Wirtschaft

Welt-Handelsindex: China-Angst ist übertrieben

Ein Gastbeitrag von Markus C. Zschaber

Im Sommer richtete sich auch im Welthandel der Blick nach China. Der Pessimismus was die Wachstumsstory Chinas angeht, ist allerdings übertrieben. Ebenso wie die Sorge um die gesamte Weltwirtschaft.

Der Welthandel ist während der Sommermonate zunehmend stärkeren Wellen ausgesetzt. Vor allem das Außenhandelswachstum mit und rund um China sorgte für erneute Bremswirkungen auf den internationalen Welthandel. "Die Handelsschwäche in China ist zurückzuführen auf den starken US-Dollar. Die Regierung in China hat durch die Abwertung im vergangenen Monat auf den Anstieg des US-Dollars reagiert. Durch einen geringeren Währungswert verringern sich die Preise, welche Käufer auf ausländischen Märkten zahlen. Dies sollte sich im Oktober erstmals positiver bemerkbar machen. Außerdem steigen die Infrastrukturausgaben in China durchaus beachtlich, das sollte das Wachstum in China stützen", fasst Markus Zschaber zusammen.

Dr. Markus C. Zschaber
Dr. Markus C. Zschaber(Foto: V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft Dr. Markus C. Zschaber mbH)

Die China-Handelsschwäche macht sich für die deutschen Exporteure nur partiell bemerkbar, zu hoch sind die aktuellen Auftragsvolumina aus Europa und den USA. Allerdings kann determiniert werden, dass die Stimmung und die Zuversicht sich leicht abkühlen, was darauf zurückzuführen ist, dass viele die Wachstumsstory in China für unterbrochen sehen. Diese Annahme geht dem Kölner Vermögensverwalter allerdings viel zu weit: "Ja, wir sehen Angebotsanpassungen in China. Gewisse Kapazitäten werden aktuell abgebaut, das drückt auf die Konjunktur, allerdings sehe ich keinen Einbruch der Nachfrage und damit auch keine Krisenansteckung auf Europa oder die USA. Fakt ist, die Investitionen werden durch die chinesische Regierung quasi gesteuert, hier erwarte ich eher eine weitere Zunahme in den kommenden Monaten. Mir erscheinen schlichtweg die realwirtschaftlichen Konsequenzen, welche allgemein erwartet werden, zu negativ. Hinzu kommt, dass mir zu wenig differenziert wird. Ja, wir haben Nationen wie Brasilien und Russland, welche sicherlich aktuell eine Rezession durchleben, allerdings klassifizieren wir weiterhin keine dynamische globale Abkühlung der Weltwirtschaft, welche diesen allgemeinen Pessimismus und die Ungewissheit rechtfertigen würden", führt Markus Zschaber aus. 

"Im Gegenteil, vor allem die USA zeigt sich, wie durch unser Haus erwartet, innerhalb eines durchaus robusten Wachstumskorridors, gestützt durch eine hohe Importnachfrage aus der Privatwirtschaft. Die industrielle Nachfrage bleibt ebenfalls unterstützend, allerdings ohne größere Zuwächse. Bewertet man die gesamtindustrielle Produktion der USA zeigen sich zwar leichte Schwungverluste, was aber tendenziell zyklischer Natur sein sollte, allerdings durch den starken US-Dollar etwas verstärkt wird", so Zschaber weiter.

Der Kölner Vermögensverwalter betont, dass die USA ihm aktuell keine Sorgen bereiten, auch wenn gewisse Dynamikverluste im Wachstum zu erkennen sind - Volkswirtschaften müssen atmen, dazu gehört auch die USA. Die Analysen zum Welt-Handelsindex verdeutlichen, dass der Binnenmarkt in den USA intakt ist und sich auf Wachstumskurs befindet. Gestützt wird der Trend sicherlich durch die niedrigen Energiepreise, welche in den USA einen deutlichen Beitrag zur allgemeinen Kaufkraft bilden. Ein wichtiger Eckpfeiler im US-Aufschwung ist außerdem der US-Immobilienmarkt, die Hauspreise steigen in einem gesunden Ausmaß, welches auch maßgeblich zur Gesundung der US-amerikanischen Haushalte beigetragen wird.

