Wirtschaft
Plötzlich Ex-Chef: Markus Pinger
Plötzlich Ex-Chef: Markus Pinger(Foto: picture alliance / dpa)

Uneins in der Ausrichtung: Celesio-Chef verliert seinen Posten

Paukenschlag beim Pharmagroßhändler: Überraschend trennt sich das Unternehmen von Pinger und muss sich nun eine neue Spitze suchen. Streitpunkt soll das Vorgehen bei den Verhandlungen mit US-Konkurrenten gewesen sein. An der Börse schickte die Nachricht die Aktie auf Talfahrt.

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Der Chef des Pharmagroßhändler Celesio muss nach nicht einmal zwei Jahren Amtszeit seinen Schreibtisch räumen und wird vom Unternehmen vor die Tür gesetzt. Der Aufsichtsrat habe beschlossen, Markus Pinger als Vorsitzenden des Vorstands und als Mitglied des Vorstands mit sofortiger Wirkung abzuberufen, teilte das MDAX-Unternehmen mit. "Die Trennung erfolgte aufgrund unterschiedlicher Auffassungen zur Führung des Unternehmens", hieß es weiter. Offenbar hat sich der 50-Jährige mit dem dem Chef des Kontrollgremiums überworfen.

Seine Vorstandsaufgaben wird den weiteren Angaben zufolge kommissarisch Vorstandsmitglied  Marion Helmes übernehmen. Sie sei ab sofort Sprecherin des Gremiums. Der Vertrag von Pinger lief bis August 2014.  Der Aufsichtsrat danke Herrn Pinger für die geleisteten Dienste, hieß es in der Mitteilung knapp.

Der ehemalige Beiersdorf -Manager Pinger hatte im August 2011 das Ruder bei Celesio übernommen. Unter seiner Führung sollte sich das Traditionsunternehmen wieder auf das angestammte Kerngeschäft Pharmahandel und Apotheken ausrichten. Firmen wie die Internet-Apotheke DocMorris, mit denen sein Vorgänger in neue Geschäftsfelder vorstoßen wollte, verkaufte Pinger wieder - zum Teil mit hohen Verlusten. Nach abgeschlossenem Umbau wollte Pinger die Internationalisierung von Celesio vorantreiben, wie Reuters unter Berufung auf Insider berichtete.

Konflikt soll zuletzt eskaliert sein

Der 50-jährige Pinger lotete den Kreisen zufolge zuletzt eine umfassende Partnerschaft mit den US-Konkurrenten McKesson und Cardinal Health aus, die auch eine Beteiligung an Celesio einschließen könnte. Die Ablösung sei erfolgt, weil es zwischen Haniel- und Celesio-Aufsichtsratschef Stephan Gemkow und Pinger zum Zerwürfnis gekommen sei. Dabei sei es um die künftige strategische Aufstellung gegangen und wer dabei in Verhandlungen die Weichen stellen solle, hieß es. Uneinigkeit habe etwa darüber geherrscht, wer bei den Gesprächen mit US-Konzernen den Hut aufhabe. Zudem hieß es in den Kreisen, dass auch der überraschende Weggang zweier Führungskräfte im Vertrieb bei der deutschen Großhandelstochter Gehe für Unruhe gesorgt habe. Zuletzt sei der Konflikt zwischen Pinger und Gemkow eskaliert.

Celesio wollte sich dazu nicht äußern. Haniel stehe hinter der Entscheidung des Celesio-Aufsichtsrats, erklärte das Familienunternehmen lediglich. Der Duisburger Mischkonzern Haniel hält 50,01 Prozent an Celesio.  Bereits in der Vergangenheit hatte es immer wieder Führungsstreitigkeiten zwischen Celesio und seiner Muttergesellschaft Haniel gegeben. Pingers Vorgänger Fritz Oesterle musste nach zwölf Jahren an der Spitze des Unternehmens 2011 gehen, nachdem es ebenfalls zu einem Strategiestreit zwischen Mutter und Tochter gekommen war.

An der Börse stürzte die Aktie ab und verlor 6,9 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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