Wirtschaft
Wie eine gezogene Waffe: Heizkosten, Spritpreise, Transportkosten - Die Rohölabhängigkeit bedroht die Konjunktur an vielen Stellen.
Wie eine gezogene Waffe: Heizkosten, Spritpreise, Transportkosten - Die Rohölabhängigkeit bedroht die Konjunktur an vielen Stellen.(Foto: picture alliance / dpa)
Sonntag, 27. Februar 2011

"Noch" kein Grund zur Sorge: Brüderle beschwört den Ölpreis

In der Geschichte vom deutschen Aufschwungswunder ist kein Platz für rapide steigende Rohstoffkosten: Wirtschaftsminister Brüderle sieht weiterhin "keinen Anlass zu konjunktureller Besorgnis" - obwohl viele Unternehmen noch mit einem Durchschnittspreis von 90 Dollar je Fass kalkulieren und viele Verbraucher schon jetzt über die hohen Spritpreise stöhnen.

Weitblick oder Wunschdenken? Rainer Brüderle, hier mit Wirtschaftsbericht 2011 (Archivbild).
Weitblick oder Wunschdenken? Rainer Brüderle, hier mit Wirtschaftsbericht 2011 (Archivbild).(Foto: picture alliance / dpa)

Die steigenden Energiepreise bedrohen nach Ansicht von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle den Wirtschaftsaufschwung in Deutschland bislang nicht. Die Bundesregierung erwartet für dieses Jahr ein Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent, manche Experten trauen Deutschland sogar ein Plus von 3 Prozent zu. "Unsere gute Konjunkturentwicklung ist so stabil, dass der derzeitige Ölpreisanstieg noch keinen Anlass zu konjunktureller Besorgnis gibt", sagte Brüderle der "Bild am Sonntag".

Angesichts der Protestwelle in Ländern wie Ägypten, Bahrein, Algerien und aktuell vor allem Libyen kochen am Markt seit Wochen die Sorgen vor einem stockenden Ölnachschub hoch. Dazu kam am Wochenende ein Größte Erdölraffinerie geschlossen , was allerdings in erster Linie nur die dortige Stromversorgung einschränken dürfte. Strom wird in dem Land am Euphrat zum Großteil durch dieselbetriebene Generatoren erzeugt.

Der Preis für ein Barrel der Sorte Brent war vergangene Woche auf knapp 120 Dollar geklettert. Zum Wochenschluss am Freitag notierte Nordseeöl gut sieben Dollar unter dieser Marke bei 112,43 Dollar. Spekulationen über ein mögliches Übergreifen der Proteste auf andere Ölförder-Staaten der arabischen Welt verunsicherten die Investoren zusätzlich.

Bleibt Saudi Arabien stabil?

Beobachter in Deutschland, Europa und den USA befassten sich dabei vor allem mit einem beunruhigenden Szenario: Sollten die Unruhe auch in Saudi-Arabien eskalieren, bestünde die Gefahr erhebliche Lieferausfälle. In einem nervösen Umfeld dürfte jedes Anzeichen einer zunehmenden Wahrscheinlichkeit weitere Marktschwankungen auslösen.

Saudi Arabien ist das mit Abstand wichtigste Ölförderland. "Das Steigen des Ölpreises hat auf schmerzliche Weise demonstriert, dass die Welt trotz aller möglichen Anstrengungen zutiefst abhängig von stabilen Öllieferungen ist", fasste zum Beispiel die rechtsliberale dänische Tageszeitung "Jyllands-Posten" die international kursierenden Bedenken zusammen.

Im Ausland wachsen die Zweifel

"Es herrscht enorme Nervosität, weil niemand länger ausschließen kann, dass die Unruhen in Ölförderstaaten wie Libyen und Bahrain sich nach Saudi-Arabien als größtem Öllieferanten der Welt ausbreiten."

Sollte es dazu kommen, wären die Reaktionen "weltweit lähmend", hieß es in dem Blatt. Es dürfe jedoch kein Zweifel daran bestehen bleiben, "dass die Welt eine spürbar bessere wird, wenn die despotischen Regimes im Nahen und Mittleren Osten sowie in Nordafrika von frei, demokratisch und fair gewählten Regierungen abgelöst sind."

Angesichts der wachsenden Nervosität an den Rohstoffmärkten hat das Emirat Katar unterdessen erneut versucht, Sorgen über Öl-Lieferengpässe durch Exportausfälle aus dem von Unruhen erschütterten Libyen zu dämpfen.

Es gebe keinen Grund, nervös zu sein, sagte der Energieminister des Golfstaats, Mohammed Saleh al-Sada. Die ölproduzierenden Staaten könnten ausreichend Öl zur Verfügung stellen. Das Emirat ist wie Saudi Arabien und Libyen Mitglied der Organisation Erdöl exportierender Staaten Opec.

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Quelle: n-tv.de

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