Wirtschaft
Fühlen, kippen, anschauen: Unter UV-Licht zeigt dieser (echte) 50er seine zusätzlichen Sicherheitsmerkmale.
Fühlen, kippen, anschauen: Unter UV-Licht zeigt dieser (echte) 50er seine zusätzlichen Sicherheitsmerkmale.(Foto: Bundesbank)

Millionenschaden mit Euro-Blüten: Fälscher setzen auf Zwanziger

Experten der Bundesbank geben Einblick in die gesammelten Werke krimineller Geldfälscher: Im ersten Halbjahr geht die Zahl der illegal in Umlauf gebrachten Euroscheine weiter zurück. Aufpassen müssen die Bundesbürger den Zahlen der Bundesbank zufolge derzeit besonders bei den blauen Scheinen.

Hektik an der Kasse hilft dem Fälscher: Die meisten Blüten sind mit ruhiger Hand schnell erkannt.
Hektik an der Kasse hilft dem Fälscher: Die meisten Blüten sind mit ruhiger Hand schnell erkannt.(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Die Falschgeldzahlen in Deutschland bleiben vergleichsweise überschaubar: Exakt 18.975 Euro-Blüten zogen Polizei, Handel und Banken im ersten Halbjahr dieses Jahres aus dem Verkehr. Das waren nach Angaben der Bundesbank gut sechs Prozent weniger Fälschungen als in den sechs Monaten zuvor und fast genauso wenige wie in der ersten Jahreshälfte 2011. Damals hatten die Experten der Bundesbank 18.852 gefälschte Geldscheine registriert.

Durch illegal angefertigte Banknoten entstand ein Schaden von rund 1,1 Mio. Euro und damit in etwa ebenso viel wie im Vorjahreszeitraum. Der rückläufige Trend setzte sich auch nach den Zahlen der Europäischen Zentralbank (EZB) fort: Demnach wurden weltweit in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 251.000 Euro-Blüten sichergestellt. Im ersten Halbjahr 2011 lag diese Zahl noch bei 296.000, im zweiten Halbjahr 2011 waren es 310.000 falsche Scheine. Der Löwenanteil der Scheine (97,5 Prozent) wird dabei in den 17 Euroländern entdeckt.

Inzwischen setzen Fälscher vor allem auf 20-Euro-Scheine: Vier von zehn in Deutschland entdeckte Falschnoten fallen in diese Kategorie. Der "falsche Fuffziger" kommt noch auf einen Anteil von 34 Prozent. Fast identisch sind die Größenordnungen in den EZB-Zahlen: Im ersten Halbjahr 2012 entfielen demnach 77 Prozent aller Fälschungen auf 20- und 50-Euro-Scheine.

"Die Menschen haben ein Gespür"

Insgesamt verzeichnete die Bundesbank im gesamten Vorjahr rund 39.000 gefälschte Euro-Scheine. Die Zahl der entdeckten Fälschungen ging damit gegenüber 2010 um über ein Drittel zurück. Verantwortlich für den starken Rückgang sind laut Bundesbank die "effiziente Polizeiarbeit im In- und Ausland" sowie die hauseigenen Maßnahmen zur Falschgeldprävention. Darunter verstehen die Bundesbanker zum Beispiel die Verbreitung von Schulungsmaterial zur Falschgelderkennung.

"In Deutschland gibt es eigentlich fast nur Gelegenheitsfälscher."
"In Deutschland gibt es eigentlich fast nur Gelegenheitsfälscher."(Foto: dpa)

"Die Polizei hat exzellente Arbeit geleistet und auch die Präventionsarbeit der Bundesbank trägt Früchte", erklärte Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele die seit Jahren rückläufigen Falschgeldzahlen. "Im Handel und in der Bevölkerung ist ein hohes Sicherheitsempfinden vorhanden. Die Menschen haben ein Gespür dafür, was eine echte Banknote ist." Durch aufmerksames Fühlen, Sehen, Kippen könnten Verbraucher die Masse der Fälschungen erkennen.

Die Zahl der registrierten Fälschungen lässt allerdings nur indirekt Rückschlüsse auf die Menge des in Umlauf befindlichen Falschgelds zu. Möglich wäre auch, dass mehr höherwertige Fälschungen in den Verkehr gebracht werden, die schlechter erkannt werden. In diesem Fall würden die zuständigen Stellen weniger aus dem Verkehr gezogenes Falschgeld registrieren.

Besser genauer hinschauen

Die Währungshüter betonten: Verglichen mit der Anzahl echter im Umlauf befindlicher Euro-Geldscheine - durchschnittlich 14,6 Mrd. Banknoten in der ersten Jahreshälfte 2012 - sei der Anteil der Fälschungen nach wie vor sehr gering. In Deutschland entfallen rein rechnerisch pro Jahr fünf Falschnoten auf 10.000 Einwohner.

"Das Risiko, mit Falschgeld in Berührung zu kommen, ist in Deutschland sehr gering", erklärte ein Bundesbank-Sprecher die Gesamtlage. Dank der verschiedenen Sicherheitsmerkmale sei Falschgeld auch für Laien leicht erkennbar. "Fälscher konzentrieren sich meistens bei der Nachahmung auf ein oder wenige Sicherheitsmerkmale, so dass es deshalb ratsam ist, mehrere Merkmale einzubeziehen."

Die meisten gefälschten Banknoten, die Fahnder in Deutschland einzogen, stammen den Angaben zufolge aus Werkstätten in Südeuropa und Südosteuropa. "In Deutschland gibt es eigentlich fast nur Gelegenheitsfälscher, die aber keine großen Mengen Falschgeld in Umlauf bringen", erklärte Martin Weber, Sachverständiger für Banknotenfälschungen im Nationalen Analysezentrum der Bundesbank in Mainz.

Merkwürdige Zwei-Euro-Münzen?

Bei den sichergestellten Falschmünzen setzte sich der rückläufige Trend fort: 22.405 nachgemachte Münzen - zu 80 Prozent 2-Euro-Stücke - wurden von Januar bis Ende Juni 2012 in Deutschland aus dem Verkehr gezogen und damit deutlich weniger sowohl als im zweiten Halbjahr 2011 (25.243) wie auch im ersten Halbjahr 2011 (27.480).

Im Zweifelsfall ist ein genauer Blick vor der Annahme der Scheine bares Geld wert: Denn für Falschgeld gibt es weder bei der Bundesbank, noch bei anderen Stellen Ersatz oder Rückerstattung. Die Bundesbank rät dringend dazu, sofort die Polizei zu informieren, wenn Falschgeld auftaucht. Die Weitergabe ist in jedem Fall keine ratsame Lösung. Denn wer Falschgeld einfach weiterreichen will, macht sich "genau wie bei der Herstellung von Falschgeld strafbar", warnt die Bundesbank.

Im deutschen Strafgesetzbuch heißt es dazu unter Paragraph 147: "Wer (...) falsches Geld als echt in Verkehr bringt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft." Schon der Versuch ist strafbar.

Quelle: n-tv.de

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