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Rechts das "Original", links die abgespeckte Version des Bosch-Modells für den russischen Markt.
Rechts das "Original", links die abgespeckte Version des Bosch-Modells für den russischen Markt.(Foto: picture alliance / dpa)

Firmen bieten zwei Versionen: Billige "Zwillinge" für Schwellenländer

Um in Ländern mit weniger Kaufkraft Fuß zu fassen, bieten viele Unternehmen unterschiedlich teure Versionen ihrer Produkte an. Die Qualität leidet darunter angeblich nicht. Ebenso fürchtet man keine Rückkehr der Ware auf die hiesigen Märkte - trotz klammer Kassen in Europas Süden.

Blauschwarzes Gehäuse, schwarzer Akku, roter Schriftzug. Auf den ersten Blick sehen die beiden Bohrmaschinen fast identisch aus. Doch bei genauerem Hinsehen sind kleine Unterschiede zu erkennen. So fehlte eine LED-Leuchte und auch der Griff ist etwas anders gebaut. Die scheinbar kleinen Details machen indes den großen Unterschied - die Akku-Bohrschrauber für den russischen Markt kostet gut zwei Drittel weniger als sein Pendant für Deutschland.

Geringere Motorenleistung, keine Assistenzsysteme: Mit der Marke "Bharat Benz" bietet Daimler in Indien zwar simplere, aber auch günstigere Nutzfahrzeuge an.
Geringere Motorenleistung, keine Assistenzsysteme: Mit der Marke "Bharat Benz" bietet Daimler in Indien zwar simplere, aber auch günstigere Nutzfahrzeuge an.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Bosch-Sparte Power Tools speckt seit einigen Jahren Elektrogeräte wie Akkuschrauber, Bohrmaschinen und Stichsägen ab, um sie außerhalb von Industrieländern zu verkaufen. Und Bosch ist kein Einzelfall: Der Maschinenbauer Trumpf hat vergangenes Jahr einen chinesischen Konkurrenten mit simpleren Maschinen für den chinesischen Markt übernommen. Der Gabelstapler-Bauer Kion baut einfachere, robustere Fahrzeuge in Indien und China. Siemens Medizintechnik entwirft extra Computertomographen, die sich beispielsweise durch niedrigere Betriebskosten auszeichnen.

Keine Abstriche bei der Qualität

"Frugal Products" (schlichte Produkte) nennen sich solche abgespeckten, meist einfacher zu bedienenden und vor allem günstigeren Versionen, die Firmen vorwiegend in Wachstumsmärkten anbieten. "Hintergrund dieser Strategie ist die geringere Kaufkraft in den aufstrebenden Märkten", sagt Bosch-Power-Tools Geschäftsführer Henning von Boxberg. "Mit dem Verzicht auf einige Ausstattungsmerkmale kann zum Beispiel ein Akku-Bohrschrauber bis zu 60 Prozent günstiger angeboten werden, ohne dass wir hinsichtlich Langlebigkeit oder Qualität Kompromisse machen müssen."

"Das sind keine schlechteren Produkte", betont auch ein Sprecher des Gabelstapler-Herstellers Kion. Die einfacheren Fahrzeuge unterschieden sich von den Premium-Angeboten beispielsweise durch einen höheren Kraftstoffverbrauch oder weniger ergonomische Sitze. Die westlichen Standards würden in Schwellenländern überhaupt nicht nachgefragt, erklärt der Sprecher.

Abspecken allein reicht aber nicht unbedingt, sagt Oliver Knapp von der Strategieberatung Roland Berger: Die Light-Versionen müssen auch auf die Bedürfnisse auf dem jeweiligen Markt zugeschnitten sein. "Frugale Produkte werden daher fast ausschließlich neu und speziell für den jeweiligen Markt entwickelt." Ein Erfolgsfaktor sei daher, dass die Produkte direkt in den jeweiligen Ländern entwickelt würden.

Produkte gelangen zurück nach Europa

Daimler bemüht sich, in seinem Nutzfahrzeuggeschäft beides zu verbinden. Der Autobauer greift in Indien bei seiner Produktion von Lastwagen für Schwellenländer auf bewährte Technik zurück, die dann auf die lokalen Bedürfnisse angepasst wird. Die Motoren haben beispielsweise eine geringere Leistungen, auf Assistenzsysteme wird verzichtet. "Bei der Gründung einer eigenen Marke "Bharat Benz" für Indien haben wir nicht gesagt: Was in Europa passt, das passt auch in Indien", sagt Nutzfahrzeug-Vorstand Wolfgang Bernhard.

Sorge, dass die günstigeren Lastwagen auf den europäischen Markt zurückfinden, hat Daimler nicht. Die Vorgaben, wie zum Beispiel Abgasnormen, seien einfach zu unterschiedlich.

Doch im Bereich Medizintechnik, wo knappe öffentliche Budgets eine Rolle spielen, beobachtet Roland-Berger-Berater Knapp dagegen einen solchen Trend - beispielsweise in Frankreich. Auch einfachere Bosch-Werkzeuge schwappen zurück nach Europa. In den von der Eurokrise geschüttelten Ländern greifen die Menschen gern mal zu den günstigeren Varianten. Sorge ums Geschäft macht Bosch-Geschäftsführer von Boxberg sich deshalb noch nicht: "Wir haben auch bei den marktgerechten Produkten eine auskömmliche Marge."

Am Ende wird es aber vom Produkt abhängen, ob es überhaupt umgemodelt werden kann. "Sie werden vermutlich keinen frugalen Porsche 911 für Russland oder China sehen", sagt Roland-Berger-Berater Knapp.

Quelle: n-tv.de

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