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Nach Kochs Abgang: Bilfinger vermeldet Gewinneinbruch

Bilfinger blutet im ersten Halbjahr stark: Das Dienstleistungsunternehmen verzeichnet einen massiven Ergebnisrückgang. Vorstandschef Koch ist bereits gegangen. Im zweiten Halbjahr soll alles besser werden.

Nach dem Rauswurf von Roland Koch hat Bilfinger einen Gewinneinbruch vermeldet. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebita) brach von April bis Juni um 30 Prozent auf 93 Millionen Euro ein, wie das MDax-Unternehmen mitteilte. Auch der Auftragseingang ging im zweiten Quartal stark zurück um 15 Prozent.

Als Grund führte der Mannheimer Dienstleistungskonzern ausbleibende Investitionen europäischer Energieversorger an, die mit der Energiewende in Deutschland zu kämpfen haben. Bilfinger hatte in der vergangenen Woche zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit seine Jahresprognose gesenkt. Vorstandschef Roland Koch musste deshalb seinen Posten räumen.

"Die Zahlen lagen im Rahmen der niedrigen Erwartungen", sagte ein Börsenhändler. In der vergangenen Woche hatte die Bilfinger-Aktie nach Kochs Rücktrittserklärung mehr als 15 Prozent eingebüßt, seit der ersten Gewinnwarnung am 30. Juni rauschte der Kurs 37 Prozent in die Tiefe.

Der frühere hessische Ministerpräsident Koch hatte die Verantwortung für den starken Gewinnrückgang übernommen, seinen Rücktritt aber auch mit Streit im Aufsichtsrat über den weiteren Kurs des Unternehmens begründet. Aufsichtsratschef Bernhard Walter hatte allein das Verfehlen interner Gewinnversprechen Kochs als Grund für die "einvernehmliche Trennung" angeführt.

Das Vertrauen zu dem Konzernchef, der erst vor drei Jahren aus der Politik an die Spitze des Traditionsunternehmens gewechselt war, sei zerstört gewesen. Über die Strategie, Bilfinger stärker auf Bau- und Ingenieurdienstleistungen für Kraftwerke, Industrie und Gebäudemanagement auszurichten und das Baugeschäft stark zu reduzieren, habe jedoch Einigkeit geherrscht. Nach Kochs Ausscheiden am Freitag wurde der frühere langjährige Konzernchef Herbert Bodner zum Interimschef bestellt.

Hoffen auf das zweite Halbjahr

Die deutschen Energiekonzerne haben wegen des Ausbaus Erneuerbarer Energien derzeit mit Ertragsproblemen zu kämpfen und investieren wenig in Wartung und Bau von Kraftwerken, woran Bilfinger als Dienstleister verdient. "Für das zweite Halbjahr 2014 rechnet Bilfinger mit unverändert schwierigen Verhältnissen im europäischen Energiemarkt", erklärte das Mannheimer Unternehmen. Allerdings sei ein erheblich stärkeres zweites Halbjahr zu erwarten, nachdem das Konzernergebnis in den ersten sechs Monaten um ein Fünftel auf 55 Millionen Euro zurückgegangen war.

In der bislang gewinnträchtigsten Sparte Power sollen in diesem Jahr vier bis fünf Prozent vom Umsatz an operativem Gewinn erzielt werden - halb so viel wie im vergangenen Jahr. Schon nach der ersten Gewinnwarnung hatte der Konzern unter Kochs Führung den Abbau von 200 bis 300 Stellen in der Kraftwerkssparte beschlossen. Bereits im vergangen Jahr hatte Bilfinger den Abbau von 1250 Stellenstreichungen in der Verwaltung angekündigt.

Der Konzern bekräftigte die vor einer Woche gesenkte Jahresprognose. Das Ebita soll in diesem Jahr 340 bis 360 Millionen Euro sinken. Der vergleichbare Vorjahreswert, bei dem die zum Verkauf stehende Sparte Ingenieurbau nicht berücksichtigt ist, betrug 419 Millionen Euro. Der Umsatz wird demnach auf 7,8 Milliarden Euro von vergleichbaren 7,7 Milliarden Euro steigen, ursprünglich angepeilt waren 8,0 Milliarden Euro.

Quelle: n-tv.de

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