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Nicht an allen Blackberry-Unternehmensteilen finden potenzielle Investoren Geschmack.
Nicht an allen Blackberry-Unternehmensteilen finden potenzielle Investoren Geschmack.(Foto: REUTERS)

Kaum Interesse: Blackberry droht die Zerschlagung

Der kanadische Mobilfunkhersteller hat den Anschluss verloren. Eine Rettung aus eigener Kraft scheint fast unmöglich. Doch der Konzern kann kaum Investoren locken, auch wenn ein Großaktionär fleißig Klinken putzt. Lukrativ sind lediglich einzelne Teile.

Der angeschlagene Smartphone-Pionier BlackBerry könnte von möglichen Käufern zerpflückt werden. Das Interesse an dem vom Deutschen Thorsten Heins geführten Gesamtkonzern sei lau und Interessenten würden eher prüfen, ob sie nur Teile erwerben könnten, sagten mehrere Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Finanzinvestoren seien am Betriebssystem und den Tastatur-Patenten interessiert. Es sei aber auch möglich, dass sich ein kanadischer Fonds mit einem Investor zusammentue, um dann doch den gesamten Konzern zu übernehmen. Blackberry ist derzeit an der Börse mit rund fünf Milliarden Dollar bewertet.

Die Lage bei Blackberry ist in etwa mit der von Nokia vergleichbar. Vor rund einem Jahrzehnt galten beide als Mobilfunk-Pioniere und Platzhirsche. Blackberry war mit seiner Email-Abfrage via Handy vor allem bei Geschäftskunden führend. Im Laufe der Zeit zogen Apple mit dem iPhone und Samsung aber vorbei und immer weiter davon. Nokia griff jüngst zur Reißleine und verkauft sein Mobilfunk-Geschäft an Microsoft. Blackberry hatte im August angekündigt, alle Alternativen durchzuspielen - darunter ebenfalls einen Verkauf.

Neustart missglückt

Die Kanadier hatte zu Jahresbeginn mit dem Blackberry 10 einen Neustart versucht. Doch dann bröckelte die Nachfrage nach hochpreisigen Geräten auf dem wichtigen US-Markt. Zwar litten darunter auch Apple und Samsung. Doch für die kleine Brombeere mit ihren eher begrenzten Finanzreserven war das besonders bitter. Daneben hatten Verzögerungen bei der Markteinführung, Probleme im Management und ein Stellenbau für schlechte Stimmung gesorgt.

Konzernchef Thorsten Heins sucht nach einer Zukunft für das Unternehmen.
Konzernchef Thorsten Heins sucht nach einer Zukunft für das Unternehmen.(Foto: REUTERS)

Zu Jahresbeginn hatte Blackberry auch überraschend Gewinne erwirtschaftet. Doch das erwies sich als Strohfeuer: Im Anfang Juni endenden Geschäftsquartal gab es einen Verlust von 84 Millionen Dollar, der Umsatz lag mit 3,1 Milliarden Dollar unter den Erwartungen.

Grundsätzlich gebe es reges Interesse bei potenziellen Käufern, hieß es in den Kreisen am Wochenende. So hätten in den vergangenen Tagen mehrere Finanzinvestoren vertrauliche Vereinbarungen unterzeichnet oder Treffen vereinbart, um einen Blick in Blackberrys Bücher zu bekommen.

Großaktionär sucht Partner

Blackberrys Großaktionär Fairfax Financial ist Kreisen zufolge bereits an mehrere kanadische Investmentfonds mit der Idee herangetreten, den Smartphone-Hersteller gemeinsam zu kaufen. Der Fairfax-Chef Prem Watsa hat bereits den Verwaltungsrat von Blackberry verlassen, um einen möglichen Interessenkonflikt zu vermeiden. Um Blackberry hatte es immer mal wieder Übernahme-Gerüchte gegeben. Das strenge kanadische Patent- und Wettbewerbsrecht legt die Hürden für einen Kauf durch ausländische Unternehmen aber hoch.

Blackberrys Marktwert ist binnen fünf Jahren von 84 auf aktuell nur noch 5,4 Milliarden Dollar eingebrochen. Analysten zufolge liegt die Summe der einzelnen Teile aber deutlich höher: So erwarten Experten, dass Blackberrys Dienstleistungen und das Textnachrichten-System mit seinem hohen Sicherheitsstandard allein schon 3,0 Milliarden bis 4,5 Milliarden Dollar wert sein könnte. Hinzu kämen Patente im Wert von zwei Milliarden bis drei Milliarden sowie Bargeld und Firmenwerte von rund 3,1 Milliarden.

Blackberrys Smartphone-Produktion wird indes kaum ein Wert zugemessen. Es würde sogar zwei Milliarden Dollar kosten, um die Sparte zu schließen, die die Geräte herstellt, heißt es bei Analysten.

Quelle: n-tv.de

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