Wirtschaft
Das gibt es doch gar nicht: Ungläubige Blicke eines Investors wegen der Blitzrally bei Everbright
Das gibt es doch gar nicht: Ungläubige Blicke eines Investors wegen der Blitzrally bei Everbright(Foto: REUTERS)

Everbright tanzt aus der Reihe: Börsenaufsicht untersucht Blitzrally

Chinas Börsen gehören zu den Top-Verlierern im ersten Halbjahr. Eine Besserung ist Analysten zufolge nicht in Sicht - auch wegen der jüngsten Kursturbulenzen um den Broker Everbright. Dessen Kurs kletterte jüngst deutlich. Zu deutlich, wie die Börsenaufsicht CRSC findet. War ein "fat finger" am Werk?

Die Kursturbulenzen an der Börse in Shanghai zum Ende der vergangenen Handelswoche haben ein Nachspiel. Die chinesische Börsenaufsicht wird aktiv und leitet ein Verfahren gegen den Wertpapierhändler Everbright Securities ein. Der Eigenhandel wurde den Angaben zufolge vorläufig untersagt. Die Aktien von Everbright sind zum Wochenstart vom Handel ausgesetzt worden, dürften aber dem Broker zufolge am Dienstag wieder gehandelt werden.

Auslöser der Maßnahmen war eine Art Blitzrally am Freitag. Die Titel von Everbright waren in wenigen Minuten um 6 Prozent gestiegen. Spekulationen, dass ein so genannter "fat finger", also eine Fehleingabe eines Händlers, den Kursanstieg verursacht haben könnte, zerschlugen sich zum Wochenstart. Laut Börsenaufsicht CRSC hatte ein Computerfehler die zahlreichen Kaufaufträge ausgelöst. Menschliches Versagen lege nicht vor, hieß es. Insgesamt habe der Broker Aufträge im Volumen von rund 890 Millionen Dollar platziert.

Tochter mit Shorties unterwegs

Everbright Securities begründete die versehentlich ausgelösten Kaufaufträge in einer Mitteilung an die Shanghaier Börse mit Problemen im Arbitrage-System innerhalb des Eigenhandels. Für einen Kommentar war weder der Wertpapierhändler noch die Börsenaufsicht zu erreichen.

Nach Informationen der chinesischen Terminbörse hat die Tochter Everbright Futures am Freitag zudem eine große Anzahl von Short-Positionen am Markt platziert und damit auf fallende Kurse gesetzt. Insgesamt habe der Broker seine Verkaufspositionen für im September auslaufende Terminkontrakte auf den Leitindex um 7023 Einheiten erhöht. Nach Berechnungen des "Wall Street Journal" haben sie einen Wert von rund 590,3 Millionen Euro. Damit war das Unternehmen am Freitag der größte Halter von Short-Positionen.

Everbright Securities teilte mit, dass sie ihre Shortpositionen im September-Kontrakt auf den Leitindex am Freitag um 7.130 Einheiten erhöht habe. Damit wollte sich das Unternehmen nach eigenen Angaben gegen mögliche Verluste aus den versehentlichen Wertpapierkäufen absichern. Ab Montag sollten diese Short-Positionen wieder geschlossen werden.

Die durch Everbright ausgelösten Turbulenzen könnten Analysten zufolge Anleger davon abhalten, in China zu investieren. Die chinesischen Börsen, die im ersten Halbjahr weltweit am schlechtesten abgeschnitten hatten, hatten gerade begonnen, sich zu beruhigen. "Nach diesem Vorfall dürfte die chinesische Börsenaufsicht die Marktteilnehmer verstärkt auf Unregelmäßigkeiten untersuchen", erwartet Analyst Huang Cengdong von Sinolink Securities. Innovationen bei Brokern dürften damit zunächst nicht zu erwarten sein. Der Shanghai Composite und auch der Hongkonger HSI gaben am Montag deutlich nach.

Quelle: n-tv.de

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