Wirtschaft
Groß und schwer - so hat es der US-Autofahrer am liebsten.
Groß und schwer - so hat es der US-Autofahrer am liebsten.(Foto: picture alliance / dpa)

SUV-Hersteller jubeln: Boom am US-Pkw-Markt hält an

Robuste Wirtschaft, billiges Benzin, hohe Rabatte: In den USA können die Autohäuser weiter nicht über zu wenig Kundschaft klagen. Allerdings können nicht alle vom Boom profitieren. Die deutschen Premiumhersteller fahren derweil Rekorde ein.

Kein SUV - kein Erfolg: Die Autokäufer in den USA sind weiter ganz versessen auf große Geländelimousinen und strafen die Hersteller von Kompaktmodellen mit Missachtung. Das bekam im August erneut Volkswagen zu spüren. Europas größter Autobauer verkaufte mit knapp 35.200 Fahrzeugen fast 13 Prozent weniger Neuwagen, wie das Unternehmen mitteilte. Damit fahren die Wolfsburger mit ihrer Kernmarke nun schon seit fast eineinhalb Jahren auf Schrumpfkurs in den Staaten. Lediglich der Golf und die Golf-GTI-Modelle waren stark gefragt.

Erst 2016 dürfte der nächste große Wachstumsschub kommen, wenn die Wolfsburger ein neues SUV-Modell speziell für den US-Markt auf die Straße bringen. Wer in diesem Segment schon heute gut aufgestellt ist, für den war der August ein Erfolg: Diese Autobauer "tanzen auf den Tischen", sagte der Chef des Onlineportals TrueCar, John Krafcik. Die Hersteller von Kompakt- und Mittelklassewagen machten dagegen eine "harte Zeit" durch.

Für die Autohersteller ist das Geschäftsklima derzeit so günstig wie seit Jahren nicht mehr. Mit der US-Wirtschaft geht es weiterhin bergauf, die Zinsen verharren auf sehr niedrigem Niveau und die Benzinpreise sind bemerkenswert stabil. Zudem locken Rabatte.

GM vor Toyota

General Motors musste einen Rückgang um ein Prozent auf gut 272.400 Fahrzeuge hinnehmen. Der Opel-Mutter machen massenhafte Rückrufe vor allem wegen defekter Zündschlösser zu schaffen.

Volkswagens größter Rivale Toyota kam dank exzellenter SUV-Geschäfte auf gut sechs Prozent mehr verkaufte Autos. Die Japaner übergaben 246.100 Fahrzeuge an die Kunden. Ford legte zwar nur um 0,4 Prozent zu, konnte die schwachen Prognosen der Branchenanalysten damit aber immerhin noch übertreffen. Für die Marke konnten sich gut 222.000 Käufer erwärmen.

Sattes Plus für Chrysler

Ein Verkaufsplus von sogar einem Fünftel auf 198.000 Autos konnte indes Chrysler inklusive der Marke Jeep verbuchen. Der Hersteller war erst kürzlich endgültig unter das Dach des Fiat-Konzerns geschlüpft. Vor allem die Marke Jeep und die Pickup-Trucks von Ram fanden reißenden Absatz. Dem japanischen Wettbewerber Nissan gelang im August ein Verkaufsplus von zwölf Prozent.

Volkswagens Premium-Tochter Audi konnte dagegen um mehr als ein Fünftel zulegen - vor allem, weil der seit dem Frühjahr in den USA erhältliche A3 sich bestens verkauft. Allein im August waren es mehr als 2400 Exemplare. "Audi-Händler im ganzen Land verkaufen neue Modelle schon sofort, wenn sie in die Verkaufsräume hineinkommen", sagte Audi-Manager Mark Del Rosso. Getrieben wurde der Absatz vor allem von großen Modellen wie dem Geländewagen Q7.

BMW und Daimler wachsen zweistellig

Premium-Konkurrent BMW stand im August ebenfalls gut da und verkaufte elf Prozent mehr Autos - insgesamt 27.214 Fahrzeuge - der Marke BMW als vor einem Jahr. Weniger gefragt war hingegen der Kleinwagen Mini - hiervon verkauften die Münchener fast 17 Prozent weniger.

Rivale Daimler aus Stuttgart zog mit BMW gleich und verkaufte insgesamt 11,6 Prozent mehr Fahrzeuge. Neben den klassischen Limousinen waren auch der Transporter Sprinter und der Kleinwagen smart begehrt: Hiervon wurden rund 35 Prozent und etwa 34 Prozent mehr an die Kunden übergeben. Für die drei deutschen Premium-Hersteller war es damit der beste August.

Auch Porsche konnte sich im August erneut auf seine SUV-Modelle verlassen: Neben dem Verkaufsschlager Cayenne war vor allem dessen kleiner Bruder Macan gefragt. Die kompakte Geländelimousine ist inzwischen der Garant für das Absatzwachstum der Volkswagen-Tochter: Ohne das neue Modell wären Porsches Verkaufszahlen in den ersten acht Monaten leicht zurückgegangen, mit dem Macan stiegen sie um fast zwölf Prozent.

Ende der Erholung in Sicht?

Für die Verkaufszahlen in diesem August lag zunächst keine branchenübergreifende Gesamtübersicht vor. In den USA berichten die Hersteller ihre Verkaufszahlen anders als in Deutschland getrennt von einander.

Analysten gehen davon aus, dass der Automarkt in den USA sich auch für den Rest des Jahres in guter Verfassung zeigen wird. Auch die gigantischen Rückrufaktionen der vergangenen Monate scheinen die Käufer nicht abzuschrecken.

Allerdings befürchten einige Marktbeobachter bereits, dass der Nachholbedarf der US-Käufer, die sich in der Vergangenheit lange Zeit mit Neuanschaffungen zurückgehalten hatten, bald den Höhepunkt überschritten haben und die Rally am US-Automarkt sich damit dem Ende zuneigen könnte.

Quelle: n-tv.de

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