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Noch gibt es den Euro auf Zypern. Laut Moody's könnte sich das aber auch bald ändern.
Noch gibt es den Euro auf Zypern. Laut Moody's könnte sich das aber auch bald ändern.(Foto: picture alliance / dpa)

Moody's senkt Währungsrating, Pimco warnt: Dem Euro droht das Zypern-Aus

Laut Zyperns Außenminister stand der Inselstaat vergangene Woche kurz vor dem Austritt aus der Eurozone. Bei Moody's hört man das nicht gern. Die Ratingagentur schätzt das Risiko eines Zyperns-Exits aus der Währungsunion als "hoch" ein - und reagiert. In Athen explodiert derweil ein Sprengsatz.

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Massenansturm auf Zyperns Banken? Das Problem könnte ein anderes werden: Wegen der Gefahr eines Austritts von Zypern aus der Eurozone hat die Ratingagentur Moody's das sogenannte Währungsrating des Landes drastisch gesenkt. Das sogenannte "Country Ceiling" werde von der Bestnote "AAA" auf "Caa2" reduziert, teilte Moody's mit. Im Normalfall haben alle Länder der Eurozone als Währungsrating ein "AAA". "Caa2" ist hingegen eine der schlechtesten Noten bei Moody's. Das klassische Länderrating, das sich auf die Bonität des Landes bezieht, ist von dem Schritt nicht betroffen und liegt weiter bei "Caa3" mit einem negativem Ausblick. Die Ratingagentur Fitch hatte jüngst mitgeteilt, vor allem auf den Bankensektor des Landes ein wachsames Auge zu werfen.

Das Risiko eines Austritts von Zypern aus der Währungsunion sei hoch, begründete Moody's in einer Stellungnahme den Schritt. Die Folgen der Umstrukturierungen der beiden großen Banken und die beschlossenen Kapitalverkehrskontrollen könnten die Gefahr eines Austritts erhöhen. In diesem Fall würden weitere Herabstufungen durch Moody's drohen. Bei einem Austritt von Zypern aus der Eurozone und der Einführung einer neuen Währung würden alle zyprischen Wertpapiere an Wert verlieren. Dies dürfte zudem zu weiteren Verwerfungen im Bankensektor und in der Realwirtschaft führen.

Zyperns Außenminister Ioannis Kasoulidis hatte der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" offenbart, dass das Land in der vergangenen Woche kurz vor der Entscheidung gestanden habe, aus der Eurozone auszuscheiden. "Das war eine Möglichkeit, die wir zeitweilig ernsthaft in Betracht ziehen mussten." Es war das erste Mal, dass ein Minister eines Mitglieds der Eurozone zugab, sein Staat habe selbst einen Rückzug aus der gemeinsamen Währung erwogen.

Massenansturm auf die Banken?

Nach dem am Sonntag verabredeten Rettungspakt soll das zweitgrößte Geldhaus, die Laiki-Bank, abgewickelt werden. Ein Teil ihres Geschäfts wird von der Bank of Cyprus übernommen. Zudem werden auch Sparer mit Einlagen von über 100.000 Euro belastet. Das kleine Euroland erhält im Gegenzug milliardenschwere Finanzhilfen seiner Europartner, die dem Staatshaushalt zugute kommen sollen. Zypern hat zudem am Abend massive Kapitalverkehrskontrollen beschlossen. Die Banken sollen am Mittag wieder geöffnet werden.

Der Chef des weltgrößten Anleihenhändlers Pimco, Mohamed al-Erian, befürchtet dabei einen Massenansturm auf die Banken in Zypern - und auch in anderen Euro-Staaten. Das Risiko müsse genau beobachtet werden, sagte Al-Erian der "Bild". "Sobald ein Sturm auf die Banken erst einmal begonnen hat, macht es für alle Sinn, mitzumachen. Deshalb lässt er sich so schwer stoppen." Die Allianz -Tochter werde erst dann wieder zyprische Staatsanleihen kaufen, wenn die Voraussetzungen für nachhaltiges Wachstum, mehr Beschäftigung und Finanzmarktstabilität geschaffen seien.

Anschlag auf Ex-Aufsichtsrat von Bank of Cyprus

Die Polizei bekam einen Tipp: Bei dem Bombenanschlag auf das Haus des Reeders Tsakos wurde niemand verletzt.
Die Polizei bekam einen Tipp: Bei dem Bombenanschlag auf das Haus des Reeders Tsakos wurde niemand verletzt.(Foto: picture alliance / dpa)

Dass die Wut der Bürger in den südlichen Krisenländern der Eurozone weiter köchelt, beweist ein Anschlag: Vor dem Haus eines griechischen Reeders, der bis vor kurzem im Aufsichtsrat der Bank of Cyprus saß, ist in der Hauptstadt Athen ein Sprengsatz explodiert. Die Polizei sei 20 Minuten vor der Detonation von einem anonymen Anrufer gewarnt worden und habe die Gegend nur wenige hundert Meter von der Akropolis weiträumig abgesperrt, hieß es aus Polizeikreisen. Niemand sei verletzt worden. Den Angaben zufolge wurde der Sprengsatz vor dem Haus des Reeders Nikos Tsakos in einem schwarzen Rucksack deponiert.

Die Tsakos-Gruppe ist eine der größten Reedereien Griechenlands. Ihr 50 Jahre alter Chef war bis vor Kurzem Mitglied im Aufsichtsrat der größten Bank Zyperns, die von der Finanzkrise in dem Land besonders betroffen ist. Am Sonntag war vor einer Filiale der Bank of Cyprus in Limassol ein Sprengsatz explodiert.

Quelle: n-tv.de

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