Wirtschaft
Der Vorzeigekunde verärgert den Jet-Hersteller: Auf der ILA in Berlin präsentierte sich Emirates noch mit einer A380 (l.) einträchtig neben der neuen A350.
Der Vorzeigekunde verärgert den Jet-Hersteller: Auf der ILA in Berlin präsentierte sich Emirates noch mit einer A380 (l.) einträchtig neben der neuen A350.(Foto: REUTERS)

Kein Platz mehr in der Flotte?: Airbus verliert Großauftrag von Emirates

Wer Flugzeuge verkaufen will, kann so etwas gar nicht gebrauchen: Der wichtigste Airbus-Großkunde aus der Golfregion zieht einen Auftrag über Langstreckenjets vom Typ A350 XWB zurück. Die Airbus-Aktie gerät unter Druck.

Schwerer Rückschlag für den europäischen Flugzeugbau: Die Fluggesellschaft Emirates hat ihre komplette Bestellung für den neuen Langstreckenjet A350 storniert. Die Fluggesellschaft wird keine der insgesamt 70 bestellten Maschinen dieses Typs abnehmen, teilte Airbus mit. Emirates habe den Auftrag über die Langstreckenjets annulliert. Der Auftragsbestand für den neuen Airbus-Hoffnungsträger bleibt trotz Abbestellung mit 742 Stück aber immer noch hoch, hieß es.

Zur Begründung hieß es lediglich, die Entscheidung sei in den laufenden Gesprächen mit der Airline über die Anforderungen an ihre Flotte gefallen. Emirates habe den Bedarf an neuen Langstreckenfliegern für die hauseigene Flotte neu festgesetzt. Branchenkennern zufolge gilt Emirates-Manager Tim Clark allerdings seit geraumer Zeit als Kritiker des nun abbestellten Airbus-Modells.

Die staatlich finanzierte Fluggesellschaft aus dem rohstoffreichen Golf-Emirat Dubai hatte erst im November auf der Dubai Air Show 50 Maschinen des Airbus-Riesenfliegers A380 bestellt, zugleich aber auch 150 Langstreckenflieger 777X des Airbus-US-Konkurrenten Boeing. Im Segment unterhalb des Großraumjets A380 setzt die Airline bei der neuen Flugzeuggeneration nur noch auf Modelle des Airbus-Rivalen Boeing.

Der Großkunde wendet sich ab

Die nun annullierte Bestellung von 70 A350 geht auf das Jahr 2007 zurück, die ersten Maschinen hätten eigentlich 2019 ausgeliefert werden sollen. Der Auftrag hatte laut damaliger Preisliste einen Gesamtwert von rund 16 Milliarden US-Dollar (11,8 Mrd Euro). Heute würden für die 70 Maschinen laut Liste sogar gut 21 Milliarden Dollar fällig. Allerdings sind bei Flugzeugbestellungen Nachlässe im zweistelligen Prozentbereich üblich. Die Aktie des Airbus-Mutterkonzerns Airbus Group reagierte mit einem deutlichen Kursabschlag auf die Nachrichten.

Die Sorge der Anleger hat nachvollziehbare Gründe: Für Airbus bildet der künftige Verkaufserfolg A350 eine wichtige Grundlage für die Werksauslastung, Ertragsaussichten und die gesamte Planung. In der Konstruktion der Maschine kommen verstärkt Leichtbau-Materialien wie etwa neue Verbundwerkstoffe auf Kohlefaserbasis zum Einsatz.

Das geringere Gesamtgewicht soll Kosten sparen und den Airlines einen besonders effizienten Betrieb ermöglichen. Die A350 soll im Alltagsbetrieb rund ein Viertel weniger Treibstoff verbrauchen als herkömmliche Maschinen vergleichbarer Größe.

Dazu kommt: Die A350 gilt in Branchenkreisen in Sachen Auslegung und Einsatzspektrum als wichtigstes Konkurrenzmodell zur 787 "Dreamliner" des US-Wettbewerbers Boeing. Die Airbus A350 soll den bisherigen Plänen zufolge Ende des Jahres den Weg zu den ersten Kunden finden. Der viel beachtete Erstflug der Maschine fand vor einem Jahr im Juni 2013 statt.

Die Fluggesellschaft Emirates ist Großkunde bei Airbus und unter anderem derzeit wichtigster Abnehmer des Riesenjets A380. Airbus zeigte sich dennoch zuversichtlich über den Verlauf des A350-Entwicklungsprogramms.

Keine Auswirkungen auf deutsche Jobs

In der Airbus-Produktion reißt trotz der Abbestellung nicht unmittelbar ein Loch auf. Denn die Maschinen für Emirates sollten erst in den Jahren 2019 bis 2023 ausgeliefert werden. "Das bringt uns jetzt keine finanziellen Belastungen", sagte Airbus-Manager John Leahy. Er hofft, rechtzeitig genügend neue Bestellungen für den Jet hereinzuholen.

Auch Nina Ohlerich von Airbus Deutschland in Hamburg sagte: "Die Storno-Entscheidung hat keine Auswirkungen auf die Standorte oder auf Arbeitsplätze in Deutschland." Die frei werdenden Bauslots würden durch andere Fluggesellschaften oder neue Aufträge aufgefüllt. So entstehen im größten deutschen Airbus-Werk in Hamburg-Finkenwerder die hinteren und mittleren Rumpfabschnitte, zudem wurde an der Elbe die komplette Kabinenausstattung und der Rumpf entwickelt. Aus Stade kommen Seitenleitwerk sowie die Oberschale der Tragfläche. Auch Airbus in Bremen ist beteiligt mit der Entwicklung der Hochauftriebssysteme, dazu zählen die Landeklappen, sowie mit der Ausrüstung der aus Großbritannien angelieferten Flügel.

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Quelle: n-tv.de

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