Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

Ralf Goerkes "Aktienklima": Börsen im Niemandsland

Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit befinden sich die meisten Indizes in einer Konsolidierungsphase. Betrachtet man die Charts gibt eine Börse allerdings den Ausreißer.

"Aktienmärkte weiter im Hausse-Stadium", lautete die Überschrift zu dieser Kolumne vor genau drei Monaten am 03. Januar. Damals lautete das Fazit, dass sich das allgemeine Aktienklima zu Beginn des Jahres 2014 in einer guten Verfassung zeigt. Momentumstarke Aktien mit einem guten Chance/Risiko-Verhältnis sollten gehalten werden.

Die Börsen liefen danach noch einige Wochen weiter nach oben, bevor sie in eine allgemeine Konsolidierung gerieten. So erreichte der Dax sein bisheriges Jahreshoch am 21. Januar bei knapp 9.800 Indexpunkten. Der MDax schaffte es zweimal bis zur Marke von 17.000 Punkten, und zwar am 17. Januar und am 26. Februar. Dadurch ergibt sich möglicherweise in diesem Index aktuell die charttechnische Formation eines Doppeltops. Der MDax darf nun nicht unter 15.800 Punkte fallen, was diese Formation als obere Trendwendeformation bestätigen würde. Die Rally im SDax endete bisher am 18. Februar bei etwa 7.800 Punkten. Die größte relative Stärke zeigte in den vergangenen Monaten bei den deutschen Indizes der TecDax. Dadurch erreichte er sein bisheriges Jahreshoch im Verhältnis zu den anderen Indizes recht spät am 06. März.

Inzwischen befinden sich jedoch die meisten Indizes nicht nur in Deutschland sondern auch weltweit in einer Konsolidierungs- bzw. Korrekturphase. Die Krim-Krise bleibt ein belastender Faktor.

Seit Jahresbeginn haben die 50 wichtigsten internationalen Indizes im Durchschnitt bisher auch nur 1,1 Prozent zugelegt. Die drei besten Indizes waren seither: MERVAL (Argentinien) +15,8%, PSI 20 (Portugal) +14,6% und der ATG (Griechenland) +13,1%. Die größten Verluste verbuchten dagegen bisher: RTX (Russland) -17,6%, Nikkei 225 (Japan) -10,2% und der BUX (Ungarn) -8,4%.

Durchwachsen sieht das Bild bei den deutschen Indizes seit Jahresbeginn aus. Der Dax verlor bisher 1,1 Prozent und der MDax sogar knapp 1,5 Prozent. Gewinne verbuchen dagegen bis jetzt der SDax (+3,8%) und der TecDax aufgrund seiner hohen relativen Stärke +6,3 Prozent.

Abb. 1: Technische Verfassung der 30 wichtigsten Aktienmärkte weltweit
Abb. 1: Technische Verfassung der 30 wichtigsten Aktienmärkte weltweit

Wie sich die technische Verfassung in den 30 wichtigsten Indizes weltweit derzeit darstellt, sehen Sie in der ersten Grafik (Abbildung 1).

Diese Darstellung erlaubt es Ihnen, das Wichtigste auf einen Blick zu erkennen. Sie sehen hier die Verteilung der Bewertungspunkte für die einzelnen Indizes in drei Bereiche: Bearish, Neutral und Bullish. Diese Bewertungen erfolgen aufgrund von technischen Indikatoren auf Tagesbasis (oberer Bereich einer Zeile) und auf Wochenbasis (unterer Bereich einer Zeile).

Gleichzeitig können Sie durch farbige Pfeile die letzten Veränderungen in der Bewertung eines Index zum Vortag bzw. zur Vorwoche erkennen. Eine Zusammenfassung der Bewertungspunkte sehen Sie im unteren Teil der Grafik in Form von Balkendiagrammen. Die schwarzen Punkte zeigen eine unveränderte Bewertung zur Vorperiode (Vortag / Vorwoche) an.

