Verbleib im Deutsche-Bank-TurmBörsig behält Privilegien

Bei der Deutschen Bank geht die Ära Josef Ackermann zu Ende. Neben dem Schweizer gibt auch Aufsichtsratschef Börsig sein Amt ab. Allerdings geht der 63-Jährige nicht ganz. Börsig behält sein Büro und auch ein Chauffeur steht ihm weiter zur Verfügung.
Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Clemens Börsig wird
einem Bericht zufolge auch nach seinem Ausscheiden aus dem Kontrollgremium
weiter weitreichende Privilegien genießen. Der 63-Jährige werde zumindest
vorübergehend sein Büro in dem Hochhausturm der Frankfurter Zentrale behalten,
in dem auch die Vorstandsmitglieder säßen, berichtete die "Welt"
unter Berufung auf Bankenkreise. Begründet werde diese Sonderbehandlung damit,
dass Börsig seinem Nachfolger Paul Achleitner als künftigem Aufsichtsratschef
die Einarbeitung erleichtern solle.
Börsig stünden nach seinem Ausscheiden aus dem
Kontrollgremium der Deutschen Bank offenbar auch eine Sekretärin und ein Fahrer
vertraglich zu, berichtete die Zeitung. Dies habe sich Börsig schon bei seinem
Wechsel vom Vorstand auf den Chefposten des Aufsichtsrates zusichern lassen.
Börsig war von 2001 bis 2006 Finanzvorstand der Deutschen Bank.
Zudem gelte es inzwischen als sehr wahrscheinlich,
dass Börsig künftig die Deutsche-Bank-Stiftung leiten werde, berichtete die
"Welt". Die Stiftung ist in den Bereichen Bildung, Musik und Soziales
aktiv. Auch diese Regelung habe sich Börsig vorab zusichern lassen, als sein
Weggang aus dem Aufsichtsrat im Sommer vergangenen Jahres beschlossen worden
sei.
Der Personalie muss noch der neue Vorstand
zustimmen. Mit der Hauptversammlung am Donnerstag will der bisherige
Deutsche-Bank-Chef nach rund zehn Jahren den Chefposten räumen
und für eine Doppelspitze frei machen, die aus dem bisherigen Deutschland-Chef
Jürgen Fitschen und Chef-Investmentbanker Anshu Jain besteht.
Allianz-Finanzvorstand Achleitner soll zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden
gewählt werden.
Gegenwind von Aktionärsvertretern
Die Privilegien für Börsig könnten bei der
Hauptversammlung für zusätzlichen Zündstoff sorgen. Mehrere Aktionärsvertreter
hatten bereits im Vorfeld angekündigt, dem Aufsichtsrat die Entlastung
verweigern zu wollen. Sie werfen Börsig Mängel bei der Suche nach einem
geeigneten Nachfolger für Ackermann vor. Wie die "Welt" unter
Berufung auf Bankenkreise berichtet, wird zudem moniert, Börsig habe nach
seinem Amtsantritt 2006 Privilegien für Alt-Manager der Bank gekappt, beharre
nun aber auf eigene, vertraglich zugesicherte Ansprüche.
Deutschlands größtes
Bankhaus erklärte gegenüber der Zeitung, Börsig bleibe nach "seinem
Ausscheiden aus dem Aufsichtsrat der Deutschen Bank verbunden und nimmt
weiterhin in ihrem Interesse Mandate bei Unternehmen, kulturellen sowie
gemeinnützigen Organisation wahr". Hierfür erhalte dieser die nach den
Regeln der Bank nötige Unterstützung. Börsig ist unter anderem
Aufsichtsratsmitglied bei Daimler und Linde.