Donnerstag, 02. Juli 2009
Aufruf zu Celesio-Boykott: Bußgeld gegen Apotheken
Celesio hat die Apothekenkette DocMorris 2007 übernommen.
(Foto: picture-alliance/ dpa)
Im Streit zwischen traditionellen Inhaber-Apotheken und der Apothekenkette DocMorris hat das Bundeskartellamt ein Millionenbußgeld verhängt. Apotheken-Verbände müssen 1,2 Mio. Euro Bußgeld zahlen, weil sie zum Boykott des DocMorris-Mutterkonzerns Celesio aufgerufen hätten, teilte das Kartellamt am Donnerstag in Bonn mit. Konkret hätten die Verbände dazu aufgerufen, nicht mehr bei der Celesio-Arzneihandels-Tochter Gehe zu kaufen. Celesio hatte die Apothekenkette DocMorris 2007 übernommen.
In den vergangenen Jahren gab es in der Apothekenbranche einen erbitterten Kampf um die Zukunft des Systems: Die alteingesessenen Apotheker kämpften darum, die Entstehung von Apothekenketten zu verhindern. In die Zeit dieser Auseinandersetzung fallen auch die Boykottaufrufe der Verbände.
Von dem Bußgeld betroffen sind demnach die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) sowie mehrere Landes-Apothekerverbände. Die Bußgelder richten sich auch gegen mehrere Einzelpersonen, darunter Verbandsfunktionäre und ein Redakteur der von der ABDA herausgegeben "Pharmazeutischen Zeitung".
ABDA: "Unabhängige Interessensvertretung"
Die ABDA wandte sich scharf gegen die Bußgeld-Bescheide. Die Vorwürfe seien "unbegründet", erklärte ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf. "Wir werden nicht zulassen, dass uns im Handstreich die Möglichkeit zur unabhängigen Vertretung unserer Mitglieder und deren Interessen in der politischen Diskussion genommen wird." Der Verband wolle den Bescheid notfalls vor Gericht anfechten.
Nach jahrelangem Ringen hatte der Europäische Gerichtshof (EuGH) vor wenigen Wochen das Verbot von Apothekenketten bestätigt. Dabei argumentierten die Richter, dass inhabergeführte Apotheken dem Wohle der Patienten mehr dienten als große Ketten, die stärker auf ihre Gewinnmaximierung ausgerichtet sein dürften.
DocMorris musste damit seine Pläne aufgeben, nach der Präsenz in anderen Ländern auch in Deutschland eine Apothekenkette aufzubauen. Allerdings darf das Unternehmen seine Strategie weiterverfolgen, über die Vergabe von Lizenzen an inhabergeführte Apotheken auch in Deutschland weiter Fuß zu fassen.
AFP
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