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Welt-Index: Chancen und Risiken für 2016

Die Finanzmärkte sind dieses Jahr geprägt von politischen Herausforderungen, sagt Markus Zschaber. Konflikte im Nahen Osten sowie das britische EU-Referendum werden wohl für Schwankungen sorgen. Die Konjunktur jedoch zeige sich robust.

Dr. Markus Zschaber, Chef der gleichnamigen Vermögensverwaltung, welche monatlich den "Welt-Index" veröffentlicht, erwartet für 2016, dass die Finanzmärkte höheren Schwankungen ausgesetzt sind: "Ich sehe vor allem die politischen Herausforderungen nicht kleiner werden. Sorgen bereiten mir in erster Linie der Nahost-Konflikt, die Ukraine sowie Nordkorea und das EU-Referendum in Großbritannien. Die Vorteile der EU für Großbritannien sind enorm, insofern gehe ich von einem Verbleib Großbritanniens in der EU aus. Dagegen ist der Nahost-Konflikt sehr verfahren und undurchsichtig. Um die neuen Spannungen zwischen Saudi Arabien und dem Iran zu beruhigen, sind diplomatische Meisterleistungen erforderlich."

Darüber hinaus werden nach Angaben des Kölner Vermögensverwalters das weitere Verhalten der Notenbanken sowie die wirtschaftliche Lage in China und in Asien von größter Bedeutung für die Finanzmärkte sein.

"Trotz der ersten Leitzinserhöhung in den USA im Dezember letzten Jahres sehe ich die globalen Zinsen weiterhin auf niedrigem Niveau verharren und zwar noch sehr lange. Wir haben es – ohne zu übertreiben – mit einer langen zinslosen Ära zu tun, gerade hier in Europa. Fakt ist, dass für eigentlich alle Industriestaaten die niedrigen Zinsen überlebenswichtig sind, um ihre Schuldenstände zu finanzieren. Dieses gilt insbesondere auch für die USA, trotz der ersten Zinserhöhung seit fast zehn Jahren. Die Musik in Sachen Zinsen wird aber heute sowieso in Tokio (Bank of Japan) und in Frankfurt (EZB) gemacht und weniger in Washington (US-Notenbank)", so Zschaber weiter. Beide Notenbanken setzen noch auf lange Sicht sogenannte unkonventionelle geldpolitische Maßnahmen mittels monatlicher milliardenschwerer Aufkaufprogramme von Wertpapieren durch, die das offizielle Ziel haben, die Zinsen abzusenken und gleichzeitig, allerdings inoffiziell, die eigene Währung zu schwächen.

Dr. Markus C. Zschaber
Dr. Markus C. Zschaber(Foto: V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft Dr. Markus C. Zschaber mbH)

Zur Lage in China, stellt der Kölner Vermögensverwalter klar, dass es sich hierbei um eine Volkswirtschaft mit zwei Geschwindigkeiten handelt. Während der chinesische Industriesektor sich in Teilen sogar in einer Rezession befindet, durchläuft der Dienstleistungssektor fast in allen Teilbereichen eine Boomphase. "Die Schwerindustrie in China ist eindeutig in einer Rezession. Was wir hier von den Unternehmen hören ist sehr ernst zu nehmen und strahlt sicherlich negativ auf die gesamte industrielle Wertschöpfung des Landes aus. Allerdings sollte nicht vergessen werden, dass dies der Transformationsstrategie der chinesischen Regierung exakt entspricht und weniger auf ein Einbrechen der globalen Nachfrage zurückzuführen ist. Die chinesische Regierung forciert eine Veränderung der volkswirtschaftlichen Strukturen, weg von den Abhängigkeiten des Exports hin zu mehr Binnenmarktaktivität und Konsum. Die Stärke des Dienstleistungssektors demonstriert diese forcierte Entwicklung förmlich", fasst Zschaber deutlich zusammen.

Mit Blick auf Europa hat die Europäische Zentralbank eindeutig die Schlüsselfunktion für den weiteren Verlauf in der Eurozone eingenommen. "Fakt ist: Die Verantwortlichen in der EZB sind mit ihrem Latein noch lange nicht am Ende, bezogen auf das Instrumentarium der geldpolitischen Stimulation und die Ausweitung der Notenbankbilanzsumme. Die Neuausrichtung der Zins- und Geldpolitik der EZB muss als aggressiv und am Rande des Mandats der EZB eingeordnet werden", konstatiert Markus Zschaber. Diese Politik wird seitens der EZB mit den jüngst gesunkenen Inflationserwartungen begründet. Der EZB-Rat ist darauf fokussiert das Preisinflationsziel von knapp unter zwei Prozent nicht aus den Augen zu verlieren.

