Wirtschaft
Die Bank of Japan in Tokio lenkt möglicherweise diese Woche ein.
Die Bank of Japan in Tokio lenkt möglicherweise diese Woche ein.(Foto: dpa)

Abe will schnell billiges Geld: BoJ beugt sich dem Druck

Aggressive Änderungen in der Geld- und Fiskalpolitik fordern die japanischen Konservativen im Wahlkampf. Nach ihrer Wahl finden sie bei der japanischen Zentralbank offenbar Gehör. Noch diese Woche wollen die Währungshüter angeblich die Notenpresse anwerfen.

Nach dem Wahlsieg der Konservativen wird die japanische Notenbank informierten  Kreisen zufolge noch in dieser Woche ihre Geldpolitik lockern. Zudem erwägten die Währungshüter, spätestens im Januar ein Inflationsziel von zwei Prozent festzusetzen und sich damit dem Druck des neuen Regierungschefs Shinzo Abe zu beugen, hieß es weiter. Der Konservative Abe hatte im Wahlkampf aggressiv für eine lockere Geldpolitik und Konjunkturprogramme geworben, um Japan aus der Spirale von Wirtschaftsflaute und Deflation zu reißen.

Shinzo Abe will viel Geld, sofort.
Shinzo Abe will viel Geld, sofort.(Foto: picture alliance / dpa)

Abe brachte sein Anliegen auch persönlich bei Notenbankchef Masaaki Shirakawa hervor. Dieser besuchte die Parteizentrale der konservativen LDP. Shirakawa habe seinen Ausführungen nur zugehört, sagte Abe auf die Frage, wie der Notenbankchef reagiert habe. Shirakawa hob hervor, man habe sich nicht über die Geldpolitik ausgetauscht. Mit seinem Besuch in der LDP-Zentrale habe er lediglich seinen Respekt erweisen wollen.

Die Notenbank hat zurzeit ein Inflationsziel von einem Prozent und sich offen gezeigt, diese Marke zu erhöhen. Die Währungshüter treffen sich am Mittwoch und Donnerstag, um über die Geldpolitik zu beraten. Die Spielräume sind vor dem zweitägigen Treffen gering - die Leitzinsen sind bereits nahe null. Erst im September hatte die BoJ zudem ihr Programm zum Kauf von Anleihen von zuletzt 70 Billionen Yen auf 80 Billionen Yen (724 Mrd. Euro) aufgestockt.

Bereits in der vergangenen Woche hieß es aus Kreisen, dass die Bank von Japan ihr Programm zum Ankauf von Wertpapieren wahrscheinlich ausweiten werde.

Im Wahlkampf hatte Abe angekündigt, er wolle mit zusätzlichen Konjunkturprogrammen und einer noch lockereren Geldpolitik die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt aus der Wirtschaftsschwäche führen. Dabei brachte er unter anderem die Möglichkeit negativer Leitzinsen ins Spiel. Darüber hinaus plant er Gesetzesänderungen, um die Unabhängigkeit der Bank of Japan zu beschneiden.

Ob derartige Maßnahmen das Land aus der Wirtschaftsmisere führen können, gilt unter Ökonomen aber als zweifelhaft. Die strukturellen Schwächen des Landes würden nicht beseitigt. Darüber hinaus dürfte der Schuldenstand Japans - mit 210 Prozent der Wirtschaftsleistung schon jetzt der mit Abstand höchste unter den Industrieländern - weiter steigen.

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Quelle: n-tv.de

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