Wirtschaft
Video

Legt Draghi 15 Milliarden drauf?: Börsen zittern EZB-Entscheid entgegen

Werden es die Währungshüter wirklich wagen? Experten rechnen mit Blick auf den anstehenden Zinsentscheid mit einem ganzen Bündel an Maßnahmen. Nach dem letzten Entscheid sackte der Dax scharf ab. Wie werden die Kurse diesmal reagieren?

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird Experten zufolge auf ihrer Ratssitzung am Vormittag die Geldpolitik erneut lockern. Die für den Euroraum maßgebliche Leitzinsentscheidung ist für 13.45 Uhr (MEZ) angekündigt. Am frühen Nachmittag wird EZB-Präsident Mario Draghi dann wie üblich ab 14.30 Uhr vor die Presse treten, um die Entscheidung des EZB-Rats ausführlich zu erläutern.

Hinweis: n-tv.de überträgt den Auftritt von EZB-Chef Mario Draghi live im Spezialstream

Am Finanzmarkt wird erwartet, dass Draghi dabei ein ganzes Maßnahmenbündel vorstellen wird. Die Währungshüter stehen unter Zugzwang, die Inflation rutschte im Februar wegen des Ölpreisverfalls erneut unter die Nulllinie. Die Preise sanken um 0,2 Prozent. Das setzt die Währungshüter unter Druck, die als Optimalwert für die Wirtschaft mittelfristig knapp zwei Prozent Inflation anstreben. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann - der als Gegner einer extrem lockeren Geldpolitik gilt - darf dieses Mal nicht mitstimmen. Wegen des Rotationsprinzips muss er aussetzen.

Ferner rechnet der Markt damit, dass die EZB die Strafzinsen für Geldhäuser weiter verschärft, wenn diese über Nacht bei der Notenbank Geld parken. Damit will sie die Institute bewegen, mehr Kredite zu vergeben. Diese Maßnahme ist massiv umstritten. Banken und Sparkassen lehnen eine weitere Verschärfung der Strafzinsen als gefährlich und kontraproduktiv ab.

Abgesehen davon gehen Volkswirte davon aus, dass die Euro-Wächter ihr vor allem in Deutschland umstrittenes Anleihen-Kaufprogramm ausweiten, das bislang auf 1,5 Billionen Euro angelegt ist. Am Bundesverfassungsgericht ist derzeit noch eine Klage von EZB-Kritikern anhängig, in der geklärt werden soll, inwieweit das Vorgehen der Währungshüter überhaupt rechtlich zulässig ist.

Ungeachtet dessen erwarten Experten bei der anstehenden EZB-Sitzung eine Aufstockung der monatlichen Wertpapierkäufe, die derzeit noch ein Volumen von rund 60 Milliarden Euro haben. Die EZB will damit die Bond-Renditen drücken, so dass die Titel für Geschäftsbanken als Investment an Attraktivität verlieren. Geldhäuser sollen stattdessen mehr Darlehen an Firmen und Haushalte ausreichen.

Erinnerungen an den Dax-Rutsch

Aus der Sicht der Märkte stellt die EZB mit den drei Themen Leitzins, Strafzinsen und Wertpapierkäufe die Weichen über Wohl und Wehe an den Börsen: Die Chancen auf steigende Aktienkurse nach der Sitzung sind laut Marktteilnehmern gut. "Der Markt ist wegen der Erfahrung vom Dezember sehr vorsichtig positioniert", sagte ein Händler. EZB-Präsident Draghi sollte aus dem Dezember gelernt haben und den Markt nun eher positiv überraschen. Nach der aus Sicht der Märkte enttäuschenden EZB-Sitzung Anfang Dezember war der Dax in acht Handelstagen um gut 1000 Punkte eingebrochen.

Positiv überraschen könnte die EZB mit einer deutlichen Senkung des Einlagensatzes um 20 auf minus 50 Basispunkte und mit einer Staffelung dieses Satzes, sagt Commerzbank-Devisenanalyst Ulrich Leuchtmann. Als positiv, besonders auch für die Banken, könnte laut Marktteilnehmern ein Absenken des Hauptrefinanzierungssatzes in den negativen Bereich sein. Als eingepreist gilt eine Senkung um 10 Basispunkte und eine Ausweitung der monatlichen Wertpapierkäufe um 15 Milliarden Euro.

Allerdings gibt es auch skeptische Stimmen: Die EZB könnte, auch wenn sie erst einmal positiv überrasche, ein Strohfeuer auslösen, warnen Händler. Ein schwacher Euro könnte den Abwertungsdruck auf die chinesische Währung erhöhen, mit negativen Auswirkungen auf alle anderen Märkte. "Die Volatilität dürfte weiter hoch bleiben", sagte ein Händler. Am Morgen gibt der Euro leicht nach auf 1,0980 Dollar.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen