Wirtschaft
Die Binnennachfrage erfreut die Ökonomen.
Die Binnennachfrage erfreut die Ökonomen.(Foto: picture alliance / dpa)

"Das sind gute Nachrichten für Europa": Binnenkonjunktur treibt deutsches Wachstum

Frischen Daten zum deutschen BIP ersticken die aufgekommene Kritik der EU-Kommission am deutschen Wachstumsmodell im Keim. Nicht der Export kurbelt die deutsche Wirtschaft an, es ist die Binnennachfrage. Die niedrigen Zinsen helfen dabei.

Nicht der Export, sondern ausgerechnet die international als zu schwach kritisierte Binnennachfrage hält die deutsche Wirtschaft auf Wachstumskurs. Das Bruttoinlandsprodukt sei von Juli bis Ende September vor allem wegen anziehender Investitionen um 0,3 Prozent im Vergleich Vorquartal gestiegen, teilte das Statistische Bundesamt mit. Im Frühjahr gab es - begünstigt durch Nachholeffekte nach dem langen Winter - allerdings noch ein Plus von 0,7 Prozent. Damit wurden die Daten aus der ersten Lesung bestätigt.

Die Ausfuhren wuchsen in den Sommermonaten wegen der schwächelnden Weltwirtschaft nur noch um 0,1 Prozent, während die Importe dank der robusten Binnenkonjunktur um 0,8 Prozent zulegten. Dadurch bremste der Außenhandel das Wachstum deutlich. Deutschland steht derzeit wegen seiner Exportstärke und Importschwäche am Pranger.

"Die jüngste Kritik am deutschen Wachstumsmodell schaut ein bisschen aus wie Weinen über vergossene Milch", sagte ING-Ökonomen Carsten Brzeski angesichts der besseren Binnennachfrage. "Die oft geforderte Neuausrichtung der Wirtschaft ist bereits im Gange." Die EU-Kommission untersucht, ob die Bundesrepublik nicht eine Mitschuld am enormen Gefälle in der Eurozone trifft - indem sie mit ihrer Exportschwemme den anderen Ländern das Leben erschwert und gleichzeitig zu wenig aus diesen Staaten importiert.

Lediglich "eine Delle"

Auch die privaten Konsumausgaben legten mit 0,1 Prozent nur minimal zu. "Möglicherweise hat hier die Diskussion um Steuererhöhungen vor den Bundestagswahlen die Verbraucher verunsichert", sagte Christian Schulz von der Berenberg Bank. "Das dürfte aber nur eine Delle sein." Rekordbeschäftigung, steigende Löhne und niedrige Inflation sollten den Konsum bald wieder ankurbeln. "Auch künftig dürften die Importe schneller wachsen als die Exporte, was den Überschuss in der Leistungsbilanz schrumpfen lässt", sagte Schulz. "Das sind auch gute Nachrichten für Europa."

Für Wachstum sorgten vor allem die Unternehmen. Sie gaben 0,5 Prozent mehr für Ausrüstungen wie Maschinen, Geräte und Fahrzeuge aus. Die Bauausgaben zogen sogar um 2,4 Prozent an und damit so stark wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. "Die niedrigen Zinsen überzeugen sowohl die Unternehmen als auch die Haushalte, mehr zu investieren - zumal auch die Unsicherheit über die Zukunft der Eurozone zurückgeht", sagte Ökonom Schulz. Der Staat erhöhte seine Konsumausgaben um 0,5 Prozent.

"Der Ausblick für die Konjunktur in Deutschland hellt sich zunehmend auf", betonen die Analysten der DZ-Bank. Institutionelle Anleger und Analysten bewerteten die Entwicklung in den kommenden sechs Monaten so gut wie lange nicht mehr. Die DZ-Bank ist überzeugt: Die deutsche Konjunktur wird sich in den kommenden zwei Jahren kräftig erholen, die Phase des schwächeren Wachstums werde bald überwunden.

Für das laufende vierte Quartal rechnet das Bundeswirtschaftsministerium mit einem Wachstum "von knapp einem halben Prozent". Trotzdem wird es den Wirtschaftsweisen zufolge im Gesamtjahr nur zu einem Plus von 0,4 Prozent reichen. 2014 sollen es dann 1,6 Prozent sein.

Quelle: n-tv.de

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