Wirtschaft
Chefkontrolleur auf Abruf? Gerhard Cromme.
Chefkontrolleur auf Abruf? Gerhard Cromme.(Foto: picture alliance / dpa)

Siemens lädt zur Hauptversammlung: Chefkontrolleur Cromme steht im Fokus

Hinter dem Technologieriesen Siemens liegt ein stürmisches Geschäftsjahr. Der turbulente Wechsel an der Vorstandspitze nach zwei Gewinnwarnungen und der Abbau Tausender Arbeitsplätze sorgten für viel Unruhe. Von Aufsichtsratschef Cromme erwarten die Investoren eine Regelung seiner Nachfolge.

Es gibt großen Redebedarf bei Siemens. Am Dienstag werden sich Vorstand und Aufsichtsrat bei der Hauptversammlung in München den Aktionären stellen. Neben der künftigen Marschroute für das Dax-Schwergewicht mit seinen rund 370.000 Beschäftigten dürfte dabei auch Chefaufseher Gerhard Cromme im Fokus stehen. Der Manager wird im Februar 71 Jahre alt und war erst beim vergangenen Aktionärstreffen wieder in das Kontrollgremium gewählt worden, seine Amtszeit läuft regulär noch bis 2018.

Cromme war früher auch Chefkontrolleur des krisengeschüttelten Stahlkonzerns ThyssenKrupp, hatte den Posten jedoch aufgegeben. Das nährte auch Spekulationen, dass er sich bei Siemens zurückziehen könnte.

Zumal auch wichtige Investoren den Druck auf den Chefkontrolleur erhöhen. Nach "Handelsblatt"-Angaben geht es dabei zunehmend um die Begleitung des Vorstands bei Zukunftsthemen wie Technologie und Innovation. Es stelle sich die Frage, ob Cromme der richtige Mann sei, sagt Hans-Christof Hirt von Hermes Equity Ownership der Zeitung. Cromme müsse nicht sofort zurücktreten, sondern "einen Wechsel an der Aufsichtsratsspitze und auf der Hauptversammlung 2015 zu präsentieren".

Ins gleiche Horn stößt auch Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Union Investment. Ein sofortiger Rücktritt Crommes sei kein Thema, sagte er dem "Handelsblatt". Der Aufsichtsratschef habe auch einiges richtig gemacht. "Doch erwarten wir in absehbarer Zeit eine konkrete Aussage zur möglichen Nachfolgeregelung", äußerte Speich weiter.

Kaesers Start gelungen

Joe Kaeser will Siemens wieder in ruhiges Fahrwasser führen.
Joe Kaeser will Siemens wieder in ruhiges Fahrwasser führen.(Foto: picture alliance / dpa)

Im Mittelpunkt der Versammlung dürfte auch der neue Vorstandschef  Joe Kaeser stehen. Dieser hat derweil ganz gute Nachrichten für die Anleger im Gepäck haben. Nach Analystenschätzungen sind die ersten drei Monaten dieses Geschäftsjahres (per 30. September) solide gelaufen. So hatte Siemens zwischen Oktober und Ende Dezember gleich mehrere Großbestellungen für Windräder und Kraftwerke an Land gezogen, deshalb wird mit einem kräftigen Plus beim Auftragseingang gerechnet.

Der Umsatz dagegen könnte angesichts des starken Euro beim Vorjahreswert von 18 Milliarden Euro stagniert haben. Für das Gesamtjahr hatte Kaeser einen Anstieg des Gewinns pro Aktie um mindestens 15 Prozent in Aussicht gestellt. Analysten gehen davon aus, dass es bei dieser Prognose bleibt.

Der 56-jährige Kaeser steht seit der Ablösung seines Vorgängers Peter Löscher im vergangenen Sommer an der Konzernspitze und hatte sich vorgenommen, erst einmal wieder Ruhe und Ordnung ins Unternehmen zu bringen. Die Konzernstruktur will er weiter umbauen und Details dazu Anfang Mai nennen.

Ob und wie viel er sich dazu auf der Hauptversammlung entlocken lässt, bleibt deshalb abzuwarten. Die Börse hat Kaesers Kurs bisher jedenfalls honoriert: Seit seinem Amtsantritt hat die Siemens-Aktie um rund 20 Prozent zugelegt, das dürfte auch die Aktionäre freuen.

Quelle: n-tv.de

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