In den Schwankungsphasen des Kapitalmarktes, welche in der neuen Normalität stattfinden, gilt es, Ruhe zu bewahren und das Portfolio sauber zu analysieren. Fakt ist, Aktien bleiben somit für Markus Zschaber wichtigster Bestandteil in einem Portfolio: "In jedem Jahr erleben wir erfahrungsgemäß zwei, drei Phasen mit Kurskorrekturen. Entscheidend ist dann, ob sich dadurch die fundamentale Aussicht für die Weltwirtschaft und für Bondrenditen ändert. Diese Frage ist wichtiger als jene, ob Aktien hoch bewertet seien. Entscheidend ist, ob Aktien im Vergleich zu Anleihen teuer sind. Das absolute Gegenteil ist der Fall. Aktien sind im Vergleich zu Anleihen sogar außerordentlich günstig", konstatiert Markus Zschaber.

Der V.M.Z.-Kommentar zum aktuellen Stand

Zuletzt hat die Konjunkturdynamik der Weltwirtschaft etwas an Tempo verloren, allerdings waren die Erwartungen noch deutlich pessimistischer. "Dies ist ein gutes Zeichen, die Weltkonjunktur zeigt sich insgesamt stabil, aber mit markanten Unterschieden", so Zschaber. Aus China und der gesamten asiatischen Region konnten jüngst schwächere Signale verzeichnet werden, welche aber durch den Umbau der chinesischen Volkswirtschaft seitens der dortigen Regierung zusätzlich negativ beeinflusst wurde und auf die gesamte Region abstrahlt. Ebenfalls schwächer tendiert das Wachstum in den rohstoffexportierenden Nationen, wie etwa in Russland oder Lateinamerika.

"Die Welt bleibt gespalten hinsichtlich des regionalen Wachstums. Während in den USA und in Europa moderates Wachstum erzeugt wird, in Deutschland und Großbritannien der Wachstumspfad auch im Großen und Ganzen robust aussieht, verlangsamt sich das Wachstum in den Schwellenländern aufgrund des Abschwungs im Kreditzyklus vorerst weiter," resümiert Zschaber. Exakt diese Entwicklung spiegelt der "Index der Konjunkturdaten" wider. Mit einem aktuellen Niveau von 62 Prozent verdeutlich das Konjunkturbarometer zwar eine positive Grundtendenz für die Weltwirtschaft, allerdings etwas schwächer als im Vormonat. Damals lag das Niveau noch bei 67 Prozent.

Die Perspektive für die US-amerikanische Volkswirtschaft ist ähnlich wie in China unterschiedlich. Während der Rohstoffsektor weiterhin unter dynamischem Preisdruck steht, schwächeln auch viele exportlastige US-Unternehmen aus dem Industriesektor aufgrund des starken US-Dollars. Gleichzeitig stützt aber das robuste Binnenwachstum, getrieben von einer höheren Dynamik am Arbeitsmarkt und von Lohnzuwächsen, die Kaufkraft der Konsumenten und verhindert somit schlimmere Aktivitätseinbußen im verarbeitenden Gewerbe. "Bei den Unternehmen die eine starke heimatmarktbezogene Absatzstruktur entwickelt haben, sehe ich in den USA die größten Performancechancen in diesem Jahr. Die Ertragskraft der meisten Unternehmen, die hierbei in Frage kommen, ist höher als jemals zuvor. Dies lässt keinen anderen Schluss zu, als dass die Unternehmen offensichtlich in der Lage sind, ihr Betriebsvermögen immer produktiver einzusetzen. Für mich ist dies ein echter Qualitätsanker, der dazu führen wird, dass die bilanzielle Performance der Unternehmen durch die ansteigende Inlandsnachfrage zunehmend weiter gestärkt wird," so Zschaber weiter.

Aus den Detailanalysen geht hervor, dass die Industriekonjunktur in Europa, auch ohne Deutschland und Großbritannien gerechnet, erstmals nach langer Durststrecke an Fahrt aufnimmt. Für Deutschland bleibt der Vermögensverwalter ebenfalls optimistisch: "Es zeigt sich eindeutig, dass für deutsche Unternehmen, die USA, Europa und auch Asien die wichtigsten Absatzmärkte bleiben. Trotz der schwierigen Ausgangslage in Asien, sehe ich aber die starke Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen durch den schwachen Euro gefestigt, so dass ich nicht mit einem dramatischen Rückgang der Absätze in Asien in 2016 rechne. Insofern sehe ich in Deutschland durch die Außenwirtschaft und einen stabilen privaten Verbrauch im Inland gute Chancen, in ähnliche Wachstumsregionen vorzustoßen wie im letzten Jahr. Die Geschäftslage der deutschen Unternehmen kann trotz der schwachen Aussichten in Asien und der problematischen Situation rund um Russland als recht ordentlich bezeichnet werden. Die niedrigen Fremdkapitalkosten sowie die niedrigen Energie- und Rohstoffpreise und ein sehr schwacher Euro sollten die Absatzchancen deutlich steigen lassen – dieses ist ein solider Boden."

