Wirtschaft
200 Filialen und 4000 Arbeitsplätze in Deutschland auf der Streichliste: John Cryans (r.) erster Auftritt als Chef der Deutschen Bank.
200 Filialen und 4000 Arbeitsplätze in Deutschland auf der Streichliste: John Cryans (r.) erster Auftritt als Chef der Deutschen Bank.(Foto: imago/sepp spiegl)

Unmut bei der Deutschen Bank: Betriebsrat legt sich mit Cryan an

Die drastischen Rotstiftpläne des neuen Konzernchefs lösen im Inneren der Deutschen Bank eine Welle der Verunsicherung aus. Der Betriebsrat sieht die Mitarbeiter zu Unrecht bestraft. Der Stellenabbau sei ein "falsches Signal".

Der Betriebsrat der Deutschen Bank setzt sich gegen den geplanten Stellenabbau zur Wehr. Durch Personalabbau und Filialschließungen dränge sich der Eindruck auf, "dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nun die Suppe auslöffeln müssen, die ihnen das Top-Management früherer Jahre mit Schadenersatzzahlungen und Abschreibungen in schwindelerregender Höhe eingebrockt hat", erklärte Konzernbetriebsrats-Chef Alfred Herling.

Dass der Vorstand um den neuen Bankchef John Cryan die Probleme nun aber mit einem Personalabbau und der Schließung von Filialen lösen will, sei "das falsche Signal". Herlings Worte haben Gewicht: Das Verdi-Mitglied sitzt als stellvertretender Aufsichtsratschef im Kontrollgremium der Bank.

Der neue Konzernchef Cryan will im Rahmen der Neuausrichtung der Bank unter dem Strich 9000 Vollzeit-Stellen abbauen. Dafür müssen insgesamt 14.000 Mitarbeiter gehen, 5000 Stellen sollen andernorts neu geschaffen werden. Allein in Deutschland sollen 4000 Stellen wegfallen. Die Deutsche Bank kündigte zudem an, mehr als 200 Filialen schließen zu wollen. Die Verhandlungen mit den Betriebsräten über den Personalabbau laufen gerade erst an.

"Zäsur" in der Bankhistorie

"Der heutige Tag stellt in der Geschichte der Deutschen Bank eine Zäsur dar", erklärte Herling. Der anstehende Jobabbau müsse "mit einem Höchstmaß von sozialer Verträglichkeit auf freiwilliger Basis" umgesetzt werden.

Im Klartext: Cryan soll auf Kündigungen verzichten. Verdi-Chef Frank Bsirske - ebenfalls Mitglied des Aufsichtsrats - hatte zuvor bereits einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen gefordert.

Bei den Verhandlungen mit dem Arbeitgeber sei für den Betriebsrat die "Sicherung der Zukunftsfähigkeit" der Bank "von zentraler Bedeutung", betonte Herling. Er forderte von der Konzernführung "ein klares Bekenntnis, dass sie zu ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern steht".

Quelle: n-tv.de

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