Wirtschaft
Bundesbank-Vorstand Thiele appelliert vor allem an Vereine und Betriebe.
Bundesbank-Vorstand Thiele appelliert vor allem an Vereine und Betriebe.(Foto: REUTERS)

Sepa-Umstellung: Bundesbank mahnt Sorgfalt an

In nicht einmal sechs Monaten geht das Europäische Zahlungssystem Sepa an den Start. Doch noch immer scheinen nicht alle Unternehmen und Vereine darauf vorbereitet zu sein. Im schlimmsten Fall können dann Zahlungen nicht abgewickelt werden. Die Bundesbank hat bereits gut 200 Mitarbeitern zu Jahresbeginn den Urlaub untersagt.

Gut fünf Monate vor Beginn des neuen europäischen Zahlungssystems Sepa (Single Euro Payments Area) bereitet der Deutschen Bundesbank die schleppende Umstellung zunehmend Sorgen. "Wir warnen vor Liquiditätsengpässen nach dem 1. Februar 2014: Zahlungen von Gehältern und anderen Leistungen können nicht mehr rechtzeitig abgewickelt werden, wenn die Zahlungsdaten nicht im Sepa-Format bei der Bank eingereicht werden", sagte Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele.

Gerade vielen kleinen Unternehmen, Handwerksbetrieben und Vereinen in Deutschland sei noch nicht bekannt, dass die neuen EU-Regeln für Überweisungen und Lastschriften (Sepa) ab Februar 2014 auch national verbindlich gelten, und nicht nur im Verkehr mit dem Ausland. "Wer sich bis dahin nicht vorbereitet hat, hat ein Problem. Und darauf weisen wir frühzeitig hin."

Urlaubssperren für etliche Bundesbank-Mitarbeiter

Wiederholt hatten Banken, Verbände oder die Bankenaufsicht BaFin davor gewarnt, dass die Liquiditätsversorgung bei den Unternehmen massiv gestört werden könne. Selbst Firmenpleiten drohen demnach.

Denn vom Februar an dürfen Kreditinstitute Überweisungen und Lastschriften von  Unternehmen und Vereinen nur noch im Sepa-Format mit den internationalen Kontonummern IBAN bearbeiten. Doch die für Lastschriften nötige Gläubiger-ID (Identifikationsnummer) wurde laut Bundesbank in Deutschland bis Mitte August erst in 712.738 Fällen vergeben. Darunter waren etwa 156.000 Vereine. Allerdings gibt es bundesweit 3,6 Millionen Unternehmen und rund 580.000 Vereine. Mit der Umstellung sollen Überweisungen ins Ausland schneller und billiger werden.

"Wir haben Urlaubssperren für knapp 200 Mitarbeiter aus dem Bereich Zahlungsverkehr vorbereitet - von Mitte Januar bis Ende März", sagte Thiele. Dabei sei die Bundesbank zwar für einen reibungslosen Zahlungsverkehr verantwortlich, aber nicht für die Umstellung: "Zuständig sind die Kreditwirtschaft und ihre Kunden."

Kaum Änderungen für Privatpersonen

Betriebe, kommunale Verwaltungen und Vereine - egal ob Sportclub oder Förderverein - müssen nicht nur eine Gläubiger-ID beantragen, sagte Thiele: "Für Unternehmen ist die Umstellung vielfach mit aufwendigen Softwareanpassungen verbunden." Lastschriften etwa für Mitgliedsbeiträge müssten vom Gläubiger geändert werden.

Private müssen hingegen nichts in die Wege leiten, sondern künftig bei einer Überweisung nur die 22-stellige IBAN statt der bisherigen Kontonummer mit Bankleitzahl eintragen: "Wenn Sie etwa eine Zeitschrift abonniert haben und Ihre Rechnung dafür per Lastschrift zahlen, dann wird der Zeitschriftenverlag dafür sorgen, dass die Abbuchungen auch mit Sepa weiterlaufen."

Darüber hinaus komme auf Privatpersonen keine große Umstellung zu: "Was ändert sich eigentlich: Die IBAN setzt sich aus der bisherigen Bankleitzahl und der Kontonummer zusammen, die Kontonummer gegebenenfalls nur um Nullen aufgefüllt. Vorangestellt ist die Länderkennung 'DE' für Deutschland. Das einzig Neue ist eine individuelle zweistellige Prüfziffer, die vor Zahlendrehern schützt. Das zusammen ist die neue IBAN, die bereits jetzt schon auf Kontoauszügen und den meisten Bankkundenkarten zu finden ist."

Konzerne gut vorbereitet

Die großen Konzerne sieht die Bundesbank gerüstet. Rentenzahlungen oder Kindergeldzahlungen seien bereits komplett umgestellt, sagte Thiele: "Aber es läuft eben nicht bei den kleinen Unternehmen, den Vereinen und den Handwerkern, die denken, Sepa müsse sie nicht interessieren, weil sie nicht grenzüberschreitend tätig sind."

Im europäischen Vergleich hinkt Deutschland hinterher. Im Euroraum lag der Sepa-Anteil bei Überweisungen im Juni bei 47 Prozent, in Deutschland im ersten Quartal - neuere Daten liegen nicht vor - bei 8,7 Prozent. Bei Lastschriften sieht es noch dramatischer aus. Der Sepa-Anteil lag im Juni in Europa bei 3,7, in Deutschland bei 0,14 Prozent. "Das ist noch nicht ganz so viel", sagte Thiele. Immerhin sei das Bewusstsein für die Sepa-Umstellung zuletzt gestiegen.

Quelle: n-tv.de

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