Wirtschaft
Ola Källenius ist Vorstandsmitglied der Daimler AG und in dieser Funktion verantwortlich für Mercedes-Benz Cars Vertrieb.
Ola Källenius ist Vorstandsmitglied der Daimler AG und in dieser Funktion verantwortlich für Mercedes-Benz Cars Vertrieb.(Foto: picture alliance / dpa)

Daimler blickt auf die Märkte: "Brexit gefällt uns nicht"

In China verlangsamt sich das Wachstum, Russland steckt in der Rezession, und in den USA schreckt die Notenbank vor einer weiteren Zinserhöhung zurück. Was bedeutet das für Daimler? Vorstand Ola Källenius bleibt optimistisch.

n-tv.de: Für Daimler war 2015 ein Rekordjahr. In das laufende Jahr geht der Konzern zwar zuversichtlich – aber zugleich auch vorsichtig. Wie sich die Wirtschaft in wichtigen Absatzländern entwickelt, ist ungewiss. So ist die US-Konjunktur solide. Einige Ökonomen fürchten aber, dass diese nach der eingeleiteten Zinswende schwächeln wird. Sie auch?

Ola Källenius: In den USA hatten wir in den letzten Jahren ein sensationelles Wachstum. Das ist tatsächlich ein Allzeithoch. Hier müssen wir natürlich damit rechnen, dass sich die Sache etwas abschwächt - allerdings auf einem sehr hohen Level. Das heißt: Der amerikanische Markt ist und bleibt für uns ein Schlüsselmarkt, der sehr stark ist. Insofern würde ich sagen, die Daten sprechen für uns. Auch mit Blick auf aktuelle Zahlen vom Arbeitsmarkt, die positiv überrascht haben, sehen wir keine wesentliche Verlangsamung. Dennoch sind wir uns bewusst, dass das Wachstum nicht mehr linear nach oben geht, sondern mit einer gewissen Abflachung gerechnet werden muss. Das ist aber ein Szenario, das auf so hohem Niveau stattfindet, dass wir uns ganz wohl damit fühlen.

Und Europa?

Hier verzeichnen wir ein extrem dynamisches Wachstum. Wir hatten die letzten zwei Jahre in Westeuropa zweistellige Wachstumsraten und verzeichnen auch in den ersten beiden Monaten 2016 sehr starke Zuwächse. Was ist da passiert? Einerseits ist es die breitere und sehr attraktive Produktpalette von Mercedes, mit der wir sehr stark punkten. Anderseits haben wir in Westeuropa – und hier müssen wir die Zäsur 2008/2009 setzen - einen ziemlich Sprung nach unten gemacht. Nun bewegen wir uns zurück auf ein Niveau, das wir vor der Krise hatten. Zuerst hatten wir uns daran gewöhnt, unten zu sein. Jetzt bekommen wir aber wieder Rückenwind. Der Markt wächst, und Mercedes wächst in Westeuropa ebenfalls überproportional.

Blicken wir etwas weiter nach Osten. Russland steckt in der Rezession und wird vom Westen mit Sanktionen belegt.

Russland ist wirtschaftlich tatsächlich sehr schwierig. Mercedes war sehr lange und trotz der Wirtschaftskrise, sehr gut unterwegs. In der ersten Zeit sind wir sogar gewachsen. Aber wir sind natürlich nicht immun gegen die Wirtschaftskrise. Das wiederum schlägt sich in einem rückläufigen Absatz nieder. Dennoch bauen wir unsere Marktanteile aus. Das heißt, wir sind mit Abstand Premiumhersteller Nummer 1 in Russland, und wenn man über die Segmente hinwegschaut, sind wir hier sogar nach Toyota zweitstärkster Hersteller, was bemerkenswert ist. Insofern ist Russland wirtschaftlich schwierig, aber dennoch ein wichtiger Markt.

Bleibt China. Das Wirtschaftswachstum hat dort stark nachgelassen.

