Wirtschaft
Sorgenfalten auf der Stirn des Bundesbankpräsidenten haben für die deutsche Wirtschaft eine ganz besondere Bedeutung (Archivbild).
Sorgenfalten auf der Stirn des Bundesbankpräsidenten haben für die deutsche Wirtschaft eine ganz besondere Bedeutung (Archivbild).(Foto: REUTERS)

Die Schwäche erreicht Deutschland: Bundesbank kappt den Ausblick

Die Konjunkturbeobachter der Bundesbank schwenken auf die pessimistische Linie von EZB-Chef Draghi ein und senken ihre Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft. Mit "größeren Schäden" sei allerdings nicht zu rechnen - falls es nicht schlimmer kommt als erwartet. Nur bei der Inflation dürfte sich die Lage weiter entspannen.

"Ohne größere Schäden": Jens Weidmann (Archivbild).
"Ohne größere Schäden": Jens Weidmann (Archivbild).(Foto: REUTERS)

Die Bundesbank traut der deutschen Wirtschaft im kommenden Jahr nur ein Mini-Wachstum zu. Sie senkte ihre Prognose wegen der Schuldenkrise in Europa und der schwächeren Weltkonjunktur von 1,6 auf 0,4 Prozent. Die Notenbank ist damit pessimistischer als die Bundesregierung, die ein mehr als doppelt so starkes Plus von 1,0 Prozent vorhersagt.

In wirtschaftlicher Hinsicht rechnet die Bundesbank mit einem frostigen Winterhalbjahr in Deutschland: In ihrer Einschätzung zur Lage warnt sie von einer Rezession. "Die konjunkturellen Perspektiven haben sich in Deutschland eingetrübt. Für das Winterhalbjahr 2012/2013 deutet sich sogar ein Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität an", heißt es im aktuellen Bericht.

Während einzelne Volkswirte für das erste Quartal bereits wieder eine Belebung erwarten, bleiben die Notenbanker pessimistisch. Sie erwarten höchstens eine Stagnation. "Die gute Grundkonstitution der deutschen Wirtschaft spricht aber dafür, dass sie die vorübergehende Schwächephase ohne größere Schäden insbesondere bei der Beschäftigung übersteht", sagte Bundesbankchef Jens Weidmann bei der Vorstellung der halbjährlichen Konjunkturvorhersage.

Für das laufende Jahr senkte die Bundesbank ihre Prognose von 1,0 auf 0,7 Prozent. Erst 2014 erwarten die Buba-Experten mit 1,9 Prozent wieder ein robustes Wachstum - "wenn sich die Banken- und Staatsschuldenkrise im Euro-Raum nicht weiter verschärft und sich die Verunsicherung der Investoren und Verbraucher allmählich legt", wie Weidmann erklärte.

"Arbeitszeit als Konjunkturpuffer"

Am Arbeitsmarkt dürfte die Konjunkturdelle keine größeren Spuren hinterlassen. Die Arbeitslosenquote könnte im kommenden Jahr zwar leicht auf 7,2 Prozent steigen, 2014 aber wieder auf 7,0 Prozent zurückgehen. "Die Arbeitszeit wird wieder als Konjunkturpuffer dienen", erwarten die Bundesbanker.

Entspannung sagen sie auch bei den Preisen voraus: Die nach einheitlichen europäischen Standards berechnete Inflationsrate werde in diesem Jahr noch 2,1 Prozent betragen, 2013 aber auf 1,5 Prozent fallen. Auch 2014 soll sie mit 1,6 Prozent unter der Marke von zwei Prozent verharren, bis zu der die Europäische Zentralbank von stabilen Preisen spricht.

Das Problem aller Prognosen

Die Ökonomen räumten aber ein, ihre Projektionen seien "durch ein hohes Maß an Unsicherheit charakterisiert". "Dabei überwiegen die Abwärtsrisiken" - etwa ein stärkerer Abschwung der Weltwirtschaft oder eine Verschärfung der Schuldenkrise.

 "Es ist aber durchaus vorstellbar, dass sich der Euro-Raum schneller erholt und dass sich die Weltwirtschaft stärker beschleunigt als hier unterstellt wird", sagte Weidmann. "Dann ist die Zuversicht berechtigt, dass die deutsche Wirtschaft die sich ergebenden Chancen nutzt."

Kalter Guss vor Handelsstart

Die Wachstumsprognose der Bundesbank legte sich am Morgen wie ein kalter Schatten auf das frühe Geschäft im deutschen Aktienmarkt und im Handel mit dem Euro. Nachdem die EZB am Vortag die Prognose für den Euroraum gesenkt habe und damit der Fantasie für eine weitere Zinssenkung Raum öffnete, stoße die Bundesbank nun ins selbe Horn, meinten Händler.

"Überraschend ist die Aussage, dass die Wirtschaft im ersten Quartal nicht anspringen wird", hob ein Marktbeobachter hervor. Die Bundesbank ziehe für den Jahresstart 2013 nun auch eine Rezession in Deutschland in den Bereich des Möglichen. Die Aussichten für den Dax trübten sich zum Auftakt leicht ein. Der Euro fiel auf ein frühes Tagestief bei 1,2930 Dollar.

Quelle: n-tv.de

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