zeit bekommen, ihre Hausaufgaben nicht zu erledigen." Insbesondere Frankreich wirft Deutschland vor, mit seiner Exportmacht den anderen Euro-Ländern zu schaden und Druck auf die Arbeitskosten auszuüben.

Der BGA weißt diesen Vorwurf zurück. "Unser Erfolgsrezept ist nicht der Preis", sagte der Sprecher. "Unsere wichtigsten Verkaufargumente sind Qualität und Innovation." Allein über den Preis könne die deutsche Industrie mit Niedriglohnländern wie China nicht konkurrieren.

Auch den Vorwurf, anderen Euro-Ländern zu schaden, lässt der BGA nicht gelten. "Man nimmt nicht automatisch dem Nachbarn etwas weg, wenn man Erfolg hat", sagte Schwarz. "Unsere Hauptkonkurrenten sitzen nicht mehr in der EU, sondern in den USA und Japan sowie in aufstrebenden Schwellenländern wie China und Indien."

Bilderserie

Die EU profitiere sehr wohl vom Erfolg ihrer größten Volkswirtschaft, stellte der Verband fest. Deutschland sei schließlich der größte Beitragszahler der Europäischen Union.

Quelle: n-tv.de

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