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An der Mailänder-Börse kletterte der Index auf ein neues Drei-Jahreshoch.
An der Mailänder-Börse kletterte der Index auf ein neues Drei-Jahreshoch.(Foto: REUTERS)

Mailand auf Drei-Jahreshoch: Börsen in Euro-Krisenländern starten durch

Anleger entdecken die Krisenländer: Nach und nach kehren die Investoren an die Börsen in der südeuropäischen Peripherie zurück. Die Indizes klettern deutlich. Zudem trauen die Profis einem weiteren Markt ordentlich was zu - Russland.

Dank der "Renzi-Rally" steht der Leitindex der Mailänder Börse vor dem zweitbesten Jahresauftakt seiner Geschichte. Er legte seit Ende Dezember mehr als 14 Prozent zu und markierte am Montag mit 21.685,70 Punkten ein Drei-Jahres-Hoch. Der Dax kommt im ersten Quartal auf ein Plus von gerade einmal 0,5 Prozent.

Die vom neuen italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi angestoßene Wahlrechtsreform werde voraussichtlich zu stabilen Parlamentsmehrheiten führen, schrieben die Analysten der Credit Suisse in einer Studie. Das erleichtere den notwendigen Umbau des Arbeitsmarktes, der Justiz sowie den Bürokratie-Abbau. All dies erhöhe die Wettbewerbsfähigkeit Italiens und sorge für bessere Konjunkturaussichten. Da italienische Aktien im europäischen Vergleich zudem günstig seien, werde die "Renzi-Rally" voraussichtlich noch eine Weile weitergehen.

Börsen in Euro-Krisenländer holen auf

Der Athener Leitindex legte seit Jahresbeginn ebenfalls gut 14 Prozent zu. Das ist der beste Jahresauftakt seit 1999. Spekulationen auf eine baldige Rückkehr Portugals in die finanzielle Eigenständigkeit verhalfen der Lissaboner Börse sogar zu einem Plus von knapp 16 Prozent. So stark aufwärts ging es zuletzt in den ersten drei Monaten des Jahres 2006. Der spanische Ibex hängt mit einem Plus von knapp fünf Prozent seit Jahresbeginn hinterher. Allerdings kann er damit erstmals seit 2009 wieder drei Quartale in Folge zulegen.

Anleger griffen in den vergangenen Monaten nicht nur bei den Aktien, sondern auch den Staatsanleihen der europäischen Peripheriestaaten zu. Die Renditen der richtungsweisenden zehnjährigen italienischen und spanischen Anleihen sanken zeitweise auf die niedrigsten Stände seit acht Jahren.

Russland ist äußerst preiswert

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Lichtblicke gibt es für einige Anleger auch in Russland. Nachdem zuletzt reihenweise Investoren wegen der Krim-Krise Kapital aus dem russischen Aktienmarkt abgezogen haben, könnte das Pendel nun zur anderen Seite ausschlagen. Vor allem Schnäppchenjäger könnten nun die Gunst der Stunde nutzen und bei russischen Papieren zugreifen, sagen Finanzprofis. "Der russische Aktienmarkt ist derzeit einer der preiswertesten der Welt, aber wohl auch einer der unbeliebtesten", sagte Star-Investor Jim Rogers von Rogers Holdings in Singapur. Seinen Blick richtet er derzeit vor allem auf Unternehmen, die nicht dem Energiebereich angehören.

Bislang haben die USA und die EU wegen der Eingliederung der Krim in die Russische Föderation Reisebeschränkungen verhängt und die Konten einiger Dutzend Personen aus dem Umfeld von Präsident Wladimir Putin eingefroren. Die Aktienkurse und der Rubel gaben deutlich nach. Allein der RTS-Index, dessen Werte in Dollar notiert sind, kam seit der Verschärfung des Konflikts um die Halbinsel Krim Ende Februar in der Spitze auf ein Minus von rund 18 Prozent.

Verlockende Chancen  

Chef-Investment-Stratege Joe Portelli von der Investmentfirma FMG ist überzeugt, dass sich der Einstieg in russische Aktien gerade wegen der jüngsten Kursverluste lohnt: Die aktuelle Bewertung der Titel sei verlockend und wer Geduld habe, werde belohnt, sagte er. Es bestehe die Möglichkeit, dass man sein Geld in Russland in drei bis fünf Jahren verdoppeln könne.

Nach Einschätzung von Yakov Arnopolin, Fondsmanager bei Goldman Sachs, dürfte die Krise zwar ihre Spuren in der russischen Wirtschaft hinterlassen, aber eben nicht so stark, wie die derzeitigen Marktreaktionen nahelegten. Bemerkbar machte sich die Unsicherheit über den Ausgang des Konflikts zuletzt auch am Anleihenmarkt: Die Renditen der zehnjährigen russischen Anleihen kletterten in der vergangenen Woche auf 9,62 Prozent, den höchsten Stand in zweieinhalb Jahren. Nun machen aber vor allem die zuletzt versöhnlicheren Töne zwischen Russland und den USA Anlegern Hoffnung auf eine diplomatische Lösung der Krise.

Quelle: n-tv.de

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