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Der Lack ist ab: Vom einstigen Glanz des Traditionshauses bleibt kaum mehr als der Name.
Der Lack ist ab: Vom einstigen Glanz des Traditionshauses bleibt kaum mehr als der Name.(Foto: picture alliance / dpa)

Kontinuität sieht anders aus: Chefwechsel bei Sal. Oppenheim

Die Traditionsbank kommt nicht zur Ruhe: Gerade erst beginnt der Prozess um den Niedergang der Bank, bei dem die Ex-Chefs Rede und Antwort stehen müssen, da sorgt die nächste Personalie für Unruhe. Wilhelm von Haller geht von Bord. Vom einstigen Glanz der Privatbank bleibt kaum mehr als der Name.

Wolfgang Leoni ist der neue Mann an der Spitze.
Wolfgang Leoni ist der neue Mann an der Spitze.

Die Privatbank Sal. Oppenheim erlebt schwierig Zeiten: Nach der Ankündigung eines  massiven Jobabbaus und dem schlagzeilenträchtigen Prozessauftakt gegen die frühere Führungsriege wird bei dem Kölner Traditionshaus nun auch noch der Chef ausgetauscht. Wilhelm von Haller, den die Deutsche Bank Ende 2009 zur damals gerade übernommenen Krisentochter entsandte, kehrt zurück zur Konzernmutter, um sich dort einer "wichtigen Aufgabe" zu widmen.

Finanzkreisen zufolge soll der 60-Jährige vor allem die geplante Mittelstandsoffensive mit vorantreiben, denn er kommt ursprünglich aus dem Firmenkundengeschäft. Das Ruder bei Sal. Oppenheim übernimmt zum 1. April der bisherige Anlagechef Wolfgang Leoni. Er soll die Sanierung des Hauses zu Ende bringen. Er wird von Kollegen als pragmatisch und uneitel beschrieben.

Der lange Kampf zurück

Über die Rückkehr von Hallers zur Deutschen Bank war in Branchenkreisen schon länger spekuliert worden. Er hatte Sal. Oppenheim zurück in die Gewinnzone geführt und den großen Berg an Risiken abgebaut. Die mehr als 220 Jahre alte Bank war wegen ihrer Beteiligung an dem mittlerweile insolventen Handelskonzern Arcandor in Schieflage geraten und wurde schließlich vom Branchenprimus aufgefangen. Doch die Mini-Gewinne, die Sal. Oppenheim inzwischen abliefert, reichen der Deutschen Bank nicht. Sie hat die Tochter deshalb an die kurze Leine gelegt und ihr ein Sparprogramm verordnet, Jobabbau inklusive.

Von Haller wird zur Deutschen Bank zurückbeordert.
Von Haller wird zur Deutschen Bank zurückbeordert.(Foto: picture alliance / dpa)

Nach Angaben von Insidern wackeln bei Sal. Oppenheim knapp 500 der zuletzt noch 930 Stellen. Die Verhandlungen darüber und sollen spätestens bis zum Sommer abgeschlossen sein. Viele Funktionen werden einfach an die Deutsche Bank angedockt, die ihr Asset and Wealth Management (AWM) unter dem neuen Spartenchef Michele Faissola gerade komplett umkrempelt. Sal. Oppenheim soll sich in diesem Korsett dann um die vermögenden Privatkunden und deren Kapitalsammelstellen (Family Offices) kümmern. Vom alten Glanz der Privatbank bleibt also kaum mehr als der Name.

Schmerzhafte Anpassungen

Von Haller zieht daraus nun offenbar Konsequenzen, auch wenn die Deutsche Bank noch ein Geheimnis um seine neue Aufgabe macht. Der künftige Sal.-Oppenheim-Chef Leoni wiederum muss den Spagat schaffen, einerseits die Renditeerwartungen des Konzerns zu erfüllen und andererseits die Kunden von der unabhängigen Investmentstrategie seines Hauses zu überzeugen. "Ich weiß, dass eine Reihe von schwierigen Aufgaben vor uns liegen", sagte der 55-Jährige. "Die nächsten Monate werden sicher noch mit schmerzhaften Anpassungen der Organisationsstruktur verbunden sein. Aber damit haben wir die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft von Sal. Oppenheim gestellt."

In Köln heißt es hinter vorgehaltener Hand, Leoni sei eine perfekte Integrationsfigur und für Sal. Oppenheim die beste aller Lösungen. Der Manager gehört dem Vorstand der Privatbank seit 2009 an, bereits seit 2007 verantwortet er die Anlagestrategie für die Kunden. "Mit seiner Expertise an der Spitze unterstreichen wir die künftige Ausrichtung von Sal. Oppenheim als führende und traditionsreiche Adresse in der Vermögensverwaltung", erklärte AWM-Chef Faissola.

Quelle: n-tv.de

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