In China zeigt Mercedes dennoch ein dynamisches Wachstum. 2015 haben wir um 30 Prozent zugelegt, und auch in den ersten beiden Monaten dieses Jahres verzeichnen wir ein dynamisches Wachstum. Das hat viele Gründe. Der Markt wächst allen Unkenrufen zum Trotz. Es gibt also keinen Gegenwind, sondern eher einen Rückenwind aus dem Markt. Auch hier spielt das Produktportfolio eine entscheidende Rolle. Einfachstes Beispiel: Die frühere C-Klasse in China hatte keine Langversion. Jetzt haben wir sie seit anderthalb Jahren und verkaufen doppelt so viele Fahrzeuge. Die andere Seite ist der Ausbau unseres Vertriebsnetzes. Wir haben es auch zur regionalen Abdeckung vergrößert, was das Wachstum ebenfalls beflügelt. Aber auch in diesem Markt muss man mit einer gewissen Volatilität rechnen. Deswegen haben wir auch unsere Produktionsstätten in China ausgebaut. So ist es für uns einfacher, auf Schwankungen zu reagieren. Mittel und langfristig ist in unserer Prognose der chinesische Markt, der mit der höchsten Wachstumsrate. Es gibt aber viele Märkte, über die man nicht jeden Tag redet, auf denen wir aber auch sehr gut unterwegs sind. Südkorea: Extrem stark gewachsen. Australien: Eine gute Entwicklung. Wir sind auch sehr gut in Japan unterwegs, obwohl der Markt eigentlich gesättigt ist.

Öl – und damit Benzin – ist billig. Und das wird sich so schnell wohl nicht ändern. Ist das nicht ein schwerer Schlag für die Elektromobilität?

Ich würde sagen jein. Ja, in den USA ist der PKW-Absatz etwas rückläufig, und es gibt einen starken Boom für Light-Trucks. Das ändert aber nichts an dem langfristigen Trend hin zu Null Emission. Insofern ändert das auch nichts an unseren Plänen, dass wir Plug-in-Hybride weiter stark ausbauen wollen. Zehn Modelle sollen bis Ende nächsten Jahres kommen. Bis Ende dieses Jahres haben wir drei Elektroautos auf dem Markt. Wir hatten bereits gesagt, dass wir an einem größeren Elektroauto arbeiten. Wir haben die Katze aber noch nicht aus dem Sack gelassen und gesagt, was es ist, aber in den nächsten paar Jahren kommt da was. Ende kommenden Jahres werden wir auch die nächste Generation der Brennstoffzelle präsentieren. Das heißt, dieser Trend, der den Regularien bestimmter Märkte folgt, der ist ungebrochen. Aber nochmal: Ja, für den amerikanischen Markt ist das Thema Light-Truck begünstigt durch den Ölpreis.

Und wie sieht es beim Typ SUV aus?

Das Thema SUV ist ein Trend im Premiumsegment, den wir seit etwa 20 Jahren erleben. Die Leute lieben diese Fahrzeugform. Du hast eine hohe Sitzposition, zugleich wird so ein Fahrzeug aber sehr sportlich erlebt. Auch die Emissions- und Verbrauchswerte der SUV haben sich stark den PKW-Werten angenähert. Da ist gar kein großer Unterschied mehr. Das ist eher der Trend zum SUV. Der ist nach wie vor ungebrochen. Und da spielt es keine Rolle, ob Sie in den USA, Europa oder China sind.

Ein großes Thema in Politik und Wirtschaft ist der mögliche Brexit. Beschäftigt den Daimler-Vorstand dieses Thema?

Natürlich ist das ein Szenario, das wir diskutieren, und der Gedanke gefällt uns nicht. England ist für Mercedes der zweitgrößte Markt in Europa. Aber ein Austritt Großbritanniens aus der EU wäre für die gesamte Wirtschaft Europas ein schwerer Schlag. Da schließe ich die britischen Unternehmen mit ein.

Mit Ola Källenius sprach Holger Preiss

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Quelle: n-tv.de

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