Wirtschaft
Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt befindet sich im Umbruch.
Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt befindet sich im Umbruch.(Foto: REUTERS)

Zahlreiche Prognose-Kürzungen: China-Flaute bereitet Unternehmen Sorge

Die Konjunktur-Abkühlung in China und anderen Schwellenländern hat deutschen Konzernen im dritten Quartal einen Dämpfer verpasst. Vor allem die Industrie traf es. Wann ist die Talsohle in der Volksrepublik erreicht?

China, Brasilien Russland - über Jahre versprachen diese Länder rasantes Wachstum und satte Gewinne. Während nach der Finanzkrise die heimische Wirtschaft schwächelte, witterte so mancher Unternehmenslenker in den aufstrebenden Volkswirtschaften das dicke Geschäft. Inzwischen ist die Goldgräberstimmung der Ernüchterung gewichen. Russland und Brasilien stecken in der Rezession. Nach zwei Jahrzehnten zweistelliger Steigerungsraten wächst Chinas Wirtschaft stetig langsamer. Das hat auch Auswirkungen auf deutsche Firmen.

Zwar geht es den meisten Konzernen weiterhin gut, denn der schwache Euro begünstigt die Exporte aus Deutschland und die Kauflust der Verbraucher ist ungebrochen. China ist jedoch mit Abstand wichtigster Handelspartner Deutschlands in Asien und vor allem für Maschinenbau, Autoindustrie oder die Elektrobranche unverzichtbar. Die lahmende Binnenkonjunktur im Reich der Mitte, der hohe Schuldenstand und die langsame Umsetzung von Reformen geben Anlass zur Sorge. Im dritten Quartal kürzten daher etliche Firmen und Branchenverbände ihre Prognosen.

BMW und Daimler legen zu, VW mit Absatzminus

Sichtbar war die Abkühlung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt zunächst bei den Autoherstellern. Im Juni war der Absatz auf dem chinesischen Automarkt erstmals seit über zwei Jahren rückläufig. Erst im September registrierten die Herstellerverbände wieder leicht steigende Verkäufe. Zweistellig schnellten die Absatzzahlen schließlich im Oktober nach oben - dank massiver Steuergeschenke. Die chinesische Regierung hatte die Mehrwertsteuer für Neuwagen mit kleineren Motoren halbiert, um die Nachfrage wieder zu beleben.

Das lässt deutsche Autobauer aufatmen. BMW-Finanzchef Friedrich Eichiner sagte jüngst, die Talsohle sei erreicht. In den ersten zehn Monaten des Jahres wuchs BMW auf dem chinesischen Festland um gut 2 Prozent, Konkurrent Daimler mit seiner Marke Mercedes-Benz sogar um mehr als 30 Prozent. Die Stuttgarter sind allerdings auch später als die Konkurrenz nach China gekommen und haben entsprechen viel Nachholbedarf.

Volkswagen registrierte hingegen ein Absatzminus von 4,5 Prozent. Für die Wolfsburger ist China der wichtigste Markt, dort verkaufen sie mehr als jedes dritte Auto. Glück im Unglück: Der Abgasskandal spielt in dem Land kaum eine Rolle, da die Diesel-Technologie dort kaum verbreitet ist.

Probleme in Chemie- und Stahlbranche

Verdüstert hat sich die Stimmung im Sommer in der Chemieindustrie. Sie glaubt im laufenden Jahr nicht mehr an ein Umsatzwachstum. Die Maschinenbauer klagen ebenfalls über Auftragsrückgänge. Der Branchenverband VDMA erwartet in diesem und auch im nächsten Jahr eine Stagnation.

Den Stahlkonzernen macht die Entwicklung in China regelrecht Angst. Das Land hatte sich in den vergangenen Jahren zum mit Abstand größten Stahlhersteller der Welt entwickelt, doch nun werden diese Mengen nicht mehr gebraucht. Die Folge ist eine massive Überproduktion, die China auf dem Weltmarkt loswerden will. Das hat im Sommer die Preise noch einmal schwer unter Druck gesetzt und für vielerorts für rote Zahlen der europäischen Hersteller gesorgt. Sie fordern in ihrer Not nun die Einführung von Schutzzöllen.

Gemischte Gefühle hat die Finanzbranche. Bei der Deutschen Börse sorgten die von den China-Sorgen ausgelösten Turbulenzen an den Kapitalmärkten für ein reges Handelsgeschehen und damit für kräftige Erlöszuwächse. Gift sind die Unsicherheiten aber für den Anleihehandel bei den Investmentbanken. Widerstandsfähig zeigen sich bislang die Konsumgüterhersteller. Shampoo oder Hautcreme verkaufen sich weiterhin gut, auch weil diese Produkte des täglichen Bedarfs erschwinglich sind.

Luxusbranche lässt Federn

Ähnlich verhält es sich mit Sportartikeln. "Wir sehen keine Bremsspuren in China, weder in unserem Geschäft noch in der Sportindustrie", sagte Adidas-Chef Herbert Hainer kürzlich. Auch für das kommende Jahr ist der Manager optimistisch.
Sobald es teuer wird, schaut die wachsende chinesische Mittelschicht zwischen offenbar aber genauer hin.

Die Luxusbranche musste Federn lassen. Mit dem Einbruch der Aktienmärkte im Sommer habe sich die Konsumbereitschaft der chinesischen Verbraucher weiter verschlechtert, berichtete LVMH. Der französische Louis-Vuitton-Hersteller soll bereits über Ladenschließungen in China nachdenken. Auch der Modekonzern Hugo Boss bekam die nachlassende Nachfrage zu spüren und senkte deswegen die Jahresprognose.

Quelle: n-tv.de

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