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An der Wall Street stieß der Börsengang auf weniger Interesse als erhofft.
An der Wall Street stieß der Börsengang auf weniger Interesse als erhofft.(Foto: REUTERS)

King geht an die Börse: Candy Crush enttäuscht Investoren

Für den Spiele-Entwickler King ist der Börsengang durchaus ein Erfolg: Rund eine halbe Milliarde Dollar nimmt das Unternehmen ein. Die neuen Aktionäre erleben dagegen eine herbe Enttäuschung.

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Viele Smartphone-Besitzer fahren auf das Spiel Candy Crush ab, Investoren zeigen hingegen weniger Interesse an den am Mittwoch an der New Yorker Börse gestarteten Aktien des Anbieters King Digital Entertainment. Zu Börsenbeginn sackte der Kurs um knapp 9 Prozent auf 20,50 US-Dollar ab, verglichen mit dem Ausgabekurs von 22,50 Dollar. Im frühen Handel ging es weiter abwärts.

Der Börsengang brachte rund 500 Millionen Dollar ein. Bei einem Preis von 22,50 Dollar spült das Geschäft King 350 Millionen Dollar frisches Geld in die Unternehmenskasse sowie weitere 150 Millionen Dollar in die Kassen von Erstinvestoren, wie die private Beteiligungsgesellschaft Apax Partners. Der Konzern und seine Aktionäre verkauften 22,2 Millionen Anteilsscheine. Die Konsortialpartner haben die Option, weitere 3,3 Millionen Aktien abzugeben. Der Börsengang bewertete King mit mehr als 7 Milliarden Dollar.

Obwohl die "Candy Crush Saga" mit 97 Millionen täglich aktiven Nutzern weltbekannt ist, zeigte der Börsengang von King kein überbordendes Investoreninteresse. King erzielte vergangenes Jahr einen Gewinn von 567,6 Millionen Dollar. Gleichzeitig stieg der Umsatz mit fast 1,9 Milliarden Dollar auf das Elffache, was den Erfolg der "Candy Crush Saga" unterstreicht. Das Spiel war die umsatzstärkste App in den USA auf iOS-Geräten von Apple, wie der Datendienstleister App Annie vermeldete. Einige Analysten sagten jedoch, dass das Geldverdienen mit dem Spiel den Gipfel überschritten hat, was die Frage aufwirft, ob King seinen Erfolg wiederholen kann.

Zynga als abschreckendes Beispiel

Einen Präzedenzfall bei Videospielen hatte in den Augen einiger Investoren Zynga geliefert, Hersteller des Spiels "Farmville". Dessen Aktienkurs brach im Jahr nach dem Börsengang mächtig ein. Zuletzt lag der Aktienkurs 52 Prozent niedriger als kurz nach dem Debüt im Dezember 2011. Dabei haben sich die Papiere zuletzt sogar noch etwas erholt, seit Jahresbeginn haben sie dank jüngster Käufe durch Hedgefonds wie Millennium Management LLC und Tiger Global Management LLC wieder um 27 Prozent zugelegt.

"Der Standardausdruck für diese Art von Geschäft ist 'hitgetrieben'", sagte Rett Wallace, Chef des Marktforschungs- und Datendienstleistungsunternehmens Triton Research. Trotz aller Behauptungen von Zynga und auch King, einen reproduzierbaren Prozess zu haben, zeige sich, dass es äußerst schwierig ist, etwas zu entwickeln, was Milliarden von Menschen die ganze Zeit nutzen werden, so Wallace.

Jedoch strebe King im Vergleich zu einigen anderen Unternehmen der Branche eine relativ moderate Bewertung an, sagten einige Analysten. Arvind Bhatia von Sterne Agee & Leach prognostiziert das Umsatzwachstum von King auf 2,49 Milliarden Dollar in diesem Jahr. Bei dem Startpreis für die Aktien wird das Unternehmen mit dem dreifachen der Erlösschätzung bewertet. Zum Vergleich: Zynga ist fünfeinhalb Mal so viel Wert wie die durchschnittliche Umsatzerwartung der Analysten für 2014. Auf die Gewinne bezogen wäre King auch günstiger als die etablierten Videospielehersteller wie Activision Blizzard und Electronic Arts, sagte Analyst Bhatia.

Spiele unterschiedlich erfolgreich

"Sie sind, was ihre verlangsamte Wachstumsrate angeht, ehrlich zu den Investoren, was meiner Ansicht nach hilfreich ist", sagte Rob Romero, Portfoliomanager bei Connevtiv Capital Management, die 120 Millionen Dollar verwaltet. Vor der Preisfestsetzung hatte er angekündigt, Aktien von King zu zeichnen. "Sie müssen in der Lage sein, neue Spiele zu entwickeln und erfolgreich eine Pipeline zur Entwicklung und Vermarktung aufzubauen, um die Erlöse auszugleichen, die unausweichlich verloren gehen, wenn Candy Crush nachlässt", so der Manager. "Und sie haben so eine Pipeline."

Kings andere Spiele umfassen etwa die "Bubble Witch Saga" und "Pet Rescue Saga". Wie Candy Crush haben auch sie es unter die fünf Spiele mit den meisten täglich aktiven Nutzern auf Plattformen wie Apples iOS geschafft, heißt es in dem Börsenprospekt des Unternehmens. "Farm Heroes" zum Beispiel, seit Januar im Apple App Store erhältlich, war laut Datendienstleister App Annie seit Anfang Februar jeden Tag unter den zehn umsatzstärksten Programmen für iPhone-Nutzer. Aber "Papa Pear", als Spiel für mobile Geräte im November letzten Jahres erschienen, ist im März aus der Liste der 30 umsatzstärksten Apps herausgefallen.

Quelle: n-tv.de

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