Wirtschaft
Läuft gut in Bolivien: Evo Morales freut sich über hohes Wirtschaftswachstum.
Läuft gut in Bolivien: Evo Morales freut sich über hohes Wirtschaftswachstum.(Foto: dpa)

Beste Zahlen Lateinamerikas: Bolivien überrascht mit hohem Wachstum

Von Volker Petersen

Eigentlich ist das riesige Brasilien die größte Volkswirtschaft in Lateinamerika. Doch nun stiehlt ein Underdog dem Giganten die Show. Ausgerechnet das vom linken Präsidenten Morales regierte Bolivien legt die besten Wachstumszahlen des Kontinents vor.

Bolivien ist in gewisser Weise ein tragisches Land. Eingeklemmt zwischen brasilianischem Amazonasdschungel und chilenischer Wüste liegt es zwar mitten in Lateinamerika, leidet aber auch an der Isolation - anders als die meisten anderen Staaten auf dem Kontinent hat das Andenreich weder einen Zugang zum Pazifik noch zum Atlantik, kämpft zudem mit Analphabetismus, Drogenhandel und grassierender Armut. Doch nun stellt der Zwergenstaat ausnahmsweise einmal die übermächtigen Nachbarn Brasillien und Argentinien in den Schatten. Ausgerechnet das kleine, sozialistisch regierte Land weist das größte Wirtschaftswachstum Lateinamerikas auf.

Um 5,5 Prozent ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes im vergangenen Jahr gewachsen, wie Wirtschaftsminister Luis Arcre jetzt bekannt gegeben hat. "Bolivien ist das Land, das 2014 am stärksten in der Region gewachsen ist", sagte er. Allerdings ist die Wirtschaft des Landes auch nicht besonders groß - das BIP betrug lediglich 34 Milliarden US-Dollar. Brasilien, mit einem Bruttoinlandsprodukt von 2,2 Billionen Dollar die größte Volkswirtschaft der Region, konnte laut einer Erhebung des Internationalen Währungsfonds im vergangenen Jahr um 0,3 Prozent zulegen. Argentiniens Wirtschaftskraft sank um 1,7 Prozent (536 Milliarden Dollar).

Schon 2013 wuchs die bolivianische Wirtschaft um den gleichen Prozentsatz. Dieser Zuwachs ist der Wirtschaftspolitik des Präsidenten Evo Morales zu verdanken. Der linksgerichtete Staatschef forciert das Wirtschaftswachstum, indem er mit der öffentlichen Hand kräftig die Nachfrage ankurbelt. Wie in den meisten lateinamerikanischen Ländern hängen die Einnahmen des Landes jedoch vor allem an den Rohstoffexporten - insbesondere an der Ausfuhr von Erdgas.

Dritte Amtszeit angetreten

Dieses Gas ist für Morales weit mehr als ein Exportgut, es hat auch symbolische Bedeutung. Seit der Eroberung Südamerikas durch die Spanier waren es vor allem Europäer und später Nordamerikaner, die die Profite einheimsten - so zum Beispiel beim legendären Silberberg in Potosí. Gleichzeitig blieb Bolivien arm und kam nicht auf die Beine. Daher verstaatlichte der Präsident, der selbst indigene Wurzeln hat, die Bodenschätze zu Beginn seiner ersten Amtszeit. Auswärtige Konzerne besorgen zwar weiter die Förderung, müssen sich jedoch der staatlichen Energiefirma Yacimientos Petrolíferos unterordnen - und viel höhere Steuern zahlen als zuvor. So stiegen die Staatseinnahmen sprunghaft an. Das Problem: Abgesehen von Bodenschätzen hat die Wirtschaft nicht viel zu bieten - das Land ist also stark den Auf-und-Abs des Weltmarkts ausgeliefert.

Vergangene Woche legte Morales den Eid für seine dritte Amtszeit ab. In der Ruinenstadt Tiahuanaco reinigten indigene Priester den Staatschef symbolisch, dann legte Morales eine mit Gold verzierte Tunika aus Vicuña-Wolle an. "Heute bekräftigen wir unsere Identität und unsere demokratische und kulturelle Revolution", sagte er. Der Präsident des kleinen Landes wird sein wirtschaftspolitisches Experiment noch eine Weile fortführen können - seine Amtszeit endet 2020.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen