Billiges Geld und BombenstimmungBörsen kaum zu bremsen

Die Kurse an den wichtigsten Börsen der Welt steigen nahezu täglich. Ein Ende der Rally scheint nicht in Sicht - auch wenn Dax und Co zum Wochenschluss zunächst eine Verschnaufpause einlegen. Doch die 8500 wollen die Anleger im Dax noch sehen. Trotz erster mahnender Stimmen. Fragen und Antworten zur Rally.
Euro-Schuldenkrise und US-Haushaltsstreit zum Trotz - an den wichtigsten Börsen der Welt geht es seit Tagen aufwärts. Beobachter sehen vorerst kein Ende des Booms - kleine Pausen eingeschlossen. Erste Stimmen mahnen allerdings zur Vorsicht. Warum sind die Anleger im Kaufrausch?
Vor allem das billige Geld der großen Notenbanken beflügelt die Stimmung der Investoren. Mit der Geldflut wird auch die Konjunktur angeregt, das ist gut für Dax und Co. Die Kehrseite der Medaille: Das Sparbuch wirft so gut wie nichts mehr ab, seit die Währungshüter die Zinsen nahe Null gedrückt haben. Zudem versprechen Staatsanleihen von Ländern mit guter Bonität wie Deutschland derzeit nur noch mickrige Erträge. Den Investoren fehlen also Alternativen. Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank spricht von der "Kraft der drei Herzen": Billiges Geld, Konjunkturstütze und Alternativlosigkeit. Geht die Hausse weiter?
Für Kapitalmarktexperte Halver sind 8500 Punkte das Ziel für den Deutschen Aktienindex. Von der Konjunktur gebe es positive Nachrichten, die Geldpolitik sei locker. "Und schließlich haben wir auch noch Inflationsdruck, der das Sachkapital "Aktie" antreibt", sagt Halver. Auch Henning Gebhardt von der Deutsche-Bank-Tochter DWS ist zuversichtlich: "Die deutsche Konjunktur ist robust, der Export läuft und viele Unternehmen zeigen sich in solider Verfassung". Noch deutlicher formuliert es Kapitalmarktexperte Oliver Roth von Close Brothers Seydler: "Die Niedrigzinspolitik der Notenbanken liefert den Stoff aus dem Träume gemacht werden. Der Traum ist noch nicht zu Ende." Umso schlimmer werde allerdings eines Tages das Erwachen.
Was spricht gegen eine Fortsetzung der Kursrally?
Der Euroraum steckt in einer tiefen Rezession. Zwar sieht die Europäische Zentralbank zunehmend Anzeichen für ein Ende der Krise und erwartet in der zweiten Jahreshälfte eine schrittweise Konjunkturerholung. Doch die Schuldenkrise ist nicht ausgestanden. Vor allem Italien steht nach dem Patt bei der Parlamentswahl unter Beobachtung. Die Wahl habe die ungelösten Probleme in der Eurozone wieder vor Augen geführt, mahnen Finanzmarktexperten der Privatbank Metzler zur Vorsicht. Aus Sicht mancher Beobachter scheint das Beste für die Anleger angesichts der vergangenen Kursgewinne ohnehin schon ausgereizt. "Neuengagements erscheinen erst nach einer Zwischenkorrektur sinnvoll", meint die Landesbank Helaba.
Besteht die Gefahr einer Blase?
"Wir haben keine übertriebenen Aktienbewertung", sagt Kapitalmarktexperte Halver. Auch aus Sicht von Christine Bortenlänger, Chefin des Deutschen Aktieninstituts (DAI), sind die Aktienkurse immer noch moderat bewertet - die Papiere also vergleichsweise billig. Sie warnt allerdings vor allzu großer Euphorie: "Rückschläge sind an der Börse immer möglich", sagte Bortenlänger.
Kehren die deutschen Kleinanleger zurück an die Börsen?
Von den Aktionärszahlen zu Zeiten des Börsenbooms 2001 (fast 13 Millionen) ist Deutschland weit entfernt. Zum Jahresende 2012 hatten 8,8 Mio. Menschen hierzulande direkt und/oder indirekt Geld in Aktien investiert. Im Vergleich zu den ersten sechs Monaten kehrten damit 1,3 Mio. Anleger den Börsen im zweiten Halbjahr 2012 wieder den Rücken. Experten der Helaba halten es allerdings für wenig wahrscheinlich, dass die Privatanleger nach den schmerzhaften Erfahrungen der Vergangenheit ihre Liebe zu Aktien neu entdecken.