Wirtschaft

Boeing zahlt für NSA-Affäre: Brasilien kauft Kampfjets von Saab

Schweden zieht einen Milliardenauftrag der brasilianischen Luftwaffe an Land. Das Nachsehen hat Boeing. Das US-Unternehmen galt lange als sicherer Lieferant für die 36 Kampfjets. Insidern zufolge sprach die NSA-Affäre der Amerikaner gegen den Auftrag.

Ein Kampfjet vom Typ Gripen NG vom schwedischen Rüstungskonzern Saab.
Ein Kampfjet vom Typ Gripen NG vom schwedischen Rüstungskonzern Saab.(Foto: Saab AB / Stefan Kalm)

Die Spionagetätigkeit des US-Geheimdienstes NSA hat Boeing offenbar einen Milliarden-Auftrag der brasilianischen Luftwaffe verhagelt. Verteidigungsminister Celso Amorim kündigte an, sein Land werde bis 2020 insgesamt 36 Kampfflugzeuge vom schwedischen Konzern Saab AB für 4,5 Milliarden Dollar kaufen, und nicht von Boeing wie erwartet wurde.

Lange Zeit galt das US-Unternehmen als aussichtsreichster Bieter. Amorim sagte, entscheidend für die Auftragsvergabe seien unter anderem Anschaffungs- und Wartungskosten gewesen. Doch ein brasilianischer Regierungsinsider sagte: "Das NSA-Problem hat es den Amerikanern verdorben." Brasilien sei zu dem Schluss gekommen, dass man einem US-Konzern nicht trauen könne. Den Enthüllungen des ehemaligen NSA-Mitarbeiters Edward Snowden zufolge zapfte der Geheimdienst die Telefongespräche und E-Mails von Präsidentin Dilma Rousseff an.

Boeing nannte die Entscheidung enttäuschend. Man wolle jedoch weiter mit Brasilien im Verteidigungssektor zusammenarbeiten. Der US-Konzern hatte die F/A-18 Super Hornet gegen Saabs Gripen-NG-Maschinen ins Rennen geschickt.

Aus dem Umfeld der amerikanischen Verhandlungspartner verlautete, die Spionageergebnisse könnten wohl kaum das geplatzte Geschäft aufwiegen. "War das vier Milliarden Dollar wert?", fragte ein Insider.

Schweden sticht USA und Frankreich aus

Saab erklärte, seine neuen Maschinen vom Typ Gripen NG hätten geringere Betriebs- und Wartungskosten als alle anderen Kampfflugzeuge, die derzeit im Einsatz seien. Die Einzelheiten des Vertrages zwischen der brasilianischen Regierung und Saab sollen binnen eines Jahres vereinbart werden. Das erste Flugzeug soll dann zwei Jahre später ausgeliefert werden.

Um den Auftrag hatte sich auch der französische Konzern Dassault Aviation beworben. Auch Dassault zeigte sich enttäuscht von der Entscheidung der brasilianischen Regierung. Noch vergangene Woche hatte sich der französische Präsident Francois Hollande bei einem Besuch in Brasilien für die Rafale-Kampfflugzeuge starkgemacht.

Der schwedische Flugzeugbau- und Rüstungskonzern Saab AB ist nicht zu verwechseln mit dem Autobauer Saab. Das 1937 als Svenska Aeroplan Aktiebolaget (woraus später "Saab" abgeleitet wurde) gegründete Unternehmen unterhielt seit 1947 eine Pkw-Sparte, welche 1990 als Saab Automobile AB firmierte und 2000 vollständig aus dem Konzern ausgegliedert wurde.

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Quelle: n-tv.de

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