Vor allem die Güterimportnachfrage in die USA sollte in diesem Jahr, getragen durch einen starken US-Dollar, an Dynamik weiter zulegen können, welches die Gesamtaktivität im Welthandel eher positiv beeinflussen wird.

Gegen Ende des laufenden Jahres und 2016 dürfte die US-Wirtschaft wieder mehr an Fahrt aufnehmen. Markus Zschaber erwartet hinsichtlich der geldpolitischen Ausrichtung der US-Notenbank einen ersten symbolischen Schritt, aber keine weiteren Zinserhöhungen angelehnt an früherer Zinserhöhungsphasen. Insofern bewertet er die Zinswende auch eher als "Zinswendchen", die mehr symbolischen Charakter hat, als eine ökonomische Konsequenz darstellt. "Ob die Zinsen im ersten Quartal 2016 bei 0% bis 0,25% oder bei 0,75% am kurzen Ende der Zinsstruktur liegen, spielt für die Realwirtschaft keine Rolle. Einen höheren Zinsanstieg geben die Strukturdaten der USA schlichtweg nicht her, das weiß auch die US-Notenbank. Insofern bleiben wir sehr entspannt bei dieser Thematik", so Zschaber weiter. Fakt ist, die Geldpolitik wird bis auf weiteres sehr günstiges Geld hervorrufen, auch in den USA, was die Heilungsprozesse im Finanzsektor fortsetzen wird, was wiederum die Transmission von Kapital in die Realwirtschaft weiter verbessert. Dies wird die Industrienachfrage stützen und mehr Umschlagshäufigkeit auf den Handelswegen mit sich bringen.

Das Sorgenkind ist und bleibt im aktuellen Umfeld das chinesische Wachstum. "Natürlich steht der chinesischen Wirtschaft ein Anpassungsprozess bevor, welcher die konjunkturelle Dynamik dämpft. Fakt ist, dass das Konjunkturmodell in China durch die Zentralregierung gemanagt wird: Das war in den letzten dreißig Jahren so und das wird auch so bleiben. Nicht zuletzt durch die jüngste Währungsabwertung der heimischen Währung wirkt die Regierung gegen eine zu aggressive Anpassung. Auch die Geldpolitik ist heute viel expansiver als noch vor einigen Monaten bzw. in den letzten Jahren", so der Vermögensverwalter weiter.

Der Neuausrichtungstrend der eigenen Volkswirtschaft, was explizit durch die chinesische Regierung forciert wird, wird fortgesetzt. Qualität statt Quantität gilt als die neue Strategie Chinas, was bedeutet, dass eine Abkehr vom investitionsgetriebenen hin zu mehr konsumbasiertem und nachhaltigerem Wachstum angestrebt wird. Hier befinden wir uns in Mitten dieser Entwicklung, was natürlich hohe Wellen verursacht. Viele sehen nur die Risiken dieses Prozesses, ohne auf die Chancen zu achten. In China entsteht der wahrscheinlich größte Absatzmarkt der Zukunft. Bereits heute machen die Konsumausgaben gut die Hälfte des Wachstumsbeitrags aus. Auch die dynamische Wertschöpfung gerade im Dienstleistungsgewerbe verdeutlicht die neue Strategieausrichtung. Man möchte von der Werkbank der Welt hin zu einem starken binnenwirtschaftlichen Geschäftsmodell, welches gerade von den Inlandsaufträgen an das Ausland die höchste Attraktivität anzeigt.

Der geldpolitische Treiber durch die Nullzinspolitik und die Liquiditätsprogramme sollten auch in den kommenden Monaten expansiv auf die weltweite Nachfragekurve wirken und werden den globalen Investitionszyklus langfristig weiter unterstützen. Kurzfristig drückt aber die Ungewissheit rund um China auf die Investitionsbereitschaft in vielen Regionen der Erde, was wiederum eine Stabilisation des Welthandels im August verhinderte. Die Investitionsschwäche wirft die Kapazitäten zwar noch nicht zurück, aber die Gefahr ist laut Markus Zschaber ernst zu nehmen. Ein schlecht laufendes China-Geschäft kann auch hierzulande die Inlandsinvestitionen treffen, aus schlichter Zurückhaltung. Erste Anzeichen bekommen wir derzeit zu spüren, allerdings sieht die Gesamtlage in Deutschland nach wie vor robust aus, was nicht zuletzt an der Erholung in Europa liegt. 

