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"Bold" kommt, Kurseinbruch: Blackberry-Minus wirft Fragen auf

Erstmals seit 2007 erlöst Blackberry weniger als eine Milliarde Dollar in einem Quartal. Auch über das Gesamtjahr bricht der Umsatz ein. Der Verlust ist enorm, der Barmittelbestand schrumpft, der Aktienkurs sackt ab. Wie will Blackberry zurück auf Wachstumskurs?

Der kriselnde Smartphone-Hersteller Blackberry hat im vierten Quartal erneut einen Verlust eingefahren. Ein Blick auf die Erlöse, die erstmals seit 2007 wieder die Milliardenschwelle unterschritten haben, zeigt zudem, wie stark die Geräte des Smartphone-Pioniers an Beliebtheit eingebüßt haben. Auch die Gesamtjahreszahlen fielen katastrophal aus. An der Börse reagierten die Anleger nervös.

Der Blackberry-Umsatz brach in den drei Monaten von Anfang Dezember bis Anfang März um fast zwei Drittel auf 976 Millionen US-Dollar ein. Hier hatten die Marktbeobachter allerdings mit 1,1 Milliarden Dollar deutlich mehr erwartet. Dabei entfielen rund 37 Prozent auf Hardware, 56 Prozent auf Dienstleistungen und 7 Prozent auf Software und andere Posten.

Eine Mitschuld an dem Einbruch trägt das neue Betriebssystem Blackberry 10, das bei den Nutzern kaum Anklang fand. Die mit dieser Software ausgestatteten Smartphones waren eben nicht die meist verkauften im abgelaufenen Quartal. Tatsächlich arbeiteten von den 3,4 Millionen abgesetzten Geräten 2,3 Millionen mit der älteren Blackberry-7-Software.

Sondereffekte sorgen für Verlust

Trotz des Umsatzrückgangs hielt sich der Verlust zumindest im Lichte des horrenden Milliardenfehlbetrags aus dem Vorquartal in Grenzen. Das Minus betrug 423 Millionen Dollar. Im Vorquartal war der Verlust mit 4,4 Milliarden Dollar fast vier Mal so hoch ausgefallen wie der Umsatz. Vor einem Jahr hatte Blackberry noch einen Gewinn von 94 Millionen Dollar gemacht.

Für einen Gutteil der Verluste im Schlussquartal waren Sondereffekte verantwortlich, die der Konzern aus dem bereinigten Ergebnis herausrechnete. Dies waren unter anderem Neubewertungen von Schuldverschreibungen in Höhe von 382 Millionen und Restrukturierungskosten von 149 Millionen Dollar. Der bereinigte Verlust je Aktie belief sich damit statt auf 0,80 auf 0,08 Dollar, was wesentlich besser war, als Analysten erwartet hatten. Diese hatten mit 0,55 Dollar Fehlbetrag gerechnet.

Wo soll das Wachstum herkommen?

Entsprechend setzte zu Handelsbeginn an der Börse eine regelrechte Erleichterungsrally ein. Die Aktie legte rund 6 Prozent auf 9,64 Dollar zu. Im weiteren Verlauf kam der Kurs aber deutlich zurück. Am Ende stand ein Minus von sieben Prozent. im Raum steht weiter eine dominierende Frage: Wo soll künftiges Wachstum herkommen?

Es ist zwar deutlich geworden, dass Vorstand John Chen in der Lage ist, die Kosten zu senken. Doch seine Strategie, sich auf Software und Dienstleistungen zu konzentrieren, bleibt bestenfalls ein Experiment mit offenem Ausgang.

Barmittelbestand schrumpft weiter

Bold-Produktion soll wieder aufgenommen werden.
Bold-Produktion soll wieder aufgenommen werden.(Foto: REUTERS)

Auf Jahressicht summierte sich der Verlust auf 5,9 Milliarden Dollar. Der Umsatzrückgang betrug 38 Prozent auf 6,8 Milliarden Dollar. Die Erlöse waren damit das dritte Jahr in Folge rückläufig. Zudem schrumpfte der Barmittelbestand in den vergangenen drei Monaten von 3,2 auf 2,7 Milliarden Dollar.

Vergangenes Jahr holte sich Blackberry, nachdem der Verkauf des Unternehmens gescheitert war, einen Finanzinvestor ins Haus und krempelte  sein Führungspersonal um. Nun läuft die Neuausrichtung.

Hoffnung setzt Blackberry-Chef John Chen unter anderem auf die im Dezember verkündete Partnerschaft mit dem asiatischen Auftragsfertiger Foxconn. Bereits Ende Februar kündigte Chen auf der Branchenmesse in Barcelona ein preisgünstiges Smartphone für den Markt in Südostasien und ein "Klassikmodell" mit echter Hardware-Tastatur an. Zudem will sich Blackberry stärker auf Geschäftskunden konzentrieren und versucht, sich besser als Mobil-Dienstleister für Unternehmen zu positionieren.

Bold kommt zurück

Am Freitag stellte Chen das Erreichen des Breakevens beim Cashflow für das Ende des kommenden Geschäftsjahrs in Aussicht. Der Konzern schaue weiter nach Möglichkeiten, das Geschäft zu straffen. Zu möglichen Sparmaßnahmen oder Stellenstreichungen sagte der Manager nichts.

Mit Blick auf die rückläufigen Umsätze setzt Chen auf Altbewährtes. Blackberry werde die Produktion des Bold wieder aufnehmen, ein Telefon, das erstmals vor sechs Jahren auf den Markt gebracht worden war. "Das Handy muss profitabel gemacht werden", so seine Forderung.

Die Kehrtwende belegt, dass Blackberry noch einen weiten Weg vor sich, bis sie in anderen Geschäftsfeldern Geld verdient, sei es mit Managementsoftware für Unternehmen oder dem Verkauf von Werbung in der Messengerapplikation BBM.

Quelle: n-tv.de

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