Die Konjunkturüberraschungen erreichten ein zuletzt sehr starkes Niveau. Dies bescheinigt auch der "Index der Markterwartungen" mit einem gestiegenen Niveau von 70 Prozent (Vormonat: 69 Prozent). "Die Verunsicherung der Marktakteure hinsichtlich der weiteren Entwicklung der Weltwirtschaft war jüngst ausgesprochen hoch. Wie gewohnt überraschte das Datenbild gerade aus dem Dienstleistungssektor aus den USA positiv, interessant waren aber die tiefen Erwartungen an Europa. In vielen Teilkomponenten der Wirtschaftsaktivität hat sich die gesamtwirtschaftliche Lage stärker verbessert, als durch die Marktteilnehmer zuvor eingepreist. Dies lässt mich positiv stimmen, da zu tiefe Erwartungen in der Regel Indikationen für eine Kursverbesserung, sehr hoher Optimismus dagegen häufig ein Warnzeichen für eine bevorstehende Kursschwäche sind. Hier passt die alte Börsenweisheit: Haussen werden im Pessimismus geboren, wachsen an der Skepsis, reifen im Optimismus und sterben in der Euphorie. Momentan seien Aktien noch immer ungeliebt", so der Kölner Vermögensverwalter.

Fazit & Ausblick für Anleger

Wie kann ich mein Vermögen im Niedrigzinsumfeld schützen? Das ist die Frage, die in der heutigen Zeit alle Anleger beschäftigt. "Fakt ist - und dieses hören wir überall - der Anlagenotstand ist gigantisch. Die Angst der Anleger, jetzt das Falsche zu tun, ist 2016 noch viel größer als in den vorherigen Jahren. Es fällt allerdings auch einem großen Teil der Bevölkerung, der noch keine Investments besitzt, sehr schwer, in dieser Zeit überhaupt eine Entscheidung umzusetzen. Sei es aus Unkenntnis, aus Angst oder aus Misstrauen in dieser neuen Normalität der zinslosen Dekade. Darüber hinaus zeigt sich auch, dass beim bekannten und beliebten Investment der "Immobilie", die Zurückhaltung seitens der Kaufentscheidungen zunehmend nachlassen, da die Immobilienpreise in den letzten Jahren sehr stark gestiegen sind.

"Nach unserer Einschätzung sind die Voraussetzungen für einen seriösen Performanceerfolg auch in Zukunft gegeben. Zumal die Weltwirtschaft im kommenden Jahr um moderate 3 Prozent wachsen sollte. Das Thema finanzielle Repression bleibt uns erhalten, welches mittelfristig immer mehr Anleger in die Assetklasse Aktien treiben wird. Das Verständnis der Bürger und die Erkenntnis, dass es auf das Ersparte keine Zinsen mehr gibt und der Schutz des Kapitals, sozusagen die Substanz, über die nächsten Jahre langfristig im Vordergrund steht, reift nur langsam. Hierbei geht es nicht um kurzfristige Aktiengewinne, wie es die Mehrheit der Bevölkerung interpretiert, sondern um den Vermögensschutz auf Jahrzehnte. Außerdem werden die Notenbanken weiter viel Geld drucken. Steigende Leitzinsen, wie viele sie befürchten, sehen wir nicht. Die Fed wird die Zinsen bestenfalls nur geringfügig weiter erhöhen können", so Zschaber weiter.

Zusammengefasst: Das konstruktive konjunkturelle und monetäre Umfeld spricht im Jahr 2016 ebenso für Aktien wie die ausbaufähigen Bewertungsrelationen und das intakte Vertrauen der Institutionellen Anleger. Aus diesem Grund bleibt im Musterdepot die Anlagepolitik, welche schon die letzten drei bis vier Jahre verfolgt wurde bestehen.

Das Wichtigste ist, investiert zu sein und zwar in qualitätsvolle Investments innerhalb eines diversifizierten Portfolios. Sach- und Realkapital wie Aktien ist hierbei ein wesentlicher Bestandteil, aber eben auch sicherheitsorientierte Bausteine, wie sehr gute Anleihen von erstklassigen Unternehmen oder sehr gesunden Staaten. "Entscheidend ist, dass die Ausrichtung des Portfolios global fokussiert ist, was wir trotz temporärer Schwerpunkte, welche wir aus der Analyse heraus bilden immer und zu jedem Zeitpunkt anstreben. Mit einem gut diversifizierten Portfolio sollte im kommenden Börsenzyklus über die kommenden 12 Monate eine attraktive Performance möglich sein", blickt Markus Zschaber auf 2016.

