Wirtschaft
Glasröhren für Leuchtstoffröhren laufen in der Produktion des Lampenherstellers Narva in Brand-Erbisdorf (Sachsen) über ein Band und werden zur weiteren Bearbeitung erhitzt.
Glasröhren für Leuchtstoffröhren laufen in der Produktion des Lampenherstellers Narva in Brand-Erbisdorf (Sachsen) über ein Band und werden zur weiteren Bearbeitung erhitzt.(Foto: picture alliance / dpa)

Deutsche Wirtschaft robust: Bundesregierung macht auf Optimismus

Die Bundesregierung sieht Deutschlands Wirtschaft weiter auf einem stabilen Wachstumskurs. Dennoch geht sie mit ihrer Prognose etwas runter. Das Wirtschaftsministerium sagt auch eine Fortsetzung des positiven Trends am Arbeitsmarkt voraus.

Die Bundesregierung hat ihre Prognose für das deutsche Wirtschaftswachstum in diesem Jahr leicht zurückgenommen, die Erwartung für 2016 aber bestätigt. In der neuen Herbstprojektion sagt das Bundeswirtschaftsministerium nun für 2015 einen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,7 Prozent voraus und für 2016 ein Wachstum von 1,8 Prozent. Im Frühjahr hatten die Konjunkturexperten von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel noch für beide Jahre je 1,8 Prozent prognostiziert.

Bei der Bekanntgabe der Prognose betonte Gabriel aber, dass sich die deutsche Wirtschaft "stabil aufwärts" entwickle. "Sie befindet sich trotz der gedämpften weltwirtschaftlichen Perspektiven mit einem schwächeren Wachstum in China und in rohstoffreichen Schwellenländern auf einem guten Weg", meinte der SPD-Chef. Dazu trügen vor allem eine positive Entwicklung der Beschäftigung verbunden mit steigenden Einkommen bei. Als "zentralen Tragpfeiler der positiven Entwicklung" nannte er die privaten Konsumausgaben, die um je 1,8 Prozent wachsen sollen.

Die große Herausforderung für Deutschland sei hingegen "die hohe Flüchtlingsmigration aus den Krisengebieten". Gerade angesichts des bevorstehenden Winters sei es wichtig, diese Menschen zügig menschenwürdig unterzubringen. Darüber hinaus müssten umgehend die Bedingungen für die Integration der in Deutschland ankommenden Menschen verbessert werden, wozu Investitionen in Bildung und Ausbildung "der zentrale Schlüssel" seien.

IWF zeigte sich pessimistischer

Die führenden deutschen Wirtschaftsforscher hatten erst vergangene Woche der deutschen Konjunktur trotz schlechter Weltwirtschaft ebenfalls eine stabile Verfassung attestiert und ein "solides Wachstum" von jeweils 1,8 Prozent in diesem und im kommenden Jahr vorausgesagt. Auch sie hatten allerdings ihre Erwartung für 2015 nach unten korrigiert.

Deutlich pessimistischer ist hingegen der Internationale Währungsfonds (IWF), der erst am Dienstag seine Erwartung für den Zuwachs der deutschen Wirtschaftsleistung auf 1,5 Prozent in diesem und 1,6 Prozent im nächsten Jahr zurücknahm. Von den deutschen Ökonomen war dies allerdings auch mit einer anderen Berechnungsmethode begründet worden.

Andere deutsche Ökonomen waren zuletzt für 2016 sogar noch deutlich optimistischer. So sieht das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) für 2015 ein Plus von 1,8 Prozent, für 2016 eines von 2,0 Prozent. Auch die deutschen Sparkassen halten für nächstes Jahr ein Wachstum von rund 2,0 Prozent für möglich. Die privaten Banken sehen hingegen nur 1,7 Prozent voraus.

Die deutschen Konjunkturhoffnungen hatten allerdings erst am Dienstag einen empfindlichen Dämpfer erhalten, als der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erhobene Index der Konjunkturerwartungen für Oktober auf 1,9 Punkte von 12,1 Zählern im September fiel. Nach Einschätzung des ZEW-Präsidenten Clemens Fuest dämpfen "der Abgasskandal bei Volkswagen und die Wachstumsschwäche der Schwellenländer" die Konjunkturaussichten für Deutschland.

Regierung sieht gute Exportperspektiven

Das Bundeswirtschaftsministerium sagte eine Fortsetzung der positiven Trends am Arbeitsmarkt voraus. Die Erwerbstätigkeit soll sich nach ihrer Prognose in diesem Jahr um 284.000 Personen und im nächsten Jahr um 271.000 Personen auf 43,3 Millionen erhöhen, und die Arbeitslosigkeit soll in diesem Jahr um 98.000 Personen zurückgehen, im kommenden Jahr aber angesichts der hohen Zuwanderung um 60.000 Personen zunehmen.

Der niedrige Euro-Kurs verbessere die Exportperspektiven in diesem Jahr, betonte die Regierung. Die deutschen Exporte sollen deshalb in beiden Jahren "solide zunehmen" - um 5,4 Prozent in diesem und um 4,2 Prozent im kommenden Jahr. Aufgrund der dynamischen Binnenwirtschaft sollen die Importe mit 5,9 Prozent 2015 und 5,3 Prozent 2016 stärker steigen als die Exporte.

Die Investitionen in neue Ausrüstungen werden laut der Prognose nach einer starken Entwicklung im vergangenen Winterhalbjahr dieses Jahr voraussichtlich um real 4,9 Prozent zunehmen. Im Jahr 2016 sollen sie um 3,5 Prozent wachsen.

Quelle: n-tv.de

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