Aufgrund der Balkendiagramme ist zu erkennen, dass das Gros der Index-Bewertungspunkte derzeit im neutralen Bereich zu finden ist (29 von insgesamt 60 Punkten). Nur etwa ein Viertel aller Bewertungen liegen im bullishen Bereich rechts außen. Und nur eine einzige Börse zeigt mit ihrer Bewertung sowohl auf Tages- als auch auf Wochenbasis eine sehr bullishe Einschätzung: Indien! Kein Wunder, konnte der BSE Sensex-Index der Börse in Mumbai (vormals Bombay) doch vor wenigen Tagen einen sechs Jahre alten Widerstand nach oben durchbrechen und neue historische Höchststände erreichen!

Alles in allem vermittelt diese Grafik jedoch einen Eindruck, warum sich viele Börsen derzeit eher im "Niemandsland" aufhalten.

Abb. 2: Verhältnis steigender zu fallenden Aktien in wichtigen Indizes
Abb. 2: Verhältnis steigender zu fallenden Aktien in wichtigen Indizes

Wie sich derzeit das Verhältnis von kurzfristig steigenden zu kurzfristig fallenden Aktien in den wichtigsten Indizes darstellt, sehen Sie in der (Abbildung 2). Die Grafik ist relativ neu und gibt Ihnen ebenfalls wichtige Information auf einen Blick. Die Grafik ist aufgeteilt in die Bereiche Deutschland, Europa, Nordamerika, Asien und Rohstoff-Aktien wie Goldminen und Öl-Werte (s. Beschriftungen oben).

Die Beschriftung der Indizes im Einzelnen erfolgt im unteren Bereich der Balkengrafik. Die 50%-Grenzen sind an den Seiten durch farbige Pfeile (rot und grün) markiert. Die Blau-Anteile in den Balken stehen für die prozentuale Anzahl der Aktien mit kurzfristig steigendem Trend und umgekehrt. Wie das Verhältnis von bullishen und bearishen Aktien konkret in Zahlen ist, sehen Sie anhand der Datenbeschriftung direkt über und unter den Säulen. Aktuell ist das Verhältnis von Indizes mit kurzfristig bullish tendierenden Aktien zu den Indizes mit mehr fallenden Aktien in etwa ausgeglichen.

Die jüngste Schwäche beim Goldpreis hat auch zu einer Korrektur bei den Goldminen geführt (s. vorletzten Balken rechts außen).

Da es sich hier um eine Betrachtungsweise im kurzfristigen Zeithorizont handelt, muss allerdings berücksichtigt werden, dass die natürlichen Kursschwankungen an den Börsen von Woche zu Woche zu stark veränderten Ergebnissen in dieser Darstellungsform führen können.

Abb. 3: Verhältnis bullisher u. bärischer Indikatoren i. d. internationalen Indizes
Abb. 3: Verhältnis bullisher u. bärischer Indikatoren i. d. internationalen Indizes

Die folgende (Abbildung 3) zeigt Ihnen das Verhältnis bullisher und bearisher Indikatoren in den 50 wichtigsten Indizes auf den Zeitebenen kurzfristig (links) bis langfristig (rechts).

Hier können Sie sehr gut erkennen, dass sich die Bewertung im kurzfristigen Bereich sowohl in positiver, als auch in negativer Hinsicht derzeit die Waage hält. Eine Betrachtung der längerfristigen Indikatoren zeigt in den allermeisten Indizes immer noch eine grundsätzlich positive Tendenz.

Fazit:

Die Börsen scheinen in einer Findungsphase zu sein. Welche Auswirkungen wird die Krim-Krise auf die wirtschaftliche Entwicklung in Europa und der übrigen Welt haben? Die Unsicherheit darüber kommt derzeit in der technischen Verfassung der meisten Indizes zum Ausdruck. Noch können Aktien aufgrund des Gesamteindrucks der hier vorgestellten technischen Verfahrensweisen gehalten werden. Neukäufe würde ich aber noch zurückstellen, bis sich das Gesamtbild wieder eindeutig verbessert hat.

Mehr Informationen zur Strategie von Ralf Goerke finden Sie unter: www.momentumstrategie.de.

Quelle: n-tv.de

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