Veränderungen im Musterportfolio:

Zukäufe-/Nachkäufe aus den letzten 4 Wochen: Coca Cola, Home Depot, 3M, Nike, Swatch, ABB, Holcim, Novartis, Roche, Anheuser-Busch, Unilever, Zürich Insurance, FujiFilm Holdings, West Japan Railway, Procter & Gamble, Pfizer, Wal-Mart,

Haltepositionen: Gerresheimer, Airbus, Fuchs Petrolub, Dürr, Brenntag, Bertrandt, Hugo Boss, Moncler, Christian Dior, Symrise, Grenkeleasing AG, Croda International, Michelin, Geberit, L’Oreal, Fresenius, Axa, Aareal- Bank, Bechtle, Continental, Merck, Jungheinrich, Microsoft, Krones, Allianz, Bayer, 3M, Nestle, Daimler,

Verkäufe aus den letzten 4 Wochen: SAP, American Express, Lanxess, Duke Energy, Alcoa, Fedex, EDF, Fielmann, Kuka, Visa, Thyssen Krupp, Du Pont.

 

Asset-Allokation:

Erhöht werden: Aktien USA von 7,5% auf 10%; Aktien Schweiz von 3% auf 7%, Aktien Large Caps Japan von 8% auf 10%, Wandelanleihen von 4% auf 5%.

Beibehalten werden: Aktien Nebenwerte Europa 12,5%, Staatsanleihen Emerging Markets 2,5%, Unternehmensanleihen 5%, Edelmetalle 5%, Aktien Large-Caps Europa 2%; Staatsanleihen USA 3%.

Reduziert werden: Aktien Large-Caps Deutschland von 17,5 auf 15%, Aktien Large-Caps Europa von 12,5% auf 10%, Aktien Nebenwerte Deutschland von 17,5% auf 15%, Aktien Emerging Markets von 5% auf 3%.

Das Musterdepot zum "Welt-Index" beinhaltet diverse Anlageklassen wie beispielsweise Aktien, Unternehmens-, Wandel- und Staatsanleihen sowie Rohstoffe als auch Edelmetalle. Das Portfolio wird aktiv seit 5 Jahren gemanagt und auch abgesichert je nach Börsenphase, so dass je nach Kapitalmarktsituation auch flexibel die Bargeldquote erhöht oder minimiert wird. Zur Absicherung und Gewinnmitnahmen werden auch ETF`s auf Indices und Märkte verwendet. Mit dieser Art der direkten Abbildung des "Weltwirtschaftszyklus" ist es dem Musterdepot gelungen, eine konstante und höhere Wertentwicklung als der MSCI World zu erwirtschaften.

Zur Methode: Die Grundlage des "Welt-Index" ist die Analyse von Wirtschaftsindikatoren aus der ganzen Welt, die eine hohe wirtschaftliche Relevanz und eine hohe Reaktion an den Finanzmärkten mit sich bringen. Diese werden weltweit von Statistikämtern und Forschungsinstituten sowie weiteren hochrangigen wissenschaftlichen Quellen veröffentlicht. In der Endform konzentriert sich der "Welt-Index", der aus zwei Komponenten besteht, dem "Index der Konjunkturdaten" und dem "Index der Markterwartungen", auf die monatlich 50 wichtigsten Konjunkturdaten, zugrunde liegen mehr als 1000 internationale Indikatoren, die monatlich ermittelt und bewertet werden. Die Verknüpfung der Datenreihen in einer nach Dominanzfaktoren gegliederten Gewichtung gibt Aufschluss darüber, in welchem Zyklus und Stadium sich die Weltwirtschaft befindet. Aufgrund der Kombination von frühzyklischen, gleichzyklischen und nachzyklischen Indikatoren sowie der Integration einer Erwartungskomponente ermöglicht der "Welt-Index" eine sehr genaue Messung des aktuellen Status. Um dieses zu vereinfachen, werden dann zwei Trenddaten erstellt, die Aufschluss darüber geben, wie viele der ermittelten Daten in den vergangenen vier Wochen gefallen oder gestiegen sind. Nähere Informationen hierzu unter: www.weltindex.de.

Das Musterportfolio zum "Welt-Index" ist nur als begleitende Information zu verstehen und dient nicht als konkreter Anlage-Ratschlag. Die Vermögensverwaltungsges. Dr. Markus C. Zschaber mbH erstellt den Index monatlich exklusiv für die "Welt am Sonntag" und den Nachrichtensender "n-tv". Informationen zum Index unter www.zschaber.de und www.kapitalmarktanalyse.com

Quelle: n-tv.de

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