Wirtschaft
Air Berlin wird nicht als Ganzes erhalten bleiben.
Air Berlin wird nicht als Ganzes erhalten bleiben.(Foto: dpa)
Mittwoch, 16. August 2017

Zerschlagung zeichnet sich ab: Bund weist Kritik an Air-Berlin-Hilfen zurück

Die Staatshilfen für die insolvente Air Berlin rufen Konkurrent Ryanair auf den Plan. Doch die Bundesregierung will die Kritik der Iren nicht gelten lassen. Denn die Pleite-Airline wird keinesfalls in Gänze erhalten bleiben. Damit profitiert auch kein Unternehmen allein.

Die Bundesregierung weist die Kritik von Ryanair am Überbrückungskredit in Höhe von 150 Millionen Euro für Air Berlin zurück. "Es wird am Ende nicht eine Airline Air Berlin komplett übernehmen. Das wird kartellrechtlich gar nicht zulässig sein", sagte Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig im ZDF-"Morgenmagazin". "Das heißt, es werden unterschiedliche Airlines am Ende Teile von Air Berlin übernehmen. Damit ist Wettbewerb gesichert."

Ryanair hat wegen des Kredits Beschwerde sowohl beim Bundeskartellamt als auch bei der EU-Kommission eingelegt. Die Insolvenz sei mit dem Ziel aufgesetzt worden, dass die Deutsche Lufthansa im Endeffekt Air Berlin schuldenfrei übernehmen könnte, erklärte der Billigflieger. Machnig nannte das "eine abwegige These".

"Dass Ryanair jetzt trommelt, weil man selber in den deutschen Markt will, das ist völlig klar", sagte der SPD-Politiker und frühere Thüringer Wirtschaftsminister. "Klappern gehört zum Handwerk." Die Bundesregierung sei mit der EU-Kommission in Kontakt. "Ich halte diese Hilfe, diese Restrukturierungshilfen, die wir jetzt geben über den Überbrückungskredit, für zulässig."

Condor und andere Airlines interessiert - Slots im Fokus

Es gebe Interessenten wie Lufthansa, Condor und andere Airlines, die bereit seien, "Partner zu werden von Air Berlin oder Teile von Air Berlin zu übernehmen. Das heißt, es gibt eine Perspektive für die Airline beziehungsweise für das Flugpersonal", sagte Machnig. Der "eigentliche Wert" von Air Berlin seien die Slots. Diese Flugrechte seien begehrt in Deutschland "und um diese Flugrechte werden sich sehr viele bemühen". Deswegen sei er "auch guter Dinge", dass es in einem "überschaubaren Zeitraum" gelingen könne, im Herbst eine Zukunftsperspektive für einen Großteil der 8000 Mitarbeiter zu haben.

Der alten Führung der insolventen Fluglinie Air Berlin warf Machnig schwere Fehler vor. "Es gab Management-Versagen in der Vergangenheit", sagte der 57-Jährige. Das neue Management mit Thomas Winkelmann an der Spitze habe einen Kurswechsel versucht, die Zeit dafür sei allerdings zu kurz gewesen.

Air Berlin hatte am Vortag bekannt gegeben, Insolvenz angemeldet zu haben. Zuvor hatte Aktionär Etihad den Geldhahn zugedreht. Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft erwirtschaftet seit Jahren millionenschwere Fehlbeträge und sitzt auf einem gigantischen Schuldenberg. Konkurrent Lufthansa ist seit Monaten im Gespräch über den Kauf von Unternehmensteilen. Bislang hatte die ungeklärte Schuldenfrage einer Einigung im Weg gestanden.

Quelle: n-tv.de

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