Wirtschaft
London im Nebel: In vier Monaten gibt es Klarheit darüber, was die Briten wollen.
London im Nebel: In vier Monaten gibt es Klarheit darüber, was die Briten wollen.(Foto: picture alliance / dpa)

Abwärtsrisiken für Autoaktien: Brexit hat beträchtliche Folgen für Anleger

Von Egmond Haidt

Am 23. Juni stimmt Großbritannien über den Verbleib in der EU ab. Ein möglicher Austritt würde die gesamte Euro-Zone belasten. Es wäre nicht nur ein großer Rückschlag für das britische Pfund, es würde auch die europäischen Aktien treffen.

Bleiben oder gehen? Vor dieser wichtigen Frage wird Großbritannien in weniger als vier Monaten stehen. Nachdem Premierminister David Cameron sich auf einen Deal mit der Europäischen Union (EU) geeinigt hat, will er sich für einen Verbleib des Landes in der EU einsetzen. Cameron hat aber erheblichen Gegenwind aus der eigenen Partei, wollen sich doch sowohl Londons Bürgermeister Boris Johnson als auch sechs Minister, darunter Justizminister Michael Gove für einen Brexit - also den Austritt Englands - einsetzen.

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Derzeit kann zwar niemand den Ausgang der Wahl seriös vorhersagen. Die Analysten der Deutschen Bank verweisen aber auf einen wichtigen Zusammenhang. "Die Brexit-Umfragen haben in den vergangenen Jahren stark mit den Wirtschaftsdaten aus Europa und Großbritannien korreliert", schreiben die Experten. In wirtschaftlich guten Zeiten sei die Zustimmung zu einem Verbleib in der EU deutlich höher als in schlechten Zeiten. Derzeit schwächen sich aber etliche Konjunkturdaten sowohl aus der Euro-Zone als auch aus Großbritannien zusehends ab. Das spricht eher für einen Austritt.

Diese Sorge spiegelt das britische Pfund deutlich wider. Es ist zuletzt auf 1,41 Dollar je Pfund abgerutscht – das ist ein Sieben-Jahres-Tief. Damit kommt das 25-Jahres-Tief von 1,36 Dollar je Pfund rapide näher. Sollte die Briten tatsächlich für einen Austritt stimmen, könnte der Loslösungsprozess etwa zwei Jahre in Anspruch nehmen, weshalb ein möglicher Austrittstermin Anfang 2019 wäre.

Britische Aktien dürften im Rückwärtsgang bleiben

Ein Austritt hätte erhebliche Folgen für die englische Wirtschaft, würde sie doch die Handelsprivilegien eines EU-Mitglieds, also den freien Waren- und Dienstleistungsverkehr, verlieren. Das sollte die dortige Wirtschaft enorm bremsen, vor allem den Finanzsektor, der sich bislang starker Auslandsinvestitionen erfreut. "Ich würde erwarten, dass britische Aktien um rund 20 Prozent fallen würden und erwarte einen großen Ausverkauf beim Pfund, weil ich glaube, dass das Investoren teilweise noch nicht eingepreist haben und weil es eine Überraschung wäre", sagte Steven Grahame, Vorstandschef der Londoner Investmentfirma North Row Capital.

Ein weiterer Kursrückschlag bei britischen Aktien würde auch hiesige Anleger belasten, die beispielsweise über ETFs in den Stoxx Europe 50 investieren. In dem Index haben Unternehmen aus Großbritannien, wie die Bank HSBC Holdings, der Ölmulti BP oder die Bergbaufirma Rio Tinto, mit einem Anteil von 34 Prozent das mit weitem Abstand größte Gewicht vor der Schweiz (22,4 Prozent) und Deutschland (14,9 Prozent). Verschärft würde die Lage für hiesige Anleger dadurch, falls das Pfund gegenüber dem Euro weiter nachgeben würde, woraufhin der Wert der britischen Aktien auf Euro-Basis zusätzlich sinken würde.

Gegenwind für deutsche Autohersteller

Jochen Stanzl, vom englischen CFD-Broker CMC Markets, sieht in einem Rückgang des Pfunds und einer schwachen britischen Wirtschaft Bremseffekte auf die Wirtschaft der Euro-Zone zukommen, weil etwa 7,6 Prozent der deutschen Exporte an Gütern und Dienstleistungen nach Großbritannien gehen. Konkret haben die Analysten der UBS durchgerechnet, welche Auswirkungen ein Rückgang des Pfund um zehn Prozent gegenüber dem Euro und ein Rückgang der britischen Autoverkäufe um zehn Prozent auf die europäischen Autohersteller hätten. "Die Abwärtsrisiken beim Gewinn je Aktie für die Autohersteller belaufen sich auf 5 bis 17 Prozent", schreiben die Experten der UBS. Die Ergebnisse von Daimler und BMW würden um jeweils 9 Prozent gedrückt, jene von Volkswagen sogar um 12 Prozent.

In den nächsten Monaten werden sich viele Investoren genau anschauen, welchen Umsatz- und Gewinnanteil die Unternehmen in Großbritannien haben. Je größer er ist, umso mehr dürften diese Aktien dem Gesamtmarkt hinterher hinken. Anleger sollten ihre Portfolios daher zügig umschichten.

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Quelle: n-tv.de

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