Wirtschaft
Shopping-Malls begannen ihren Siegeszug von den USA aus rund um die Welt.
Shopping-Malls begannen ihren Siegeszug von den USA aus rund um die Welt.(Foto: REUTERS)

Konjunkturdaten heizen Geldpolitik-Debatte an: US-Konsumenten im Kaufrausch

Der Konsum macht etwa 70 Prozent der US-Wirtschaftsleistung aus. Kaufen die US-Bürger wenig, kränkelt auch - anders wie im exportlastigen Deutschland - die Konjunktur. Allerdings deuten immer mehr frische Kennzahlen auf eine positive Trendwende hin - mit negativen Folgen für die weltweiten Finanzmärkte.

Die größte Volkswirtschaft der Welt steht vor einer anhaltenden Erholung: Positive Konjunktur-Daten zur US-Wirtschaft schüren diese Hoffnung zumindest. Die Stimmung der US-Verbraucher ist derzeit so gut wie seit Januar 2008 nicht mehr. Das Barometer für die Konsumlaune kletterte im Juni überraschend um 7,1 auf 81,4 Punkte, wie das Conference Board mitteilte. Von Reuters befragte Analysten hatten im Mittel mit einem Rückgang gerechnet. "Erstmals liegt der Stimmungsindikator damit im unteren Normalbereich in Aufschwungphasen", sagte DekaBank-Experte Rudolf Besch.

Der Konsum macht etwa 70 Prozent der US-Wirtschaftsleistung aus. Die Entwicklung des Verbrauchervertrauens wird deshalb von Ökonomen und Anlegern genau verfolgt. Das Bruttoinlandsprodukt war Anfang 2013 um rund 0,6 Prozent zum Vorquartal gewachsen. Zum Vergleich: In der Eurozone ging es mit 0,2 Prozent bergab, der Währungsraum steckt weiter in der Rezession.

Immobilienmarkt und Industrie

Positive Daten kamen auch von der US-Industrie. Der Auftragseingang für langlebige Güter wuchs im Mai überraschend kräftig um 3,6 Prozent. Experten hatten nur mit einem Plus von 3,0 Prozent gerechnet. Verantwortlich hierfür war nicht nur der Transportsektor. "Zum dritten Mal in Folge nahmen auch Auftragseingänge für Investitionsgüter gegenüber dem Vormonat zu", erläuterte Besch zu dem Bereich, aus dem Rüstung und Flugzeugbau herausgerechnet werden.

Bergauf geht es ebenfalls am Wohnungs- und Immobilienmarkt. Der Eigenheimabsatz stieg im Mai stärker als erwartet - um 2,1 Prozent auf eine Jahresrate von 476.000. Das ist der höchste Wert seit Juli 2008. Auch die Immobilienpreise ziehen derzeit spürbar an. Im April gab es auf Jahressicht sogar mit gut zwölf Prozent den größten Anstieg bei Einfamilienhäusern seit sieben Jahren, wie aus dem S&P/Case-Shiller-Index für 20 Metropol-Regionen hervorgeht.

Daten spielen Fed-Chef Bernanke in die Hände

Die neuen Wirtschaftsdaten aus den USA stützen auch den Kurs der amerikanischen Notenbank Fed zu einer strengeren Geldpolitik. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, dürfte dem Plan der Federal Reserve, ihre milliardenschweren Anleihekäufe zurückzuführen, wenig im Wege stehen.

Fed-Chef Ben Bernanke hatte vergangene Woche gesagt, die US-Notenbank werde ihre milliardenschweren Anleihekäufe voraussichtlich noch in diesem Jahr reduzieren und Mitte 2014 komplett einstellen. Allerdings nur dann, wenn die Konjunktur mitspielt. Je robuster amerikanische Konjunkturdaten ausfallen, desto weniger spricht mithin dagegen, dass die Fed ihren Ausstiegsplan überdenken muss.

Der nahende Kurswechsel der Fed hat schon jetzt massive Marktreaktionen hervorgerufen. Investoren reduzieren angesichts der künftig geringeren Geldschwemme ihre Engagements. Der amerikanische Dollar hat demgegenüber stark profitiert, weil eine nicht so expansive Geldpolitik dem Außenwert der Währung weniger schaden dürfte.

Quelle: n-tv.de

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