Wirtschaft
Was passiert da? Die Kurse an der Tokioter Börse steigen, weil die BoJ die Zügel ihrer Geldpolitik schleifen lässt.
Was passiert da? Die Kurse an der Tokioter Börse steigen, weil die BoJ die Zügel ihrer Geldpolitik schleifen lässt.

"2 Prozent in 2 Jahren": BoJ greift in die Trickkiste

Japan ist seit 15 Jahren in einer Deflationsspirale gefangen. Die Bank of Japan versucht mit diversen Maßnahmen, das Land daraus zu befreien. Vor allem eine extrem lockere Geldpolitik kommt dabei zum Einsatz. Das lässt die Aktienkurse kräftig steigen - und zeigt auch erste Erfolge beim Wirtschaftswachstum.

Die Bank of Japan (BoJ) hat bei ihrer Inflationsprognose die magische Zahl von 2 Prozent aus dem Hut gezaubert. Der neunköpfige Rat rechnet zwar nicht damit, dass in den nächsten zwei Jahren das Inflationsziel von 2 Prozent erreicht wird, wie aus dem BoJ-Bericht hervorgeht. Doch der Prognosezeitraum wurde um ein Jahr verlängert, sodass für das Fiskaljahr 2015, das im April beginnt, nun eine angenommene Inflationsrate von 1,9 Prozent ausgewiesen wird.

Zudem sei es sehr wahrscheinlich, dass gegen Ende dieses Fiskaljahres, also zum März 2016, eine Inflationsrate von 2 Prozent erreicht werden kann, hieß es in dem Bericht. Die Effekte der für April 2014 geplanten Umsatzsteuererhöhung sind in den Projektionen nicht enthalten. Die Inflationsprognosen beziehen sich auf die Verbraucherpreise in der Kernrate. In dieser Kernrate sind Energiepreise berücksichtigt, nicht jedoch die stark schwankenden Preise für frische Lebensmittel.

Für das laufende Fiskaljahr rechnen die Währungshüter mit einem Preisanstieg um 0,7 Prozent, für das folgende Fiskaljahr um 1,4 Prozent. Vor drei Wochen hat die BoJ eine radikale Wende in der Geldpolitik vollzogen und beschlossen, die Geldbasis innerhalb von zwei Jahren zu verdoppeln, um Japan aus der seit 15 Jahren anhaltenden Deflationsspirale herauszuführen.

Wirtschaft springt an

Der neue Gouverneur Haruhiko Kuroda hatte angekündigt, die Inflation in zwei Jahren auf 2 Prozent treiben zu wollen und die Märkte waren gespannt, ob die Notenbank ihre Inflationsprognosen in Einklang mit dieser selbsterklärten Mission ("2 Prozent in 2 Jahren") in Einklang bringt.

Die Wirtschaftsentwicklung sehen die Währungshüter nun deutlich günstiger: Nach den neuen Projektionen wird das Bruttoinlandsprodukt in diesem Fiskaljahr um 2,9 Prozent wachsen; bislang hatte die Vorhersage auf plus 2,3 gelautet. Für das nächste Fiskaljahr wurde die Wachstumsprognose auf 1,4 von 0,8 Prozent erhöht. Für das Fiskaljahr 2015 wird ein Wachstum von 1,6 Prozent veranschlagt.

Wie glaubwürdig ist die BoJ?

Unter den Analysten herrscht aber Skepsis: "Die Unternehmen müssten ihre Einstellung drastisch ändern, damit das Ziel erreicht werden kann", betonte Ökonom Yoshiki Shine vom Dai-ichi Life Research Institute in Tokio. Das angestrebte Inflationsniveau von zwei Prozent hat es seit rund einem Vierteljahrhundert in dem Fernost-Land nicht mehr gegeben. Experten warnen daher, dass die Glaubwürdigkeit der Notenbank unter einer zu ehrgeizigen Zielvorgabe leiden könnte.   

Gewinnmitnahmen halfen dann dem Yen etwas auf die Sprünge. Der Dollar fiel nach der Zinsentscheidung der japanischen Notenbank auf 98,24 Yen zurück. Im Schlussgeschäft des Vortages hatte die US-Währung noch bei 99,25 Yen notiert. Die japanischen Währungshüter haben ihre expansive Geldpolitik zwar bestätigt, leiteten aber keine neuen Maßnahmen ein. Die Aussicht auf eine anhaltend aggressive Geldpolitik der Bank of Japan hatte den Dollar in den vergangenen Wochen zeitweise auf ein Vier-Jahres-Hoch von 99,95 Yen steigen lassen.

Quelle: n-tv.de

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