Wirtschaft
Die Frauenquote von Bundesfamilienministerin Schwesig hat bisher kaum Auswirkungen auf die Besetzung von Führungsposten in großen Unternehmen.
Die Frauenquote von Bundesfamilienministerin Schwesig hat bisher kaum Auswirkungen auf die Besetzung von Führungsposten in großen Unternehmen.(Foto: dpa)

Kaum Frauen im Vorstand: Chefetagen sind "männliche Monokulturen"

Die Zahl der weiblichen Führungskräfte ist 2015 gestiegen, aber nur leicht. Eine neue Analyse zeigt: Noch immer dominieren Männer die Vorstände börsennotierter Unternehmen. Nur eine einzige Frau steht an der Spitze.

Frauen bleiben in den Chefetagen großer Unternehmen in Deutschland mit Abstand in der Minderheit - auch wenn der Anteil weiblicher Führungskräfte 2015 leicht gestiegen ist. Nach einer neuen Analyse der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young gab es zum Stichtag 1. Januar 40 weibliche Vorstände in 160 untersuchten Unternehmen. Vor einem Jahr waren es 36. Insgesamt lag der Frauenanteil in Vorständen damit bei 5,9 Prozent. Lediglich in 23 Prozent der Konzerne saß überhaupt eine Frau im Vorstand.

Vor dem Hintergrund der seit vielen Jahren anhaltenden Diskussion sei dies ein "enttäuschendes Ergebnis", erklärt Ernst & Young. "Deutsche Vorstandsetagen bleiben mehrheitlich männliche Monokulturen."

Nur eine Frau an der Unternehmensspitze

Ernst & Young überprüfte alle 160 Unternehmen, die im Dax, MDax, SDax und TecDax gelistetet sind. Mit Anke Schäferkordt steht bei der Mediengruppe RTL derzeit nur eine Frau tatsächlich an der Spitze; alle 39 anderen Frauen sitzen nicht im Chefsessel. Allerdings übernehmen die weiblichen Vorstände laut Ernst & Young mehr und mehr Verantwortung: 38 Prozent von ihnen sind demnach für einen operativen Bereich wie Produktion oder Logistik verantwortlich. Ebenfalls relativ häufig, mit jeweils 20 Prozent, kümmern sich die weiblichen Vorstände um die Ressorts Personal und Finanzen.

Nach Branchen aufgeschlüsselt ist der Frauenanteil im Transport- und Logistikwesen mit 14 Prozent am höchsten. Auf Platz zwei folgt die Telekommunikationsbranche mit 11 Prozent, vor der Finanzbranche mit 10 Prozent. Im IT-Sektor ist laut Analyse nur eine Frau in einem Vorstand vertreten, im Energiebereich werden Frauen im Vorstand vergeblich gesucht.

Seit Januar gilt in Deutschland eine Frauenquote für Aufsichtsräte. Das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen sieht vor, dass börsennotierte Unternehmen bei der Neubesetzung ihres Kontrollgremiums sicherstellen müssen, mindestens 30 Prozent der Posten von Frauen zu besetzen. Für Frauen im Vorstand gibt es keine genauen Vorgaben, sondern nur freiwillige Ziele, zu deren Erreichen die Unternehmen regelmäßig berichten müssen.

Quelle: n-tv.de

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