Wirtschaft
Für Konzernchef Roland Koch ist Bilfinger Berger derzeit eine Baustelle. An mehreren Firmen hat er in letzter Zeit erfolgreich gebaggert.
Für Konzernchef Roland Koch ist Bilfinger Berger derzeit eine Baustelle. An mehreren Firmen hat er in letzter Zeit erfolgreich gebaggert.(Foto: picture alliance / dpa)

Drei Firmen in zwei Wochen: Bilfinger Berger im Kaufrausch

Roland Koch geht auf Einkaufstour. Als Ministerpräsident des beschaulichen Hessens war er dem täglichen Sparzwang ausgesetzt, jetzt fädelt er als Chef des Baukonzerns Bilfinger Berger Millionendeals ein. Im Juni kündigte er Zukäufe auf der ganzen Welt an. Mittlerweile läuft die Einkaufstour. Neuester Erwerb: Eine amerikanische Montage-Firma.

Die Preise der zugekauften Unternehmen im Hause Bilfinger Berger blieben geheim.
Die Preise der zugekauften Unternehmen im Hause Bilfinger Berger blieben geheim.(Foto: picture alliance / dpa)

Wenn Roland Koch in die Welt blickt, sieht er offenbar überall mögliche Verstärkungen für seinen Konzern. Im Juni kündigte der Chef des Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger Berger an, weltweit Unternehmen aufzukaufen.  "Vor allem den Anteil des indischen, südostasiatischen und des nordamerikanischen Marktes sowie der Golfregion wollen wir ausbauen", sagte er vor vier Wochen dem "Handelsblatt". Und ließ Taten folgen: Seitdem kaufte er zwei Unternehmen auf, und stieg bei einer Deutsche-Post-Tochter mit 49 Prozent ein. Drei Käufe, drei Branchen: Bilfinger schlug in der Kraftwerksplanung, Immobilienwirtschaft und bei einem Stahlmonteur zu.

Der erste Fang war ein deutscher Mittelständler. Das Nürnberger Planungsbüro Envi Com plant Kohle- und Gaskraftwerke und ist damit in Europa führend. 230 Mitarbeiter erwirtschaften 35 Mio. Euro Umsatz. "Envi Com passt perfekt in unsere Strategie", erklärte Koch den Kauf. Bilfinger Berger wolle sich als Fachmann für Ingenieurs- und Dienstleistungen positionieren. Alles was mit Strom zu tun hat, zählt für Bilfinger Berger zum Kerngeschäft: 1,1 Mrd. Euro erwirtschaftete die Konzernsparte "Power-Services" im vergangenen Jahr, wovon 96 Mio. Euro Gewinn übrig blieben. 

Partnerschaft mit DHL-Tochter

Nach dem Envi-Com-Kauf folgte zwei Wochen später sogleich der nächste: Anfang der Woche meldete Bilfinger, sich mit der Deutschen Post geeinigt zu haben. Kochs Konzern wird 49 Prozent einer Immobilientochter des Logistik-Konzerns übernehmen. Die hat einen sperrigen Namen: DHL Corporate Real Estate heißt sie. Die Post freut sich, außerhalb ihres Kerngeschäfts mit einem "strategischen Partner" wie Bilfinger zusammengehen zu können - jetzt muss nur noch das Kartellamt zustimmen. Dieser Kauf passt in die Bilfinger-Unternehmenssparte Gebäudedienstleistungen ("Building and Facility Services").

Die nächste Firma hat Bilfinger Berger in den USA gekauft. Mitte der Woche wurde der Kauf des Montagespezialisten Westcon aus North Dakota bekannt gegeben. Westcon stellt Rohrleitungen her und ist im Stahlbau aktiv. Aber auch Montage, Wartung und Instandsetzung hat die Firma im Angebot. 1000 Mitarbeiter erwirtschaften 150 Mio. Euro Umsatz. Die Kunden kommen aus dem Öl- und Gassektor, aber auch aus der Chemiebranche. Alles potenzielle Neukunden für Bilfinger Berger: "Mit der Akquisition von Westcon weiten wir unsere regionale Präsenz in den USA aus und erschließen gleichzeitig neue Kunden", sagte Bilfinger-Vorstand Thomas Töpfer. Bilfinger hat in den USA bereits 3000 Mitarbeiter, die 600 Mio. Euro Umsatz erwirtschaften.

Koch will Gewinn verdoppeln

Bilfinger Berger schluckt die  Unternehmen, nicht nur um groß und stark zu werden. Roland Koch hat ehrzeizige Ziele: Er möchte den Gewinn laut "Handelsblatt" bis 2016 auf rund 400 Mio. Euro verdoppeln, der Umsatz soll um 50 Prozent auf 11 Mrd. Euro steigen. Seine Einkaufstour wird ersteinmal weitergehen - möglicherweise in Fernost. "Bis zum kommenden Frühjahr werden Sie Akquisitionen in den USA und Asien sehen", kündigte er an.

Quelle: n-tv.de

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