Wirtschaft
(Foto: picture-alliance/ dpa)

Solarstreit mit der EU: China dreht den Spieß um

Dass die europäische Solarindustrie so in Schwierigkeiten steckt, hat aus europäischer Sicht einen Grund: China und die dortigen Dumpingpreise im Solarbereich. Das sieht man im Reich der Mitte ganz anders und will nun die europäischen Handelsgepflogenheiten unter die Lupe nehmen.

Im Streit um Subventionen für die Solarindustrie schlägt China zurück. Das Land hat nun seinerseits eine Untersuchung der Handelspraktiken der europäischen Zulieferer für die Solarbranche eingeleitet. Das Handelsministerium in Peking prüft, ob europäische Unternehmen das Vorprodukt Polysilizium zu ungerechtfertigt niedrigen Preisen verkaufen. Zudem wird untersucht, ob die Firmen illegale Subventionen erhalten haben. Unternehmensnamen nannten die Chinesen nicht.

Unter möglichen Einfuhrbeschränkungen dürfte vor allem der Spezialchemiekonzern Wacker Chemie leiden. Die Münchener gehören zu den weltweit führenden Anbietern von Polysilizium und beliefern alle wichtigen Modul- und Zellhersteller in China mit dem Rohstoff. Die Börse reagierte entsprechend negativ auf die Schritte der chinesischen Behörde und schickte die Wacker-Papiere mit knapp drei Prozent ins Minus.

Gegenseitige Dumping-Vorwürfe

Der Schritt stellt eine weitere Eskalationsstufe im Solar-Streit zwischen China und seinen Handelspartner dar. Die Europäische Union prüft seit September Vorwürfe gegen die chinesische Solarindustrie wegen Dumpings. Indische Unternehmen haben ihre Regierung aufgefordert, dies auch zu tun.

China hat bereits ein Ermittlungsverfahren wegen Dumpings und unerlaubter Förderung gegen die USA eingeleitet und geht gegen Südkorea wegen des Verdachts auf Dumping vor. Die Untersuchungen könnten sich ein Jahr lang hinziehen, möglicherweise würden sie sogar bis Ende April 2014 dauern, hieß es.

Die USA haben ihrerseits Solarprodukte aus China bereits mit vorläufigen Zöllen belegt. Noch in diesem Monat soll endgültig über die Abgaben entschieden werden.

In den vergangenen Monaten trieben der Rückgang der Preise für Solarprodukte und die wirtschaftlichen Probleme in einigen Schlüsselmärkten große Solarunternehmen in Deutschland und den USA in die Insolvenz. Betroffen waren unter anderem der einstige Champion Q-Cells, der Solarmodulhersteller Sovello, Solon aus Berlin und die Firma First Solar. Vor wenigen Tagen hat Siemens entschieden, die Solaraktivitäten abzustoßen. Sie seien nicht profitabel genug, wurde der Schritt begründet.

Im ersten Halbjahr 2012 sind Chinas Einfuhren von Polysilizium aus der EU um gut 30 Prozent auf 9.300 Tonnen in die Höhe geschnellt. Dies berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua und beruft sich auf Zahlen des chinesischen Verbands für Nicht-Eisen-Metalle.

Die Preise für Polysilizium aus China sind in der gleichen Zeit um 47,5 Prozent auf 27,50 US-Dollar je Tonne eingebrochen.

Quelle: n-tv.de

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