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Ein sattes Prozent: Für Industrienationen ist das ein starkes Wachstum.
Ein sattes Prozent: Für Industrienationen ist das ein starkes Wachstum.(Foto: REUTERS)

Paris errechnet Mini-Wachstum: Briten feiern den Aufschwung

Die Daten zur britischen Industrieproduktion zeichnen ein Bild der wieder erstarkenden Wirtschaftskraft. Mehrere Jahre nach dem Ausbruch der großen Krise strotzt London vor Zuversicht. In Paris geben die Franzosen eine eher kleinlaute Prognose ab.

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Die Erholung der britischen Wirtschaft setzt sich unerwartet kräftig fort. Die Industrieproduktion zog im Februar um überraschend kräftige 1,0 Prozent an - mehr als dreimal stärker als in Fachkreisen vorhergesagt.

Allerdings liege das damit erreichte Niveau noch immer um 8,2 Prozent unter dem Spitzenwert der britischen Wirtschaftsleistung, schränkte das Londoner Statistikamt ein. Ihre bislang stärkste Phase hatte die britische Wirtschaft Anfang 2008 erreicht. Die Erschütterungen der weltweiten Finanz- und Bankenkrise stürzten Großbritannien schließlich in die schwerste Rezession seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges.

Inzwischen gehört Großbritannien wieder zu den am schnellsten wachsenden Industriestaaten. Dazu kommt: Die Erholung erreicht mittlerweile auch den Arbeitsmarkt und wirkt sich positiv auf die Zahl der Beschäftigten aus. Nach einer Umfrage des britischen Arbeitgeberverbandes wollen die Unternehmen die Löhne ihrer festangestellten Mitarbeiter so kräftig anheben wie seit knapp sieben Jahren nicht mehr.

Auf dem Kontinent - diesseits des Ärmelkanals - sieht die konjunkturelle Lage dagegen sehr viel weniger erfreulich aus. Das Wachstum der französischen Wirtschaft hat sich der Pariser Notenbank zufolge im ersten Quartal abgeschwächt.

Frankreich verliert an Schwung

Das Bruttoinlandsprodukt Frankreichs werde voraussichtlich nur um 0,2 Prozent zulegen, teilte die Banque de France mit. Sie ist damit etwas optimistischer als das französische Statistikamt, das nur ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent erwartet. Ende 2013 hatte die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone noch um 0,3 Prozent zugelegt.

Die Stimmung in der französischen Industrie hellte sich im März leicht auf. Der Indikator der Notenbank kletterte um einen Zähler auf 99 Punkte, blieb damit aber unter seinem langjährigen Durchschnitt von 100. Bei den französischen Dienstleistern verharrte das Barometer bei 94 Zählern.

Die Schwäche der französischen Wirtschaft ruft nicht nur in Paris, sondern auch in Berlin ernste Besorgnis hervor. Frankreich zählt zu den wichtigsten Handelspartnern Deutschlands. Eine anhaltende Schwäche gefährdet damit über kurz oder lang auch deutsche Arbeitsplätze.

"Ein schwerer Fehler"

Vor diesem Hintergrund ermahnte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble die Partnerländer in Europa zu einer soliden Haushalts- und Finanzpolitik. "Wir finden es nicht schlecht, wenn man sich in Europa an die Regeln hält, die man sich selbst gegeben hat", sagte der Minister im Bundestag in einem Tonfall offensichtlicher Untertreibung.

Deutschland sei nicht der Mahner anderer Länder in Europa, fühle sich den Regeln in der EU aber verpflichtet. Es sei vor Jahren "ein schwerer Fehler" gewesen, als Deutschland und Frankreich den europäischen Stabilitätspakt gebrochen hatten. "Nur wenn wir uns an Vereinbarungen und Regeln halten, schaffen wir die Voraussetzungen für weiteres stabiles Wachstum", sagte Schäuble.

Frankreich bemüht sich derzeit um einen weiteren zeitlichen Aufschub der EU, um die Vorgaben für die EU-Defizitentwicklung im Staatshaushalt zu erreichen. Bei einer weiteren Vorgabe aus dem Katalog der sogenannten Maastricht-Kriterien bleibt auch Deutschland weit hinter den eigenen Ansprüchen zurück. Die Staatsschuldenquote liegt mit rund 80 Prozent deutlich über der eigentlich zulässigen Höchstgrenze von 60 Prozent. Bislang arbeitet die Bundesregierung noch darauf hin, lediglich die Neuverschuldung zu begrenzen. Von einem effektiven Schuldenabbau kann auch in Deutschland bislang noch keine Rede sein.

Quelle: n-tv.de

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