Der weltweite Industriezyklus könnte zur Überraschung vieler im vierten Quartal wieder etwas an Schwung gewinnen, vor allem wenn endlich Klarheit über die Zinsstrategie der USA vorherrscht. Aber auch in Teilen der Eurozone sollte sich der positive konjunkturelle Trend fortführen.

Die aktuelle Geschäftslage im Welthandel verschlechterte sich in den vergangenen vier Wochen nochmals, vor allem die Umschlagsmengen von Produktionsgütern haben im internationalen Kontext eher stagniert. Allerdings ergeben sich Hinweise auf eine wieder auf breiterer Basis stehende Produktionsausweitung in den kommenden Monaten, die aggregierte Industrieproduktion der Industrieländer sollte im vierten Quartal dieses Jahres weiter zulegen. Nach wie vor gibt es daher auch Überraschungspotenzial im gegenwärtigen Konjunkturzyklus, welches nicht zuletzt auch der deutschen Wirtschaft mit ihrem hohen Offenheitsgrad in der Außenwirtschaft sehr zugutekommen könnte.  

Was bedeutet das für den Anleger:

Der Anleger sollte sich trotz der negativen Kursentwicklungen der letzten Monate nicht beirren lassen. Anleger benötigen in der heutigen Zeit erstklassige Unternehmen mit einem globalen Geschäftsmodell. Besondere Merkmale bei der Unternehmensauswahl sollten sein, Unternehmen zu finden, die aktuell vom niedrigen Euro-Kurs auf der Exportseite profitieren sowie von den niedrigen Energiepreisen. Hier ist auf jeden Fall die Chance, dass die Gewinndynamik der Unternehmen mit den Kursgewinnen der Aktien am stärksten mithalten sollte, was dazu führt, dass die Bewertungen flacher ansteigen werden, am größten. Der Kölner Vermögensverwalter präferiert hier vor allem Industrieunternehmen aus den Bereichen Chemie, Automobil, Zulieferindustrie und Konsumhersteller.

Dadurch, dass der "Welt-Handelsindex" ein dynamisches Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst bietet und detailorientierte Analysen auch hinsichtlich der Konjunkturlage ermöglicht, können schnelle und aktive Reaktionen auch im Welthandelsportfolio erfolgen. Das Musterdepot zum "Welt-Handelsindex" wird innerhalb dieser Berichterstattung vierteljährlich erwähnt, es beinhaltet diverse Anlageklassen, übergewichtet Aktieninvestments oder ETF's auf Märkte und Branchen, die insbesondere an den Welthandelsaktivitäten partizipieren. Informationen hierzu unter www.zschaber.de

Funktionsweise Welt-Handelsindex:

Der Welt-Handelsindex fasst alle relevanten Daten aus den vier primären Transport- und Handelswegen (Schifffahrt, Schiene, Straße und Lufttransport) zusammen, gewichtet diese und verdichtet sie in einem Index.

Der Index bietet zum ersten Mal ein Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst in einer Zahl, erfasst damit unter anderem auch die Auswirkungen der Globalisierung und überwindet funktionale und regionale Beschränkungen, der zum Beispiel nur regional ausgerichteten Indikatoren. Indexstände oberhalb eines Niveaus von 50 Punkten deuten einen wachsenden Welthandel an, inmitten einer expandierenden Gesamtwirtschaft.

Unterhalb des Niveaus von 50 lässt sich dagegen aussagen, dass die Welthandelsaktivität schrumpft, wobei ab einem Niveau von unter 45 sogar eine deutliche Kontraktion der Gesamtwirtschaft zu erwarten ist.

Quelle: Die Vermögensverwaltungsges. Dr. Markus C. Zschaber mbH stellt den Index monatlich exklusiv dem "Handelsblatt" und dem "Nachrichtensender n-tv" zur Verfügung. Informationen zum Index unter www.zschaber.de oder www.kapitalmarktanalyse.com

Quelle: n-tv.de

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