Wirtschaft
"Bolivien braucht Partner, aber keine Besitzer", sagt Staatschef Morales.
"Bolivien braucht Partner, aber keine Besitzer", sagt Staatschef Morales.(Foto: picture alliance / dpa)

Verstaatlichungs-Trend in Südamerika: Bolivien eignet sich Versorger an

"Bolivien braucht Partner, aber keine Besitzer." Mit diesen Worten ordnet Präsident Morales die Verstaatlichung eines Stromversorgers an. Die Tochter eines spanischen Konzerns habe nicht genug investiert.. Damit ist Spanien erneut von einem solchen Schritt betroffen. Erst im April hat Argentinien die Verstaatlichung der Tochter YPF des spanischen Konzerns Repsol angekündigt.

Bolivien verstaatlicht ein Tochter des spanischen Stromkonzerns Red Electrica. Präsident Evo Morales ordnete die Enteignung des Stromversorgers Transportadora de Electricidad (TDE) an. Das Unternehmen habe nicht in Bolivien investiert, sagte er zur Begründung. Morales hatte in den vergangenen Jahren wiederholt zum 1. Mai die Verstaatlichung von Unternehmen angeordnet.

Erst jüngst hatte Argentinien die Enteignung einer Tochter des spanischen Ölkonzerns Repsol angekündigt und damit den Zorn der ehemaligen Kolonialmacht auf sich gezogen. Spanien versucht derzeit, Argentinien mit Sanktionsdrohungen von dem Vorhaben abzubringen.

Diplomaten sind am Werk

Morales wies die Armee an, die TDE-Zentrale in Cochabamba einzunehmen. "Bolivien braucht Partner, aber keine Besitzer", sagte der Staatschef in einer Fernsehansprache. TDE verwaltet ein Kabelnetz von rund 1900 Kilometern Länge in dem südamerikanischen Land. Die spanische Red Electrica hält indirekt 99,9 Prozent an dem Unternehmen, das 2011 einen Gewinn von 12,5 Mio. Euro ausgewiesen hatte. Damit steuerte TDE knapp drei Prozent zum Gewinn von Red Electrica bei.

In spanischen Regierungskreisen hieß es, die Behörden stünden in Kontakt mit Bolivien, um die technischen und diplomatischen Aspekte der Verstaatlichung zu diskutieren.

Argentiniens Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner hatte Mitte April die Verstaatlichung der Tochter YPF des spanischen Konzerns Repsol angekündigt und diese mit der Bedeutung der Energieversorgung begründet. Mit dem Schritt erfreute sie viele Landsleute, brachte aber zahlreiche ausländische Regierungen und Investoren gegen sich auf. Branchenexperten zufolge handelt es sich um die größte Verstaatlichung im Energiesektor, seit Russland vor rund zehn Jahren den Ölkonzern Yukos des damaligen Magnaten Michail Chodorkowski unter die Kontrolle des Kreml brachte. Repsol beziffert den Wert der Tochter YPF auf 18 Mrd. Dollar und kündigte eine entsprechende Entschädigungsforderung an.

Der Analyst Alberto Ramos, der für Goldman Sachs Lateinamerika im Blick hat, erwartet aber keine breite Verstaatlichungswelle. Der Schritt Boliviens und die Enteignung in Argentinien seien zwar Entwicklungen, die die ausländischen und heimischen Investoren beunruhigten, erklärte er. "Aber glücklicherweise ist diese Art von Ereignissen beschränkt auf eine kleine Zahl von Ländern in der Region, die irrgläubige wirtschaftliche Experimente fortsetzen und die immer weniger in die Weltwirtschaft integriert sind."

Quelle: n-tv.de

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