Wirtschaft
Der Start ins neue Jahr ging auch an der Wall Street gründlich schief.
Der Start ins neue Jahr ging auch an der Wall Street gründlich schief.(Foto: AP)

Tiefschlag aus China: Chaosstart 2016 – was ist an den Börsen los?

Von Egmond Haidt und Benjamin Feingold

Zum Jahresauftakt brechen die Börsen rund um den Globus ein. Die Entwicklungen in China, beim Ölpreis und am Währungsmarkt lassen die Börsianer nicht los. Der schlechte Jahresauftakt mahnt zur Vorsicht.

Miserabler Börsenstart in das neue Jahr: Der Dax bricht um vier Prozent ein, und die Börsen in den USA und Japan verbuchen ebenfalls herbe Verluste. Auslöser sind die schwachen Konjunkturdaten aus China. So war der Einkaufsmanagerindex für die chinesische Industrie, den die Mediengruppe "Caixin" veröffentlicht, im Dezember überraschend von 48,6 Punkten auf 48,2 Punkte gesunken. Damit legt der Index eine traurige Serie hin und notiert den zehnten Monat in Folge unterhalb von 50 Punkten. Das bedeutet eine Schrumpfung des Sektors, obwohl Volkswirte diesmal von einer Erholung ausgegangen waren.

Wenn aber die Industrie der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt weiter schwächelt, bedeutet das nichts Gutes für die Weltwirtschaft, zumal auch die Auftragseingänge für die chinesische Industrie weiter rückläufig sind. Die Regierung müsse ihre Politik ändern, um zu verhindern, "dass die (chinesische) Wirtschaft nicht von der Klippe herunterfällt", warnte daher He Fan, Chefvolkswirt bei "Caixin". Nach der Veröffentlichung der Daten fiel erst mal der Aktienmarkt in China von einer Klippe und verlor sieben Prozent, woraufhin der Handel ausgesetzt wurde. Für zusätzlichen Druck sorgte, dass am Jahresende gewisse Beschränkungen für Aktienverkäufe durch Großinvestoren ausgelaufen waren, weshalb sie nun kräftig Aktien verkauften.

Die Sorgen der Investoren werden dadurch verstärkt, dass der chinesische Renminbi einmal mehr kräftig abwertet. Mit 6,53 Renminbi je Dollar fällt die chinesische Währung auf das niedrigste Niveau seit Frühjahr 2011. Das hat massive Folgen für viele andere Länder, werden doch chinesische Produkte im Ausland deutlich billiger. Entsprechend trüben sich die Perspektiven für die Exportwirtschaft vieler Länder wie zum Beispiel Deutschland ein und belasten die Weltwirtschaft insgesamt– schlechte Aussichten für den Dax.

Yen läuft Aktienmarkt oft vor

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Für zusätzlichen Druck auf die Aktienmärkte sorgt die Auflösung des sogenannten Carry Trades. In den vergangenen Jahren hatten Investoren die Talfahrt des japanischen Yen genutzt, um verstärkt Kredite auf Yen-Basis aufzunehmen und das Geld in höher rentierliche Anlagen, wie beispielsweise US-Aktien oder -Anleihen, zu investieren. Von diesem Carry Trade haben Anleger doppelt profitiert: Einerseits von Währungsgewinnen und andererseits von Kursgewinnen der Aktien.

Dieses Geschäft geht aber nur gut, solange der Yen fällt. Steigt die japanische Währung, erleiden Investoren Währungsverluste, woraufhin sie den Carry Trade auflösen und ihre Aktien verkaufen. Das ist derzeit der Fall mit einem Dollar-Yen, der inzwischen auf 119 Yen je Dollar gestiegen ist. Damit nähert er sich rapide dem Sechs-Monats-Hoch von 118,5 Yen je Dollar. Sollte der Yen in den nächsten Monaten weiter zulegen, würde das den Druck auf den Aktienmarkt rund um den Globus verstärken.

Ölpreis belastet Staatsfonds

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Selbst die Erholung des Ölpreises kann die Börsen nicht stützen. Im Gegenteil: in den vergangenen Quartalen hat der Verfall des Ölpreises Ölexporteure wie Russland oder Saudi-Arabien stark belastet, weil sie auf die Ausgabenbremse treten müssen. Das dämpft die heimische Wirtschaft erheblich, weshalb die russische in einer tiefen Rezession steckt. Ein weiterer Rückgang des Ölpreises hätte außerdem den Nachteil, dass große einflussreiche Staatsfonds, wie etwa der von Norwegen, Aktien oder Anleihen verkaufen müssten. Das würde für zusätzlichen Druck auf den weltweiten Aktienmarkt sorgen.

Anleger sollten in den nächsten Monaten daher die Nachrichten aus China, vom Währungsmarkt und vom Ölpreis weiter genau im Auge behalten. Anhaltend schwache Konjunkturdaten aus China, sowie eine weitere kräftige Abwertung des Renminbi belasten ebenso wie ein nochmaliger Rückgang des Ölpreises. Eine anhaltende Erholung des japanischen Yen wäre ein zusätzlicher Belastungsfaktor.

Umso mehr kommt es darauf an, ob die US-Notenbank umschwenkt und auf weitere Zinserhöhungen verzichtet. Immerhin waren die Turbulenzen am US-Aktienmarkt, nach dem Beginn der Abwertung des Renminbi ab Mitte August, der Grund, die Leitzinsen in den USA im September 2015 nicht zu erhöhen. Nur wenn die amerikanischen Notenbanker wieder eine Kehrtwende in der Geldpolitik hinlegen, dürfte es an den weltweiten Börsen ruhiger zugehen.

Quelle: n-tv.de

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